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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-13 · Heft 37 (13.9.1881) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 37 (13.9.1881)
Date
1881-09-13
Page
Seite 606 (sequence 6)
Language
German
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606 niß des auf ihm von Seiten der jüdischen Bevölkerung viel- 22. August erweisen. Bekanntlich wurden im vorigen Jahre sach lastenden Druckes und der Zersetzung, mit welcher unser plötzlich einige in Petersburg verweilende deutsche, amerika- StaatS- und Volksleben durch den gegenwärtigen Einfluß der nische und englische Unterthanen jüdischer Religion, Vertreter Juden aus dasselbe bedroht ist. Sie beklagt aufs Tiefste die bedeutender und bestrenommirter ausländischer Firmen plötz- Rohheiten und Gewaltsamkeiten, zu welchen dies hier und lich durch polizeilichen Befehl ausgewiesen. Die „Times" da geführt hat, sie ist aber noch schmerzlicher bewegt durch die knüpfen hieran die Bemerkung, daß die russischen Gesetze schwere Verschuldung des eigenen christlich-deutschen Volkes, über die Juden lediglich auf Proselytismus ausgingen, da welche solche Stellung der Juden in ihm ermöglicht hat. jeder Jude, sobald er sich laufen läßt, die vollen bürgerlichen Sie ruft dasselbe auf, an ihrer Bekehrung mit aller Treue Rechte erhält, folglich nicht die Abstammung und die Bczu arbeiten, aber ebenso eingedenk zu sein der großen Berrussthätigkeit, sondern allein die Religion in Betracht kommt, antwortung, die Gaben und Gnaden, welche Gotr ihm von Nach amerikanischen Blättern soll der dortige Staatssekretär Ratur und dann durch das Christenthum hat zu Theil des Auswärtigen Einspruch erhoben haben. Jndeß verlautet werden lasien, zu bewahren und zu pflegen, ein Staatshierüber nichts weiter. Anders ist es der Fall mit England, und Volksleben darzustellen, durch welches die Juden für wo der ausgewiesene Lewisohn die Sache beharrlich verfolgt, das Christenthum gewonnen werden, ihnen allen Schutz und Im Unterhause wurde di-' Angelegenheit schon wiederholt bürgerliche Freiheit zu gewähren, sich selbst und ihnen aber und erst am 23. August, wiederum durch Baron de Worms die unschätzbaren Güter der christlichen Ehe, der christlichen Zur Sprache gebracht, welcher aber von dem Untcrstaats- Schule, der christlichen Obrigkeit zu erhallen, beziehungsweise sekretär des Aeußcrn nur ausweichende Antworten erhielt: der wieder zu erwerben." i Schristenwechsel sei noch im Gange, und es erscheine nicht Weder um Styl noch Inhalt dieser Resolution braucht j wünschenswert!), vor dessen Beendigung eine Erklärung abzu- Jemand die Conscrenz zu beneiden. Die Zurückweisung der^ geben :c. Den Anlaß zu dem Schristenwechsel gab die Aus- Verantwortlichkeit für die Scenen in Pommern und Preußen > Weisung des englischen Unterthans Lewisohn aus St. Peterswird Niemand annehmen, der die intellektuelle Urheberschaft! bürg aus Grund eines russischen Gesetzes, welches den von dem Gebühren des Pöbels zu unterscheiden und in j Aufenthalt in- und ausländischer Juden in St. Petersburg ihrem Zusammenhänge zu begreifen vermag. Tie „Nat.-Ztg." , beschränkt. Lord Granville erachtete durch diese Ausweisung sagt: „Die evangelisch-lutherische August-Conserenz hat in; eines Engländers die in dem russisch-englischen Handelsvcrihrer heutigen zweiten Sitzung das Kampflied des Protestan- > trage festgesetzte Freizügigkeit für verletzt und wies den engtismus „Eine feste Burg ist unser Gott!" angestimmt gegen tischen Geschäftsträger in St. Petersburg an, Reklamationen die — Juden'. Uns scheint, daß die Conscrenz sich selbst! zu erheben. Herr Lewisohn ging neuerdings mit einem Rekcin schlimmeres Armuthszeugniß ausstellen konnte, als durch! gierungspasse nach St. Petersburg, und Baron Worms diese Scene, die beschämend sein würde, wenn sic nicht! fragte nun an, ob derselbe eventuell bei einer abermaligen lächerlich wäre. Das Lied, welches dem deutschen Protestan- ’ Ausweisung ein Asyl im Hotel der englischen Botschaft finden tismus einstmals Stärkung und Erhebung im Kampfe gegen eine könne? Der Untersiaatssekretär Sir Charles Tilke erwiderte feindliche halbe Welt war, stimmten mehrere hundert cvanabermals ausweichend, die Frage hätte an den Generalpro gelische Geistliche an, um sich zu dem gefährlichen Streite kurator gerichtet werden sollen; nach seinem eigenen Ermessen gegen die Juden, deren in Deutschland einer aus hundert kommt, zu ermuthigen!" Die ausländischen Inden in Rußland. würde die Asylgewährung die Lösung der Frage nicht erleichtern. — Tie deutsche „St. Petersburger Zeitung" bemerkt über diese Angelegenheit: „Wir meinen, unsere Polizei würde weise verfahren, wenn sie sich um Herrn Lewisohn weiter gar nicht bekümmerte. In St. Petersburg leben Bei den schweren Schlägen, welche in der jüngsten nahezu 36,000 Juden, von denen nur die wenigsten zum Zeit die Juden in Süd- und Westrußland getrosten, und Aufenthalte in der Residenz berechtigt sind. Ein Jude mehr die durch fortgesetzte polizeiliche Ausweisungen noch härter ge- : oder weniger in St. Petersburg, daraus wird es nicht anmacht werden, ist es nur ein sekundäres Interesse, das sich kommen. Freilich würde es am erwünschtesten sein, auch an die Ausweisung ausländischer Juden aus St. Petersburg diese Frage prinzipiell zu lösen und endlich einmal alte Borknüpft. Jndeß gereicht auch dieses zur Charakteristik unserer schritten abznschaffen. die sich ja doch nicht mehr ausrecht- Zeitverhältniste und darf daher nicht übergangen werden,: erhalten lassen und notorisch Tag für Tag in Tausenden noch dazu, da sich diesem Gegenstände in England eine bevon Fällen umgangen und übertreten werden." sondere Aufmerksamkeit zugewendet hat, wie mehrfache Artikel, Unterdeß ist das englische Blaubuch erschienen, welches in den englischen Zeitungen, namentlich in den „Times" vom den betr. Schristenwechsel nebst den Aktenstücken enthält. Wir

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