Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1881)
- Date
- 1881-08-30
- Page
- Seite 574 (sequence 8)
- Language
- German
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574 fänden dahin bringen kann, es mit allen Parteien zu verderben." (Bekanntlich hat Treitschke in einem Schreiben an seine früheren Wähler sich gänzlich von der liberalen Partei losgesagt, zu der ihn übrigens schon längst Niemand mehr gezählt hat.) Berlin, 16. Aug. So wenig wir gesonnen sind, in Zukunft den Raum dieser Zeitung mit den Versammlungen der Berliner Antisemiten zu füllen, da ihre Reden, ihr Gebahren, die ganze Methode ihres Verfahrens immer dieselben und nunmehr sattsam bekannt sind, so machen wir doch gleich von Anfang an eine Ausnahme mit Herrn Stöcker und zwar wegen der Unwahrheiten, die sich derselbe ganz unverfroren zu Schulden kommen läßt. Am 12. d. Abends hielt er eine Versammlung seiner „christlich-socialen Partei", in welcher er unter Anderem Folgendes sagte, was wir nach der „Voss. Z." citiren, wobei wir besonders bemerken, daß die in Paranthesen eingeschloffenen Bemerkungen der Redaction nicht von nn^, sondern von der Redaction der ,.V. Z." herrühren. Die christlich-sociale Partei beklagte die Vorgänge in Hinterpommern und Westpreußen, sie weise aber jede Schuld an diesen Vorgängen entschieden zurück. Kein Christlich-Socialer werde sich zu derartigen Schandthaten verleiten lassen (wohl keit appellirt worden ist, die Juden mit ihrer Freigebigkeit obenan standen? Red.) Ich hoffe, daß die sogenannte Judenhetze, aber auch die Christenhetze, nun sehr bald ein Ende nehmen wird (das hoffen wir auch; aber Herrn Stöcker gebührt dabei am allerwenigsten ein Verdienst. Red.), und obwohl ich einem conservativ-klerikalen Bündniß nicht das Wort reden kann, so bin ich doch für die Ausstellung des ultramontanen Herrn vr. Cremer zum Reichstagscandidaten für Berlin. „Nieder mit dem Junkerthum", ruft Herr Eugen Richter. Nun das Junkerthum möge er bei seinen eigenen Parteigenossen suchen. (Ruse: Juden!) Wie weit es diese Junker treiben, mögen Sie ersehen daraus, daß der Inhaber eines Kinder-Garderoben-Geschäfts in der Leipziger Straße eine Verkäuferin und einen Lehrling entlaßen hat, als er erfuhr, daß dieselben an unserem, am vergangenen Sonntag in Schönholtz stattgesundenen Sommerfeste Theil genommen haben. (Rufe, Pfui! Namen nennen!) Der Name des Kaufmanns ist Lewin. (Vielfache Ausrufe der Entrüstung. Wunderliche Gesellschaft das! Haben es denn nicht die Christlich-Socialen für sich zum Princip erhoben, keine Juden in christliche Geschäfte oder Familien zuzulaffen?)" Berlin, 17. Aug. Ter vorstehenden Rede Stöcker» aber bieten ihre und Herrn Stöcker's Hetzereien den Zünd^ gegenüber mag folgender Auszug einer Rede Eugen Nichter's stoff dafür. Red.), derartige Vorkommnisse führen naturj Platz finden. Dieselbe wurde bei einem Gartenfeste im 2. nothwendig zu Ausnahmegesetzen gegen die Antisemiten.! Wahlbezirk gehalten, womit die Fortschrittspartei ihre Wahl- Die Juden fürchten derartige Dinge nicht, im Gegentheil, j ansirengungen wieder anhebt. Er sagte unter Anderem: sie seien ihnen gewiffermaßen willkommen, denn sie treffen! „Dies Vereinsgesetz aus der Manteusfel-Hinckeldey'schen Zeit blos Einzelne, die von der Commune entschädigt werden soll noch nicht ausreichen, um jene Hetzscenen. Tumulte und müssen, während sie auf der anderen Seite dazu beitragen, i Exceffe in unserem Baterlande zu unterdrücken. Wohin sind die Judenfrage aus der Welt zu schaffen. „Es ist daher! wir in Preußen gekommen? (Sehr wahr!) Wir haben auch nicht zu verwundern — so fuhr der Redner wörtlich j 400,000 Mann Soldaten, ein stramm disciplinirtes Befort —, wenn wir hören, daß Juden fast immer den Anlaß amtenthum, eine starke Polizeimacht und nun kann dieser Staat zu derartigen Krawallen gegeben haben! Es steht fest, daß! nicht einmal, was seine höchste Aufgabe ist: die Sicherheit in Argenau und in Neu-Stettin die Juden die Schlägerei der Person und des Eigenthums garantiren? (Stürmischer begonnen haben. (Dies ist für jeden, der unbefangen der Beifall.) Jetzt muß selbst ein conservativer Landrath in Antisemitenbewegung im Allgemeinen und auch den Borj Arnswalde die Schützcngilden und Kriegervereine zum Schutz gängen in Neu-Stettin und Argenau von Anfang an gefolgt der Bürger alarmiren?! Die Bewegung ist deshalb so weit ist, einfach eine Unwahrheit der gröblichsten Art.! gediehen, weil den Behörden die äußere Macht fehlt. Red.) Die Vorgänge in Rußland sind gewiß zu beklagen i (Beifall.) Wie kann es anders kommen,' wenn in der kaiser- und von dem Standpunkte der Christlich-Socialen zu verabj lichen Residenz ein kaiserlicher Hosprediger monatelang Judenscheuen. Allein auch diese Vorgänge haben die russischen : hetze predigen darf; kann man sich da wundern, wenn die Juden, wie selbst ein jüdisch-russisches Blatt schreibt, durch z hier geworfenen Steine dort Wellenbewegungen veranlassen? ihren Wucher, Betrug, Ausbeutung :c. verschuldet. Tie (Sehr wahr!) So sehr Herr Stöcker jene Exceffe tadelt: reichen Juden Berlins, die für das Elend und die große moralisch schuldig ist er doch daran, er, wie alle Geistlichen, Roth, die in unserer Vaterstadt herrscht, kein Auge haben, die seine Agitation gebilligt! (Stürmischer Beifall.) Und entfalten gegen ihre russischen Glaubensgenossen eine geradewie steht der Reichskanzler dazu? Er verurtheilt jene zu staunenswerthe Mildthätigkeit. (Auch dies ist, wie ganz Exceffe: aber hat er je ein Wort zu dieser Sache gesprochen, allgemein bekannt, eine Unwahrheit. Sollte e» nur und so deutlich, wie es der deutsche Kronprinz gethan? (Nein!) allein Herrn Prediger Stöcker nicht bekannt sein, daß bei An des Kanzlers Rockschöße hängt sich jene Agitation und allen Gelegenheiten. wo hier in Berlin an die Mildthätigdie Agitatoren, die sich zu „seiner Partei" zählen; äußerst