Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1881)
- Date
- 1881-09-06
- Page
- Seite 597 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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597 nicht den gelben und gebräunten Teint der Aegypterinnen. Ihr Gesicht ist unverschleiert, ihre Kleidung elegant. Ein langer weißer Schleier umhüllt ihr Haupt; sie tragen blaue Kleider, wie in Aegypten; nur sind diese Kleider nicht ganz einfarbig, rothe Streifen und weißer Besatz umgiebt bei ihnen den Hals; ein wesentlicher Unterschied ist der, daß während in Aegypten die Kleider wirkliche Hemden sind, welche direkt von den Schultern auf die Knöchel herabfallcn, sie in Palästina an der Taille durch einen Gürtel stark eingeschnürt werden. Ich möchte nicht sagen, daß diese Anordnung glücklich sei. Endlich hat Alles ein Ende, selbst die Reise durch die Gebirge von Judäa. Auf der Höhe eines letzten Abhanges angekommen, bemerkt man fast vor sich den Oelberg, zur rechten das Thal des Kreuzes, noch mehr rechts in großer Entfernung, das Dorf Bethlehem und auf der nächsten Ebene einen Haufen moderner Bauwerke. Das ist Jerusalem. Nichts gleicht der Enttäuschung dieses ersten Anblicks. Man erinnert sich an die Beschreibung Chateaubriand's: „Plötzlichbemerkte ich am Ende des Plateaus eine Linie gothischer Mauern, stankirt von viereckigen Thürmen, und dahinter erhoben sich die Spitzen einiger Bauwerke. Am Fuße dieser Mauern zeigte sich ein Lager türkischer Cavallerie in dem ganzen Pompe des Orients. Der Führer ries aus: El Gods (die Heilige!) und entfloh dann in schnellem Galopp. Ich begreife jetzt, was die Geschichtsschreiber und die Reisenden über die Ueberraschung der Kreuzfahrer und der Pilger bei dem ersten Anblick Jerusalems berichten. Ich kann bezeugen, daß, wer auch immer, wie ich, die Geduld gehabt hat, fast zweihundert moderne Berichte über das heilige Land, die rabbinischen Sammelwerke und die Stellen der Alten über Judäa zu lesen, noch nichts von alledem kennt. Ich stand, die Augen auf Jerusalem geheftet, die Höhe dieser Mauern meffend; ich genoß auf einmal alle geschichtlichen Erinnerungen, von Abraham bis auf Gottfried von Bouillon, und suchte vergebens den Tempel, von dem kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Wenn ich tausend Jahre lebte, würde ich niemals diese Einöde vergessen, welche noch die Größe Jehovas und die Schrecken des Todes zu athmen scheint." Ach! Die Dinge haben sich seit Chateaubriand sehr verändert. Es ist wahr, zu seiner Zeit näherte man sich Jerusalem geradezu, während man auf der jetzigen Straße! nur mit Mühe den Davidsthurm und die ihn umgebende Mauer erkennt. Ich kann meinerseits versichern, daß je mehr Beschreibungen der heiligen Stadt man gelesen hat,! man bei ihrem Anblicke desto peinlicher enttäuscht ist. Das einzige, was den Blick anzicht, ist eine Reihe von Kuppeln, von massiven Gebäuden, russischen Kirchen, jüdischen Asylen, Hospitälern und Schulen aller Nationalitäten, unförmliche Bauten, welche das eigentliche Jerusalem beherrschen und fast völlig verbergen. An Stelle der Einöde, der staubigen Straßen, das Entsetzen und den Tod athmcnd, schreitet man durch eine Straße, besetzt von Schänken, mit französischen und italienischen Aufschriften: Cafe du Jourdain. A la Mer-Morte, restaurateur. donne ii boire et ä manger. An Stelle eines Lagers türkischer Cavallerie mit dem ganzen Pomp des Orients bemerkte man, an das Stadtthor gelehnt, Gruppen von Mukers (Maulthiertreibern). Bettlern, Juden, Zelten, Pferden und Kamelen, in dem ganzen Schmutz des Orients, der nicht weniger ausiällig ist, als sein Pomp. Anzeigen. Ty% rip Y»*"| f a werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- HlOvl vC folgende "Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von R. Mosse Da unser bisheriger Lehrer mit dem 15. Septbr. wegen hohen Alters aus seinem bisherigen Dienste ausscheidet, so ist diese Stelle als Elementarlkhrer, Kantor und Schächter in Erledigung gekommen, und suchen wir daher zum alsbaldigen Eintritt einen erfahrenen jungen Lehrer. Der fixe Gehalt beläuft sich auf Mark 800. — Cajualien veranschlagt zu „ 400. — Mark 1200. — nebst freier, schöner Wohnung, Pflanzgarten und Wiese. Bewerber um diese Stelle wollen sich unter Angabe ihrer Zeugniffe bei dem Unterzeichneten Borstande anmelden. [12402] Ostruboch am Glan (Reg.-Bez. Trier), den 13. August 188t. Der Vorstand der israelitischen CultnS Gemeinde. Joseph Roos II. Mayer Symon. in Leipzig oder deren Filialen in B< Die hiesige Gemeinde sucht zum sofortigen Antritt einen musikalisch gebildeten Cantor und geübten Schachet. Jahresgehalt: srs. 1400 nebst einigen hundert frs. Nebeneinkommen. Unverhcirathete Bewerber erhalten den Vorzug. Anmeldungen nebst Zeugnissen sind baldigst zu richten an (13189) Rabbiner Dr. Engelbert. St. Gallen (Schweiz), im Aug. 1881. Pensionat A. Cahn in Sofcernheim bildet zum Kaufmannsstand u. zum Studium durch Besuch des hiesigen vollberechtigten Progymnasiums vor. Beste Referenzen des In- und Auslandes. [F. 12840] rlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Da die Cantorstelle an der hiesigen Synagoge erledigt ist, so suchen wir vorerst in provisorischer Weise, zur Aushilfe für die bevorstehenden Festtage einen Borbrter, welcher im Besitze einer angenehmen Stimme und befähigt ist, mit Orgel und Chor zu functioniren. Bewerber wollen ihr Anerbieten einreichcu an (13991) Das Israelitische Kirchenvor- _ steher-Amt TJlm a. D. _ ~ Töchter-Pensionat und Lehrerinnen-Seminar. Aufnahme von Zöglingen jeder Zeit, d. einzige derartige israel. Institut Deutschlands. Frau Therese Gronau, [12859] Berlin, In den Zelten 12.