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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-06 · Heft 36 (6.9.1881) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 36 (6.9.1881)
Date
1881-09-06
Page
Seite 587 (sequence 5)
Language
German
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Friedrich der Große hätte während der letzten Jahre jene köstlichen Worte, dieses Palladium der bürgerlichen Sicherheit und Wohlfahrt, nicht schreiben können! Hoffen wir, daß sie in unserem Vaterlande bald wieder zur Wahrheit werden! In der letzten Woche sind glücklicher Weise die Nachrichten über Exccsse in Pommern und Preußen verstummt. Wir haben deshalb nur einige Ergänzungen nachzutragen. Man schreibt aus Köslin vom 16. August: „Der hiesige „Generalanzeiger" hatte kürzlich Folgendes gesagt: „Sc. Majestät hat erst ein Machtwort sprechen müssen, ehe die Regierung sich veranlaßt sah, mit selbstverständlichen Mitteln dem Berrath an den eigenen Bürgern oder — um uns einfach auszudrücken — dem in seinen Conscq nenzen zum Bürgerkriege führenden Parteikampfe vorzubeugcn und einem weiteren Jrrcleiten und Aufreizen sonst ungefährlicher Leute entgegenzutreten." Dem gegenüber constatirt der Regierungspräsident berichtigend, daß sämmtliche Maßregeln zur Unterdrückung der in letzter Zeit im diesseitigen Regierungsbezirk vorgekommenen bedauerlichen Ausschreitungen auf den aus eigener Entschließung des hiesigen königlichen Regierungspräsidii hervorgegangenen speciellen Anordnungen beruhen; hierzu sei eine Anregung von höherer oder allerhöchster Stelle weder erfolgt noch nothwendig gewesen. Die „Ostsee-Zeitung" schreibt über die Tumulte in Stet-; tin: „Die Tumulte der beiden letzten Abende wurden lediglich von Strolchen ausgcführt, welchen ein Strasienskandal; eine angenehme Unterhaltung und die Ursache zu diesem höchst gleichgiltig ist." Dann muß die Anzahl der Strolche in Stettin sehr groß sein! An mehreren Orten, wo sich die Anzeichen veabsichtiger Tumulte gezeigt hatten, traten die Bürger zusammen und besprachen die Maßregeln, um jeden Versuch im Keime zu ersticken. — Aus Stolp vom 16. August schreibt man: „Unsere antisemitischen Aufwiegler sind bereits verhaftet worden. Ein junger Mann nahm sich mit ganzer Seele der antisemitischen Sache an und hat hier und in der Umgegend viel Unheil angerichtet. Seiner Verhaftung hat er sich durch die Flucht entzogen." Aus Köslin vom 16. August meldet man: „Nach Falkenburg ging, anscheinend zur Unterdrückung fortdauernder oder abermals ausgebrochener Excesfe, heute früh ein Eommando von 1 Untcrofsicier und 20 Mann per Bahn ab." Schievelbein, 15. August. Die hiesige Polizeivcrwaltung erläßt folgende Bekanntmachung: „Bei den Straßenexcefsen in der Nacht vom 7. zum 8. d. M. sind eine Menge Maaren aller Art abhanden gekommen. Das Publicum wird ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß sämmtliche anfgefundenen Waarenvorräthe sofort in das Polizeibureau abgeliefcrt werden." In Hämmerst ein haben die von den Antisemiten hervorgerufenen Excesfe noch immer nicht vollständig aufgehört. Der „Kösl. Ztg." wird von dort unter dem 16. geschrieben: In der Nacht vom Sonntag zum Montag ist die hiesige Synagoge wiederum (seit drei Wochen das dritte Mal) beschädigt worden. Es sind im ganzen 34 Fensterscheiben und 5 Rahmen zertrümmert. Im Innern ist nichts beschädigt, obgleich man darin am folgenden Morgen eine Menge größerer Steine, sowie einen Wagenschwengcl vorfand. Ferner sind mehreren jüdischen Hausbesitzern die vorder Thüre stehenden Bänke, sowie dem Apotheker Nickau der an seinem Hause angebrachte Adler zerbrochen worden. — lieber die Beschädigung an der Synagoge ist der Thatbestand bereits von dem zur Zeit hier anwesend gewesenen Regierungsrath aus Marienwerdcr und dem Untersuchungsrichter aufgenominen worden. In Folge dessen fand am Montag im Beisein des Regierungsrathes eine Stadtverordnetensitzung statt, in welcher die wiederholten Ausschreitungen 1 einer Besprechung unterzogen und beschlossen wurde, bis auf! weiteres Bürger- und Kriegervcrcinswache zu halten. Auch j fand im Beisein des Regierungsrathes und des Bürgerj meisters Heller eine Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengcmeinde statt, in welcher u. a. der Regierungsrath sein Bedauern über die hiesigen Vorgänge ausdrückte und hervorhob, daß für jeden hierdurch angerichteten Schaden die Commune voll und ganz hafte. Der Synagogen-Vorstand nahm auch Veranlassung, eine Belohnung von 100 Mark demjenigen zu gewähren, welcher die Beschädigcr der Synagoge derart zur Anzeige bringt, daß ihre gerichtliche Bestrafung erfolgen kann. — Tie Tagespresse hat es sich zur besonderen Aufgabe gestellt, Alles was diese Excesfe betrifft, genau und ausführlich mitzutheilen. Wir müffen ihr dafür dankbar sein; denn die Verstellung der Wahrheit an sich kann nur nachtheilig sein, und in diesem Falle haben diese Exceffe doch Zahllosen die Augen geöffnet und die Antisemiten fühlen bereits, daß ihr Spiel zum großen Theile verloren ist, weil die Verderblichkeit desselben zur allgemeinen Erkenutniß gekommen. Demungeachtet wäre es falsch, die Stimmung in den beiden Provinzen allgemein als judenfeindlich anzusehen. So schreibt man der „Kreuzzeitung" aus Arnswalde vom 16. August: „Die Bekanntmachung des hiesigen Landrathsamts könnte bei Fernerstehenden die Vermuthung Hervorrufen, als ob auch in unserer Stadt ein Judenkrawall in Aussicht stehe. Zu derartigen Besorgniffen liegt indeß kein ernstlicher Grund vor. Es sollen in den letzten Tagen vor einigen Häusern auf der Straße Blätter judenfeindlichen Inhalts gefunden sein; auch hat ein als Antisemit bekannter Bürger

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