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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-06 · Heft 36 (6.9.1881) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 36 (6.9.1881)
Date
1881-09-06
Page
Seite 593 (sequence 11)
Language
German
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593 indem die Motive genau in den Protokollen spczialisirt werden,! Arretirungen vorzunehmen. Die Verantwortlichkeit für die Legalität der Protokolle fällt auf diejenigen, welche sie aufsetzen. Die Excefse, die in den Dörfern verübt werden, sollen durch die Communaltribunale untersucht und die Angelegenheiten an Ort und Stelle, sobald wie möglich, abgemacht werden, jedenfalls vor der Wiederkehr neuer Unruhen. Durch Pla-; kate muß bekannt gegeben werden, daß die Gegenstände,! welche Juden gehören, sofort und freiwillig ihren Eigenthümern zuruckerstattet werden müssen, indem hinzugefügt wird, daß die Personen, welche diese Zurückerstattung vor-! nehmen, keine Strafe erleiden sollen. Die Hausuntersuchungen sind nur in dem Falle autorifirt, wo man bestimmte Anzeichen hat, und wenn diese Untersuchungen die Entdeckung von Gegenständen herbeiführten, welche wirklich Juden ge-! hören, soll dies in den Protokollen erwähnt werden, welche! dem zu diesem Zwecke erwählten Friedensrichter übergeben werden sollen. Schließlich dürfen unter keinerlei Borwand Gutsbesitzer arretirt werden. — Wir beabsichtigen nicht, hervorzuheben, worin einige dieser Vorschriften im Widerspruch mit den allgemeinen Grundsätzen der Justiz stehen. Wir wollen nur bemerken, daß sie bezeugen, wie die russischen Behörden voraussetzen, daß die antisemitischen Unruhen sich noch immer wiederholen können. Memel, 21. Aug. Herr Dr. Rülf ersucht uns um Abdruck folgenden Hilferufs: Noch einmal rufe ich alle Welt zur Unterstützung der unglücklichen jüdischen Städte auf, welche durch Brandunglück ganz oder theilweise zerstört sind. Ich war in Minsk, habe dort eine der größten Brandstätten in Augenschein genommen. 6000 bis 8000 Menschen haben dort durch Brandschaden gelitten, ein großer Theil hat alles Hab und gut verloren. 21 Bet- und Lehrhäuser mit ihrem Gesammtinhalt sind ein Raub der Flammen geworden, darunter gewiß mehr als zehn, die nach ihren massiven Umfangsmauern zu urtheilen einer jeden deutschen Stadt zur Zierde gereichten. — Minsk ist eine große, schöne und reiche Stadt und wird sich noch am ehesten rathen und helfen können. Nicht also die anderen kleinen Städte wie Koretz, Slonim, Augustowo, Chwodan, Neustadt und andere, worin vielleicht 80 Prozent der Bevölkerung brod- und obdachlos geworden sind. In Koretz beispielsweise sind 1020 Häuser, die große Synagoge mit 11 anderen Bcthäusern niedergebrannt. Alles gerettete, auf dem Marktplatze ausgehäuste Gut wurde nachträglich von den Flammen erfaßt und gänzlich vernichtet. 39 Menschen verloren bei dem Brande ihr Leben. Manche dieser Städte wie Augustowo, Chwodan und andere Städte sind zwei bis dreimal angezündet worden, bis kein Stumpf noch Stiel mehr übrig war. lieber 30 Städte sind als durch Brandunglück heimgesucht, gemeldet. Im Namen der Solidarität und Zusammengehörigkeit des gesammten Menschengeschlechtes, besonders aber der Solidarität unseres Volkes und Stammes, welche nie so selbstrebend vorausgesetzt, nie so dringend gefordert worden, wie in diesen bedenklichen Zeitläuften; im Namen aller Brüderlichkeit und Menschlichkeit, im Namen alles dessen, was uns lieb und heilig ist, bitte ich, helfet den verunglückten Brüdern, die ohne diese Hilfe verderben würden. Gestern bin ich von meiner Reise nach den Stätten des Brandunglücks zurückgekehrt. Ich habe mich fleißig unter den Glaubensgenossen umgeschaut, wie sie leben und wohnen, wie sie streben und arbeiten und kann versichern, daß sie einer jeden Beihilfe rverth und würdig sind. Ich gedenke meine Erfahrungen und Erlebnisse bei den russischen Glaubensbrüdern ausführlich darzustellen und die Schrift nach ihrem Erscheinen den edeln Spendern zu übermitteln. Edle Menschenfreunde nud Glaubensbrüder! Ihr habt Euch in so wirksamer Weise der Verfolgten in Südrußland angenommen, warum nicht auch der verunglückten in Westrußland, deren Unglück offenbar auf dieselben Ursächlichkeiten zurückzuführen ist. Eine jede Gabe, die kleinste wie die größte, wird gleich helfend und rettend wirken und sür den Spendern eine Quelle reichsten Gottessegens werden. v ~ < 9. Ab. 5641. Memel, am Tage der Tempelzerstorung . 4. Aug. 1881. Dr. I. Rülf Rabbiner. Man schreibt uns aus Koretz unter dem 21. August: Wir ersuchen Sie, im Namen des hiesigen Comite's Herrn Dr. Rülf für die Uebersendung von Tausend Rubel herzlich zu danken. Unlängst haben wir zwei Schreiben: an die Alliance Israelite Universelle in Paris und an dieselbe nach Berlin gerichtet. Die 10,000 Rubel, die von verschiedenen Seiten eingelausen, sind bereits unter die Armen vertheilt; viele Familien aber, die sich später gemeldet, sind ganz leer ausgegangen. Leider nahmen und 8"' und wir haben kein Gotteshaus, — wir sind in größter! Verlegenheit: 13 Bethäuser waren kaum hinlänglich, die! Betenden zu fassen und nun? kein — einziges! —! Möge zu diesem heiligen Zwecke bald Hilfe kommen! Amen.! Wir sind für alle obige Zwecke Spenden entgegenzu-! nehmen bereit. Die Redaktion.! Bonn, 28. Aug. ^Notizen.) Aus Lösung (Ungarn) schreibt man unterm 12. d.: Ein trauriges und dabei höchst seltsames Ereignis; hat heute die Bewohner unseres - Landstädtchens in nicht geringe Aufregung versetzt. Der Arzt j Dr. Ignaz Mandl (Israelit), der erst verflossenen Sonntag! anläßlich seines fünfzigjährigen Tienstjubiläums mit dem! goldenen Berdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet worden i war, wurde heute zu einem erkrankten Rittmeister Namens Dakalini gerufen. Dr. Mandl, für sein Alter noch sehr rüstig 36*

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