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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-13 · Heft 37 (13.9.1881) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 37 (13.9.1881)
Date
1881-09-13
Page
Seite 611 (sequence 11)
Language
German
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611 uninteressanten Fall zu berichten. Bor einem Jahre zog ein reicher Israelit hierher, war aber, nicht dazu zu bewegen, in die hiesige Gemeinde einzutreten, sondern wollte nur 2 Sitze in der Synagoge, gegen etwa doppelte Taxe, miethen. Mit Recht verweigerte dies der isr. Cultus-Vorstand, war aber sehr in Verlegenheit, als der betreffende einige Tage später eine Quittung vorzeigte, worin ein hiesiger, die Synagoge nicht besuchender! Israelit den Empfang von Mk. 50 bescheinigte, dafür, daß er dem SJJ. N. zwei Sitze in der Synagoge in Aftermiethe gegeben habe. Was war nun zu thun, da weder in der Gcmeindeversassung noch in der Synagogenordnung der Fall vorgesehen war? . . . Ja, selbst vor dem Austritsgesetz vom Jahre 1876 hätte man dem Manne nichts anhaben können, da sein Haus wohl! in nächster Nähe Homburg's steht, sich aber dennoch auf der! Gemarkung eines nahen Dorfes befindet, und dort ausbcsteuert > wird, nicht hier. Als nun der Vorstand sah, daß beide; Theile Miether und Bermiether „auf ihren Schein bestanden,"! trug er den Fall der Königlichen Regierung zu Wiesbaden! vor, bat um Genehmigung eines Anhangs zur Synagogen-! Ordnung und zwar mit rückwirkender Kraft — daß zur Weitervermiethung von Synagogensitzen die Genehmigung des! Cultus-Borstandes erforderlich sei und daß ferner der Letztere befugt und ermächtigt sei, solchen Personen, tic in hiesiger Gemeinde oder in deren Nähe sich niederlafsen und nicht Mitglieder der isr. Gemeinde werden wollen, die Miethc von Synagogensitzen zu verweigern. Diesem Gesuche wurde von der Kgl. Regierung in seinem vollen Umfange entsprochen, was hier überall mit großer Befriedigung vernommen wurde. — Was unfern Gottesdienst betrifft, so ist derselbe in letzter Zeit, namentlich an Freitagabenden, viel schöner und anständiger geworden. Biel trägt hierzu der auf die Initiative unseres verchrlichen Rabbiners Herrn I)i-. Appel wieder ins Leben getretene Synagogenchor bei. Unter der Leitung eines bewährten Dirigenten und der Milhülfe unseres Cantors, Herrn A. Brauuschweig, sowie bei der rastlosen Thätigkeit seines Präsidenten, Herrn Carl Kaufmann, wird es hoffentlich dem wiedererstandenen Vereine gelingen, unserem Cultus dauernd die lange und schmerzlich vermißte Feierlichkeit und Würde zu geben, die ihm gebührt. Schon jetzt, wenn das Schmäh Jisrael klangvoll und mächtig ertönt, schwingt sich die Seele in heiligem Schauer zu Gort, dem „Einzig-Einigen" empor, unser Muth erstarkt inmitten so vieler Verkennung und Gehässigkeit, auszuharren für die Mission Israels: Gottes 'Namen zu verkünden. Feierliche Stille herrscht dann in der Versammlung, es ist als wenn die Friedensengel des Sabbaths den weiten Raum durchschritten, die Palmen des Sieges zeigend, den Gottestag der Gerechtigkeit und der Versöhnung verkündeten. — Das ist der Segen eines veredelten, weihevollen Gottesdienstes. - Gut wäre es, namentlich für den Sabbath-Morgen-GotteS dienst, (an welchem die Knaben wegen des Realschulbesuchs nicht theilnehmen können), wenn wir auch einstimmig eingeübte Gesänge hätten. Sie, geehrter Herr Redacteur, haben schon längst, und die Herren Liebling und Jacobsohn in ihrem neuesten Gesangbuch „Schire beth Jaacob" dem einstimmigen Gesang das Wort geredet. Für kleine Gemeinden, die wenig geschulte Kräfte besitzen (sie auch nicht besolden können), kein Harmonium, keine Orgel haben, um die Lücken und Schwächen des Gesangs auszufüllen, ist wirklich der einstimmige Gesang zu empfehlen, weil er bald Eigenthum der Gemeinde, resp. von derselben mitgesungen wird. — Auch in anderer Beziehung hat hier ein Fortschritt zum Besseren stattgefunden, indem jetzt schon der dritte Wohlthätig keitsverein einer Reorganisation unterzogen wurde. Es ist das der Isr. Frauen-Kranken-Berein, an dessen Spitze die wackeren Vorsteherinnen Frau Sara Löwcnthal und Frau Emma Rothschild stehen. Bei einem großen Kaffeekränzchen, wozu drei Bicrtheile der Mitglieder sich eingefunden — eine praktische Idee, um die Damen zur Berathung zu bekommen - , wurden die neuen Statuten angenommen, nachdem vorher unser Herr Rabbiner eine schöne Ansprache gehalten und die Vorsteherinnen die neueren Bestimmungen vorgclesen und beleuchtet hatten. — Als hervorragende, nunmehr abgereiste Gäste unseres hiesigen Bades habe ich Ihnen die Herren Rabbincn Aron in Straßburg, Buchholz in Emden, Simons in Manchester und Stein in Worms zu nennen. Die Saison des Vergnügens naht ihrem Ende und die Saison siinte beginnt. Sie mahnt zur Einkehr und Selbstkritik. Möge Israel wieder gut und bescheiden werden, wie es ihm frommet und das neue Jahr die Wunden des alten heilen! — Louis Lehmann. Aus Kisfingen, 17. August. (Privatmitth.) Heute tagte hier die Plenarversammlung des ifrael. Lehrervereins der drei fränkischen Kreise Bayerns. Tic Versammlung im Saale des Schweizerhauses war von 54 Vereinsmitgliedern besucht. Herr Rabbiner Bamberg er aus Äissingen hieß die Gäste willkommen und begrüßte sie in freundlichen Worten. Der Vereinsvorstand Herr Ludwig Stern, Reetvr der ifrael. Bürgerschule in Würzburg, nahm den Vorsitz ein und wurde durch Zuruf als Präsident gewählt, worauf er die Schriftführer cooptirte. Ter Vorsitzende stellte einige anwesende Gäste vor, darunter den Vorstand des deutsch ifrael. Gemeindebunds, Herrn I. Nachod aus Leipzig. Herrn Landesrabbiner Dr. Kroner, als Telegirten des Vereins mitteldeutscher Lehrer und Cultusbeamten, Herrn Oberlehrer Alexander Elsäßer aus Laupheim, Sekretär des württb. ifrael. Lehrervereins n. a. m. Der Schriftführer trug zuerst die Protocolle des jüngsten Lehrertags vor, worauf der Rechenschaftsbericht des Unterstütznngsvereins zur Verlesung

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