Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1881)
- Date
- 1881-09-06
- Page
- Seite 595 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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595 verschiedene von ihm herausgegebene Schriften als gewandter Hebräist bekannt ist, erschien jüngst enn -vsn ~dd oder Contributions towards tbe Elucidation of Bible Histoiy and Talmudic Exegesis (London, Vallentine). Herr Kohn-Zedek theilt seine Schrift in drei Theile. Im 1. Theil r,o:n versucht er alle im Talmud (B. Kama S. 92) vorkommendcn volksthümlichen Sentenzen zu erläutern, welche Raba dem Raba b. Mari mit der Frage vorlegt, wo sich der in denselben ausgedrückte Gedanke in der h. Schrift Nachweisen lasse (oder •-es“ •B'jw pin ncs“ nh n:d). Im 2. Theile -m ~n m.'K' wz erklärt er mehrere Agadas nach den Perikopen geordnet und im 3. crnrn crom -nin liefert er einige Beiträge zur Charakteristik verschiedener Amoroim. ^Wer an geistreichen Erklärungen von Agadastellen Ber-!gnügcn findet, wird diese Schrift nicht unbefriedigt aus der 'Hand legen. vr. Kg. Steuxffefou. von Jaffa nach Jerusalem. Die Revue de deux blondes enthält, mit dem Hefte Vom 15. Mai d. I. beginnend, eine Beschreibung der Reise in Syrien Von Gabriel Charmes, der wir Folgendes entlehnen. Man kann die Reise von Jaffa nach Jerusalem in einem Tage machen, besonders zu Pferde, aber man muß dann frühzeitig aufbrcchen und unterwegs keine Zeit verlieren. Wenn man in Jaffa am Morgen gelandet ist, so muß man sich dazu verstehen, zwei Tage bis zur Ankunft in Jerusalem zu gebrauchen. Den ersten Tag übernachtet man in Ramleh, was nur eine Promenade von zwei Stunden entfernt ist, oder höchstens drei Stunden, wenn die Pferde schlecht sind. Wenn ich Promenade sage, so ist es doch keine Bergnügungspromenade, obwohl das Land einzig schön und pittoresk ist. Die erste Bekanntschaft mit der in Syrien gebräuchlichen Art zu reisen, ist beschwerlich genug. Es fehlt die Gewohnheit; die Ueberraschung gesellt sich zur Ermüdung. Die Straße von Jaffa nach Jerusalem gilt im Lande für sehr bequem; ihre Erbauung hat zehnmal mehr gekostet, als die der Straße von Beyrut nach Damaskus, die untadclhaft ist. Denken Sie sich indessen eine Reihe von entsetzlichen Wagengelcisen, auf denen man hcrumgcschleudert wird wie auf tobenden Wogen. Bald irrt man mitten auf einem Felde umher, bald passirt man einen ausgctrockncten Bergfirom, indem man sich mit aller Kraft an seinem Wagen hält, aus Furcht durch einen Stoß weit weg geschleudert zu werden, bald erklimmt man eine dachförmige Brücke, um, in der Mitte angekommen, auf der anderen Seite mit schwindelerregender Schnelligkeit herabzurollen. Ter Wagen ist überdies eines der seltsamsten Fahrzeuge, das man sich denken kann. Es würde viel richtiger sein, es eine Karre zu nennen. Es ist eine Art von Bankwagen, wo man auf schlechten Planken sitzt, deren beständiges Krachen jeden Augenblick den Eindruck eines bevorstehenden Unglücksfalles macht. Man gewöhnt sich jedoch nach einigen Minuten daran, obschon alles rechts, links, oben, unten zu Hüpfen scheint, und wenn uns dieses fremdartige Schwanken und Schaukeln nicht die Seekrankheit verursacht hat, ist man von dem unseren Augen sich darbictenden Schauspiel so überrascht, daß alle peinlichen Gefühle verschwinden und nur der Bewunderung Platz machen. Die Gärten von Jaffa sind ihres Rufes würdig. Ich begriff ohne Mühe, daß sie zu der wunderschönen Sage von den Gärten der Armida begeistert haben. Wer würde nicht ein Gedicht der Liebe und Wonne erträumen unter diesen Gebüschen von Orangen, Limonenbäumen, Cedern,Pfefferbäumen, Palmen, Cactus, ohne Unterlaß von Blüthen und Früchten bedeckt? Im Frühling sind die Wohlgerüche, welche diesem ungeheuren grün und weißen Walde entströmen, so stark, so anregend, daß sie das Meer selbst auf eine weite Entfernung mit Duft erfüllen und daß die gegen Jaffa segelnden Schiffe die Küste so zu sagen eher riechen als sehen. Unzählige Vögel Hüpfen von Blatt zu Blatt. Orangen', deren Größe Erstaunen erweckt, und deren brennende Farbe blendet, hängen an allen Zweigen. Man kann sie fast mit der Hand im Vorbeigehen pflücken. Es würde der Poesie Tasso's oder der Musik Gluck's bedürfen, um den Zauber dieser köstlichen Gegend wiederzugeben. Man verläßt sie leider sehr bald, um in die ungeheure Ebene von Säron einzutreten, in der Ferne begrenzt von den Gebirgen Juda's, deren anmuthige Wellenlinien dieser etwas ernsten Landschaft Reiz verleihen. Die Ebene von Säron erweckt nicht weniger poetische Erinnerungen, als die Gärten von Jaffa. Unwillkürlich sucht dort das Auge die Lilien, Rosen, Narcissen und Levkojen des Hohenliedes. Aber wenn die Verlobte nicht verschwunden wäre wie die Blüthen, mit denen sie ihre vergängliche Schönheit verglich, könnte sie nicht mehr sagen: „Ich bin die Narcisse von Säron, die Lilie des Thales." Allerdings ist die Ebene von Säron nicht alles Schmuckes beraubt; nur haben die Tulpen, die Anemonen und die braunen, weißen und violetten Disteln die Rosen von ehemals ersetzt. So weit der Blick reicht, erkennt man dort keinen Baum, keinen Weg, keine nur etwas beträchtliche Unebenheit des Bodens: grüne Fluren unterbrochen von buntfarbigen Blumen, das ist alles! Die Vegetation ist bewundernswerth; dort kann man sich zuerst von dem System des einheimischen Ackerbaues unterrichten. Das Vieh dieses Theiles von Palästina ist von einer erstaunlichen Kleinheit: