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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-06 · Heft 36 (6.9.1881) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 36 (6.9.1881)
Date
1881-09-06
Page
Seite 584 (sequence 2)
Language
German
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584 eignisse blos von der äußerlichen Seite, blos von den Triebfedern und Jrrthümcrn zu betrachten, aus welchen sie bei unseren Gegnern hervorgegangen. Wir müssen ihre Bedeutung tiefer zu erfasien suchen und zugleich die Wirkung erwägen, die sie auf uns haben werden und haben sollen. Nur dadurch kommen diese Begebenheiten selbst zu ihrer vollen Bedeutung und vermögen den höheren Zweck zu erreichen, den die Vorsehung damit verbindet. Es ist ein Kampf, und wir bestehen ihn schlecht, wenn wir nicht „geläutert" aus ihm hervorgehen. Zu solcher Erwägung fordern uns aber besonders die heiligen Feste auf, denen wir uns nähern, denn sie sind der Selbstprüsung und Selbsterkenntniß, der Läuterung und Versöhnung gewidmet. Nachdem nach längerem Kampfe auch in Deutschland die Staaten den Rcchtsgrundsatz der Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen angenommen und zu verwirklichen begannen, folgten die Juden mit um so größerer Energie jener Richtung, durch welche sie sich für die Emanzipation reif gemacht hatten, indem sie sich dem Cultur- und bürgerlichen Leben nach allen Zweigen desselben Hingaben, von den, aus dem Mittelalter und der langen Periode der Aus- und Abschließung überkommenen Sitten und Bräuchen und von den daraus resultirenden Anschauungen sich immer mehr freimachten und besonders mit patriotischer Begeisterung für den vaterländischen Staat und dann für das deutsche Reich und den Kaiser sich erfüllten und in der Idee und Wirklichkeit ihr zu genügen trachteten. Je Heller diese Gefühle und Gedanken der Einigung damals ausleuchteten, je humaner und nationaler die öffentliche Meinung sich in der Bereinigung und dem gleichen Streben aller Bürger ohne confessionellen und Klassenunterschied kund gab, desto mehr überließen sich auch die jüdischen Deutschen dem Gefühle der Sicherheit, um im öffentlichen Leben, in Wissenschaft, Kunst, Industrie und Gewerbe mitzustreben und mitzuwirken. Hier waren und sind, haben die Juden ein Interesse unter und zu einander lediglich in Wohlthätigkeitsangelegenheiten, der Hülfsbedürftigkeit gegenüber. Das letztere ist ein angeerbter Zustand und wird einerseits durch die Mangelhaftigkeit der allgemeinen Armenpflege, anderseits durch das Beispiel der anderen Confessionen und die Ausschließung der Juden von den anderen confessionellen Anstalten erhalten und gerechtfertigt. Dabei ist es notorisch, daß die Juden außerdem für gemeinnützige und wohlthätige Zwecke mitzusteuern stets bereit sind. In allen anderen Beziehungen existirt unter den Juden keine gemeinschaftliche Idee, kein gemeinsamer Zweck, keine Vereinigung, kein Zusammenhang. Nichts ist unwahrer, thörichtcr und verleumderischer, als die, allerdings nur von unseren extremen Gegnern ausgesprochene Behauptung: die Juden strebten nach der Herrschaft der Welt und wären zu diesem Zwecke unter einander verbunden. Wir glauben, ein lächerlicherer Gedanke ist noch nie zu Tage gebracht worden! Menschen, welche, in kleinen Gruppen über die Erde zerstreut, fast 18 Jahrhunderte in Knechtschaft und Ohnmacht gelebt und ihr Dasein kaum fristen konnten, die erst einige Jahrzehnte hindurch freier aufzuathmen begannen und von denen jeder Einzelne sich seine gesellschaftliche Stellung erst erringen muß, diese sollen der unermeßlichen Mehrheit gegenüber einen so thörichten Gedanken fassen und ausführen wollen! Darüber läßt sich kaum ein weiteres Wort sagen. Die Beweise für unsere strikte Verneinung liegen überall offen. Die Juden der verschiedenen Staaten und Nationen stehen und verhalten sich gegen einander gerade so, wie diese Staaten und Nationen selbst unter einander. Die französischen, dänischen und ungarischen Inden z. B. verhalten sich zu den deutschen Juden in Gesinnung und That wie die Franzosen, Ungarn und Dänen Deutschland gegenüber. Wir haben dafür schon öfters Thatsachen angeführt, deren wir noch mehrere anzuführen im Stande wären. ist es, wo uns zuerst eine Frage zu unparteiischer Prüfung Die Juden gehören in allen Ländern allen politischen entgegentritt. Ist cs wahr, was unsere Gegner mit so ■ Parteien an, in Frankreich von den Bonopartisten bis zu großem Nachdruck nnd immer wiederholt behaupten, daß die! den Intransigenten, in Deutschland von den Conservativcn Juden trotz der Gleichstellung eine Zusammenhörigkeit, ein bis zu den Socialisten, und wir könnten selbst die reaktiofcstgegliedertes Ganzes mit besonderen Gcsammtzwecken, mit andersgearteten Grundsätzen bilden, einen Staat im Staate, eine Gesellschaft in der Gesellschaft? Wohlan, bei der genären und clcrikalen Parteien nicht ausnehmen, wenn wir die getauften Juden noch zu uns rechneten, wie es gegenwärtig unsere Gegner zu thun pflegen. Man spricht oft vom nauesten Kenntniß aller äußeren und inneren Vorgänge, bei! Kosmopolitismus und der Jnternationalität der Juden, den Erfahrungen, die wir während eines halben Jahrhunderts! Dies ist aber wiederum nur eine Chimäre, eine Vorauszu machen die reichste Gelegenheit hatten, und bei, wie wir setzung, die mit der Wirklichkeit nicht zusammentrifft. Nur in unserem Gewissen versichern können, der unparteiischesten! wo ein kosmopolitisches oder internationales Interesse den Prüftlng, können wir nicht anders als diese Frage voll-! Interessen des Vaterlandes und des Staates nicht widerständig und durchaus verneinen. Außer dem gemein-! spricht, wird es von den Juden, wie von allen andern schaftlichen religiösen Bekenntniß und der daraus resultirenden j Bürgern gehegt. Sonst ist der amerikanische, englische, Hebung des Kultus — aus welchem letzteren Gebiete selbst, wie französische, ungarische, deutsche Jude u. s. w. ganz mit bekannt, Streitigkeiten und Spaltungen aller Art vorhanden gleicher Innigkeit, ja Heftigkeit für sein Vaterland einge-

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