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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-13 · Heft 37 (13.9.1881) · p. Seite 612

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 37 (13.9.1881)
Date
1881-09-13
Page
Seite 612 (sequence 12)
Language
German
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612 kam. Nach den Bereinsstatnten werden die Einnahmen der ersten fünf Jahre als Grundcapital admafsirt und erst im sechsten Rechnungsjahre Unterstützungen verabreicht. Im ersten Jahre schon ist das Bereinsvermögen auf 2300 Mk. angewachsen; der günstige Kassenbestand ist besonders dem Kassirer Herrn E. Benario. Privatier in Würzburg, zu verdanken. Herr Schriftführer Eschwege gab dann ein ausführliches Referat über die bayrische Gesetzgebung und Regierungsverordnungen in Sachen des israelitischen Erziehungs- und Unterrichtswesens. Der Borsitzende Herr Stern hielt einen längeren Bortrag über den jüdischen Religionsunterricht, der auf Wunsch der Versammlung dem Druck übergeben werden wird. Nach eingehender Debatte wurde beschlossen, einen Normallehrplan für die jüdische Religionsschule zu fertigen und wurden die Referenten bestellt. Die Verhandlungen, die über vier Stunden in Anspruch nahmen, wurden würdevoll geführt. Ein gemeinschaftliches Mahl versammelte die Gäste an froher Tafelrunde in der Baderestauration von L Ehren rcich. Ter erste Toast, vom Vorsitzenden Herrn L. Stern aufgebracht, galt dem König v. Bayern Ludwig II., dem Fürsten, der allen seinen Untcrthanen gleich gerecht ist, in dessen Landen kein konfessioneller Hader geduldet wird und Israel sicher wohnen kann. Die sinnige Tischrede, vom Geiste eines edlen Patriotismus getragen, begeisterte die Versammlung zur jubelnden Huldigung an den Bayernkönig. Herr Landesrabbiner Or. Krön er toaftirte auf die Bereinigung der Lehrergenossenschaften und der württembergifche Gast, Herr Alexander Elsäßer, in gebundener Rede auf den Lehrerbund, was mit Begeisterung ausgenommen wurde. Oesterreich-Ungarn. Prag, 1. Sept. Die Versuche, Krawalle gegen die Inden in einigen böhmischen Städten hervorzurufen, wie in Renberditschow, Raudnitz, sind schnell vereitelt worden. Wie man aus Raudnitz hört, sitzt der Urheber seit einer Woche bei dem Leitmeritzer Kreisgerichte hinter Schloß und Riegel, und zwar hat er sich auffallenderweise selbst gestellt und als schuldig bekannt. Seiner Angabe zufolge soll ihm von gewissen Persönlichkeiten in Raudnitz für die Dauer der Excesse ein tägliches Honorar von 26. sowie für späterhin eine Anstellung zugesagt worden sein; doch das Honorar blieb man ihm schuldig, auch aus der Anstellung wurde nichts, und so sah sich denn das verkommene Subject gedrängt, durch eine Selbftanklage beim Leitmeritzer Kreisgerichte unentgeltliche Beköstigung zu suchen. Holland. Amsterdam, 30. Aug. (Privatmitth.) Eine so traurige Erscheinung, wie die Judenverfolgung in Deutschland, muß von allen Seiten betrachtet werden, und es ist wahrlich kein Ausfluß einer undeutschen Gesinnung, wenn man die Deutschen auf die nachtheiligen Folgen aufmerksam macht, welche diese Hetze haben wird und bereits hat. Bekanntlich wandert, etwa die Iren ausgenommen, kein Volk so viel aus wie das deutsche. Es giebt kein Land, in welches nicht Deutsche mehr oder weniger zahlreich einströmen, keinen Stand und keine Beschäftigung, in die sie nicht einzutreten streben. Besitzen nun schon an und für. sich in der Gegenwart die Deutschen keine große Sympathie im Auslande, so schadet ihnen jetzt unendlich die Art und Weise, wie besonders in, Preußen die Juden behandelt werden und was ihnen hier noch zu drohen scheint. Nicht Vorliebe für die Juden ist es, was hier zur Geltung käme, sondern der Mangel an Rechtsgefühl, der Verstoß gegen die Prinzipien der modernen Gesellschaft, unter deren Schutz doch die deutschen Auswanderer im Auslande eine bessere Zukunft zu erreichen gedenken. Wenn schon in den östlichen Ländern, in Rußland, Böhmen, Ungarn, die Deutschenhetze sich bcthätigt und aus die Behandlung der Juden in Deutschland hinweist, so kann man auch schon in westlichen Ländern, z. B. in Holland, einen Widerstreit gegen die Deutschen constatiren. Es sind hier schon sehr unangenehme Auftritte gewesen, z. B. zwischen den holländischen und deutschen Arbeitern, welche letztere um einen niederen Lohn zu arbeiten sich anboten. Unter diesen Umständen mögen sich doch die deutschen „Patrioten" in Acht nehmen, auf Deutschland das zu häufen, was aus hohem Munde selbst als Schmach bezeichnet worden. Die Deutschen im Auslande würden sehr fühlbar darunter zu leiden haben; man würde einfach sagen: Ihr nehmt die Gastfreundschaft aller Welt in Anspruch und verfolgt die eigenen Landeskinder, weil sie nicht „germanisch" sein sollen. Frankreich. Paris, 31. Aug. (Privatmitth.) Wenn auch das alte Sprüchwort sagt: „Der Brei wird nicht so heiß gegessen, wie er gekocht ist", so läßt cs sich doch nicht verkennen, daß die Wahlen zu Gunsten der Partei ausgefallen sind, welche radikale Reformen durchführen wird und muß, da sie sich in ihren Programmen dazu verbindlich gemacht. Unter diesen wird sich die Streichung des Kultusbudgets und das Verbot confessioneller Friedhöfe befinden. Sollten diese von den Gambettisten selbst nicht eingebracht werden, so wird cs die äußerste Linke thun und die Gambettisten können nicht Nein dazu sagen. Es wird also Alles darauf ankommen, ob es der Deputirtcnkammer gelingt, den Senat umzugestalten und ihn lahm zu legen, so daß er jenen Entwürfen ein Veto einzulegen nicht vermag. Jedenfalls muß man sich auf den Ausgang vorbereiten.' An und für sich ist ja die Streichung des Kultusetats kein Todesstoß für die Confessionen. Dies beweisen die Vereinigten Staaten, in denen bei vollständiger

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