Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1881)
- Date
- 1881-09-13
- Page
- Seite 602 (sequence 2)
- Language
- German
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602 jener Conservativen entgegenzustemmen. Diese Ansicht muß nach bestem Wissen und Gewissen sür die Vertretung des uns leiten; sie ist einfach und durchsichtig und wird bei Allen, Volkes im Reichstage zu wählen. welche von Parteileidenschaft noch nicht geblendet sind, volle Was aber thun, wenn die Wahlen vorüber und der Zustimmung finden. I Reichstag zusammengetreten ist? Das einzige gesetzliche Mit- Es find nun zwei Momente, für welche wir uns die! tel, das uns zu Gebote steht, im Falle ein Antrag auf Be- Frage zu beantworten haben: Was haben wir zu thun? Das schränkung der Gleichberechtigung gestellt wird, ist: Protest erste derselben sind die auf den 27. Oktober anberaumten! zu erheben in Petitionen an die Reichsregierung und an den Wahlen zum deutschen Reichstage. Die Antwort lautet wie! Reichstag, welche von allen Gemeinden, des Vaterlandes, und von selbst: kein Jude darf einem conservativen Canzwar von jeder allein ausgehen müssen. Es ist dafielbe Verdidaten seine Stimme geben. Dieser Satz darf Niefahren, das im Jahre 7856 bei völlig gleicher Beranlafiung manden erschrecken. Die „National Zeitung", welcher besonbeobachtet wurde. Die damals von beinah 300 Gemeinden dere Freundlichkeit sür die Juden nicht nachgesagt werden . an den preußischen Landtag gerichteten Petitionen find gekann, sprach jüngst folgende Sätze aus: „Tie Juden kannsammelt in unsrer Schrift: „Der Kampf der preußischen Juten die in conservativen Kreisen trotz der erfolgten gesetzden für die Sache der Gewissensfreiheit" (Magdeburg und licheii Gleichstellung latent vielfach vorhandene Feindseligkeit Leipzig, Baensch 1856), ein Verfahren, das vom besten Ergegen sie, welche neuerdings zum Ausbruch gekommen ist, folge gekrönt war. Selbst wenn, was nicht zu erwarten und darum blieben sie überwiegend bei der liberalen Partei, steht, diese Petitionen nicht ganz den gewünschten Erfolg ha von dieser, die Jahrzehnte hindurch für die Emanzipation ben würden, sprächen wir doch darin unfern Protest gegen gekämpft hatte, auch die Vertheidignng derselben erwareinen solchen gesetzgeberischen Akt, gegen eine solche Ausstoßung tend. Wir find überzeugt, daß ohne die Fehler, welche der aus dem Organismus des vaterländischen Staates für die Couservatismus bei uns früher so lange Zeit in der „Juden- Zukunft ans. Wir müssen aber uns hieraus vorbereiten. Wir frage" gemacht und in den letzten zwei Jahren hundertfach müssen schon jetzt unseren Gegnern zeigen, daß wir ihrem Votenzirt wiederholt hat, es mindestens eben so viel confer- Unterfangen mit aller Kraft entgegenstreben. Zu diesem vative wie liberale Juden gäbe — was uns im Parteiinte- Zwecke halten wir für nothwendig, daß in jedem Lande resse ja unerwünscht wäre, von einem höheren Gesichtspunkte Deutschlands, in jeder Provinz Preußens die Ge aus uns aber nützlich scheinen würde. Zähigkeit im Bchar ^mcinde der Landes und Provinzialhauptstadt eine ren bei überlieferten Sitten und Ueberzeugungen, stark aus- Versammlung von Delegirten aller Gemeinden des gebildeter Familiensinn, Werthschätzung des Besitzes, diese Landes oder der Provinz veranstaltet, in welcher die jüdischen Charakterzüge sind ebenso viele natürliche Elemente! ser Gegenstand erörtert, Beschluß gefaßt und ein Comitee conservativer Austastung des Staatslebens, Aber es heißt gewühlt wird, welches zur gegebenen Zeit die weitere Aufdoch, von den Juden das Uebermenschliche verlangen, wenn Forderung an die einzelnen Gemeinden erlasse, und überhaupt man von ihnen fordert, zu einer Partei zu stehen, die sie! alles Förderliche zu betreiben habe. Diese Versammlungen zuerst in beschämender Zurücksetzung festhalten wollte und sie müßten aber baldmöglichst veranstaltet werden, und wir forjetzt in dieselbe zurückstoßen möchte." j dern unsererseits die Vorstände dieser Hauptgemeinden jeder Aber wie gesagt, es kommt hierbei nicht blos das offen-! Provinz in ihrem Gewisten und ihrer Psticht auf, dies sobare Interesse der Juden zur Berührung, sondern auch der!fort zur Ausführung zu bringen. Bis jetzt, wie wir schon höhere Gesichtspunkt, für den Grundsatz der Gleichberechtigung! oben bemerkt, haben die deutschen Juden allen Feind und der Gewissensfreiheit, für die Erhaltung der preußischen seligkeiten gegenüber sich still verhalten. Jetzt aber ist der Verfassung und des deutschen Reichsgesetzes einzutreten. Wer! Zeitpunkt gekommen, wo eine völlige Indolenz zum Verrath dagegen handelt, verletzt eine Pflicht gegen den Staat ebenso! nicht blos an der eigenen Sache, sondern an der Sache des wie gegen seine eigene Existenz. — Man hat bereits sonderbare Vaterlandes selbst würde. Ratbschlägc ertheilt. Bon einer Seite wurde empfohlen, die Juden sollten sich unter den gegenwärtigen Umständen gänzlich der Wahl enthalten. Ties wäre das Verkehrteste, was sie thun könnten. Tie Gegner würden dies nicht als einen : Akt der Bescheidenheit, sondern, und zwar mit Recht, als der Furcht ansehcn, als einen Ausfluß der Gleichgültigkeit, welchen die Juden sür ihre Gleichberechtigung hegten, und mehr noch als dies, es wäre eine eklatante Verletzung der Bürgerpflicht, die jedem Wahlberechtigten die Pflicht auserlegt. Die rvanykUsch-lulherische Augull-Loufercnz in Serlin. Sicherlich würden wir der Mühe enthoben sein, uns mit dieser Conferenz ausführlich zu beschäftigen, wenn nicht die liberale Presse die Gepflogenheit hätte, lange Berichte über Versammlungen und die in denselben gefallenen Aeuße-