Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1881)
- Date
- 1881-09-06
- Page
- Seite 596 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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596 die Ochsen und Kühe haben dort kaum die Größe europäischer Kälber. Hier und da gewahrt man einen Fellah, seinen trägen Pflug, den diese zwerghaften Thiere nachlässig vorwärts schleppen, auf die Oberfläche der Erde drückend. Das Land scheint verlassen; die Dörfer, aus Lehm oder grauen Steinen gebaut, bedeckt mit trockenem Gras, verschwimmen mit dem Boden. Dagegen ist die Straße von einer großen Menge Kamele, Beduinen und Fellahs betreten, deren Typen und Costüme die Landschaft beleben. Ehemals belebten sie dieselbe viel zu sehr, scheint es; denn man mußte 1860 zum Schutze der Reisenden eine Reihe als Wachtgebäude dienender Thürme erbauen. Unglücklicherweise sehen die türkischen Zaptiehs mit ihrer zerlumpten Uniform, ihrer schmutzigen Kuffieh, ihren funkelnden Waffen, ihrer barbarischen Phyihre schöngeformten Abhänge. Aber je mehr man sich Jerusalem nähert, desto mehr ändert das Land seinen Anblick, desto düsterer, nackter, wüster wird es. Die Berggrate erheben sich, ihre Gipfellinien, welche bis jetzt anmuthig unterbrochen waren, verlängern sich in die Ferne mit einer verzweifelten Einförmigkeit, die Thäler vertiefen sich in ungeheure Abgründe, darin verlaufen die Betten von ausgetrockneten Gießbächen wie grauliche Bänder: Bäume, Blumen, alles Grüne und selbst das Moos, alles verschwindet, um nichts als den kahlen und verbrannten Fels sehen zu lassen. Man könnte von gigantischen Fels-Wogen sprechen, die jählings erstarrt sind. Die Einbildungskraft ist erdrückt von diesem versteinerten Ocean. Chateaubriand hat mit Treue das Gefühl wiedergegeben, welches ein Schauspiel hervorruft, das siognomie Briganten sehr ähnlich, so daß furchtsame Reisende j durch Düsterheit und Schrecken großartig ist. „Die Landdie Gensdarmen noch mehr als die Diebe fürchten.! schast, welche Jerusalem umgiebt", sagt er, „ist abschreckend. Man kommt schnell nach Ramleh, dem alten Arimathias. Diese Stadt, welche Wilhelm von Baldensel 1336 noch „gutbewohnt und gesund" fand, ist nichts mehr als ein großer Flecken, sehr arm und angefüllt von Ruinen. Sie besitzt ein Hotel, das abscheulich ist. ... Im vollen Tageslicht erscheint die Ebene von Säron, bedeckt von Blüthcn und Saaten, in ihrem Glanze. Aber die Landschaften des Orients sind noch schöner in den Hellen Nächten als in dem Augenblick, wo die Sonnenstrahlen sie sengen und färben. Im Westen ist der Himmel auch an den schönsten Sommerabenden dunkel; im Osten ist er bisweilen um Mitternacht so blau, wie in unserem Klima am hellen Mittag. Wenn man Ramleh verläßt, setzt sich die Straße einige Meilen weit durch die Ebene fort, ohne andere Merkwürdigkeiten zu zeigen, als einige Dörfer und charakterlose Baumwcrke. Aber da sind auf allen Seiten nackte Gebirge, an ihren Gipfeln abgerundet oder durch ein Plateau abgeflacht; mehrere von ihnen tragen in großen Entfernungen Ruinen von Thürmen oder zerstörter Moscheen. Diese Gebirge sind nicht so zusammengerückt, daß sie nicht Zwischenräume böten, durch welche das Auge andere Durchblicke suchen könnte; aber diese Durchblicke lassen dahinter nur wieder die Umrisse von Felsengebirgen sehen, eben so dürr als die ersten." Die einzige Abwechselung in der Terraingestaltung, der man begegnet, sind Erdstürze. Cascaden von Felsblöcken, welche von den Berggipfeln herabfallen. Man erklimmt mit Beschwerde unter der erdrückenden Hitze diese steilen Abhänge, man steigt sie mit noch größerer Beschwerde hinab; auf dem Gipfel jedes derselben glaubt man am Ziel der Reise zu sein, sucht man die Mauren und Thürme von Jerusalem; aber die heilige Stadt scheint sich in dem Maße zu entbald beginnen die ersten Erhebungen der Gebirge von Juda, fernen, als man vorrückt. Kaum ist ein Amphitheater über¬ und allmählich verliest man sich in die engen Thäler, bedeckt > wunden, so erhebt sich ein anderes traurigeres, wüsteres, von Blumen und Olivcnbäumen. Man zieht an tiefen Rinn-! Was noch zum trüben Anblick der Umgegend Jerusalems salcn entlang und erklimmt steinige Abhänge: jetzt beschattet; beiträgt, sind die fast wilden Typen der Eingcbornen. Wenn von einer üppigen Vegetation, verliert man sich bald in; man an die guten und beruhigenden Gesichter der ägyptischen nackte Felsen, welche eine verzehrende Sonne verkalkt. Wenn! Fellahs und an die Sitten dieser tapferen Leute gewöhnt ist, man die ersten Gipfel erreicht und sich umwendet, wird das! die niemals eine andere Waffe, als einen harmlosen Stock Auge von dem glänzendsten Schauspiel geblendet. Die! führen, ist man unangenehm überrascht, keinen einzigen ganze Ebene von SLron, von Haza bis Cäsarea, erscheint Menschen zu treffen, der nicht mindestens mit einer Flinte mit dem Meer als Begrenzung, während sich im Norden und zwei Pistolen versehen wäre. Die Hirten, die ihre das Thal des Jeremias öffnet, wo, wie man behauptet, der Heerden führen, die einfachen Wanderer, welche von einem Dichter der „Klagelieder" geboren sein soll. Das ist sicher, Dorf zum anderen gehen, die Beduinen, welche in Karadaß, nachdem man diesem wunderbaren Panorama Lebewohl wanen auf prächtigen Kamelen vorbeiziehen, sind alle bis an gesagt hat, die Gegenden, welche man kreuzt, an den Fluch die Zähne bewaffnet. An den Eingängen der Dörfer sind der Vereinsamung erinnern, vorhergesagt von dem wehdie Bilder heiterer. Ich habe selten so schöne Kinder gemüthigsten der Propheten. Die ersten Gebirge von Judäa sehen als die jungen Fellahs, welche auf dem Wege nach sind wenig hoch; sie sind terrassenförmig bebaut; das Grün Jerusalem meinen Wagen umringten, um mir Wasser, Zuckerder Bäume und die tausend Farben der Blumen beleben rohr oder Obst anzubicten. Die Frauen sind weiß; sie haben