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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-08-30 · Heft 35 (30.8.1881) · p. Seite 573

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 35 (30.8.1881)
Date
1881-08-30
Page
Seite 573 (sequence 7)
Language
German
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573 weise darauf hin, daß sich die Publication der auf den durch Agitatoren dieser Richtung eine Aufreizung verfitz,? Landfriedensbruch, sowie auf die hierbei in Frage kommenden! dener Clafsen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen. Verbrechen und Vergehen gegen die öffentliche Ordnung be-, einander im Sinne § 130 des Strafgesetzbuches zu erblicken züglichen strafrechtlichen Bestimmungen in allen Orten, in; ist, und daß also hierdurch ein genügender Grund zur sowelchen Unruhen zu befürchten sind, als zweckmäßig empfiehlt, fortigen Auflösung einer jeden Versammlung gegeben sein Es läßt sich nicht verkennen, daß die bedauerlichen Exceffe! würde, in welcher es zu derartigen Eröterungen kommt, wenigstens zum Theil auf die in letzterer Zeit gehaltenen > Unter Bezugnahme auf den durch Verfügung der ehemaligen agitatorischen Vorträge zurückzuführen sind, und es steht zu! Abthcilung des Innern der königl. Regierung vom 7. März befürchten, daß durch eine versuchte Wiederholung derartiger j 1874 Nr. 66 S. V mitgetheilten Ministerialerlaß vom 2. Borträge die Veranlassung zu erneuten Ruhestörungen ge-! März 1874 II. 8745 bemerke ich, daß eventuell die unvergeben wird. Dem Versuche einer Ausbeutung und Steigezügliche Verhaftung der betreffenden Personen zu bewirken rung der vorhandenen Aufregung, insbesondere durch eine ist. Es wird sich empfehlen, die Veranstalter solcher Ver- Erörterung der bezeichneten Vorgänge und ihrer Ursachen sammlungen und die in ihnen auftretenden Redner gleich in öffentlichen Versammlungen durch bekannte Agitatoren, bei Erlheilung der Anmeldebescheinigung auf die Eventualimuß daher unter allen Umständen entgegcngetreten werden, tat aufmerksam zu machen. Marienwerder, den 12. August Die gesetzliche Handhabe hierzu bietet sich im § 5 des Ge- 1881. (Diese Gesctzesparagraphen bestanden längst vor den fetzes vom 11. März 1850 in Verbindung mit der Erwä- Hetzreden der Herren Stöcker und Henrici u. A. in Berlin gung, daß unter den jetzigen Bcrhältniffen schon allein in und auf ihren Reifen durch die Provinz.) Mögen die Beder öffentlichen Erörterung von brennenden Tagesfragen in mühungen der Behörden allen weiteren Pöbelexceffen vorzueinem, zur Erregung der Bolksleidenfchaften geeigneten Sinne beugen im Stande sein! %>exX\\ n c) mi ac- Jji/Lcp l'cn. Deutschland. Berlin, 14. Aug. Zur Charakter:firung der Situation geben wir hier eine Corrsp. der „Köln. Z." wieder „Kaum ein Tag vergeht in Berlin, ohne daß eine ober; mehrere Wahlversammlungen abgehalten werden, und namentlich! die antisemitisch-christlich-socialen Parteien zeichnen sich durch eine Rührigkeit aus, die anderen Parteien nur zu wünschen; wäre. Ter Versuch, eine Verbrüderung der Christlich-! Socialen (Stöcker-Hcnrici) mit den Conservativen zu erreichen, ist bis jetzt gescheitert, da die Conservativen wohl die Unterstützung der Antisemiten annehmen, aber ihnen keinen Sitz bewilligen wollen. Darüber ist nun innerhalb der antisemitischen Partei Streit ausgcbrochen, da die einen mit den Conservativen gehen, die anderen aber selbständig auftreten wollen. Die einzelnen Häuptlinge treiben jetzt persönliche Politik, sie berufen Versammlungen ein, in denen sie sich als Candidaten aufstellen lasten, so daß es gar nicht unmöglich ist, daß sich die Antisemiten bei der Wahl infolge persönlicher Rücksichten spalten werden. Jetzt hat B. ein Zweig den Herrn Ruppell in Anerkennung einer wirren Wahlrede als Candidaten für den 6. Berliner Bezirk ausgestellt, wie es scheint, ohne sich mit dem Gros der Antisemiten verständigt zu haben. Mit den Conservativen hat man jedenfalls keine Vereinbarung getroffen und es ist auch nicht anzunehmen, daß diese für einen Mann wie Ruppell stimmen werden, der die Partei höchstens lächerlich machen könnte. Zu den bereits erwähnten Schattirungen kommt noch außerdem hinzu die Handwerkerpartei, unter Führung des Tischlermeisters Brandes, die schon bei früheren Wahlen selbständig aufgetreten ist, aber nur wenig Stimmen auf ihren Candidatcn vereinigen konnte. Tic Partei ist „Jnnungspartei", daneben christlich, reactionär, antisemitisch. Bismarck - sansphrase, soweit es die neueste Wirthschastspolitik anbelangt. Auch sie kann sich mit den Conservativen nicht recht einigen, da sie den Versprechungen der letzteren nicht recht traut. Während sie bei früheren Wahlen kaum in Betracht kam, könnte cs jetzt leicht geschehen, daß sie eine ganze Menge von Stimmen erhält, nachdem Bismarck mit der Jnnungsvorlage eine Frage geschaffen hat, für welche sich viele Handwerksmeister lebhaft interessiren, weil sie ihre pecuniären Jntereffen berührt. Die Conservativen werben eifrig um ihre Stimmen, wollen ihnen aber auch keinen Sitz zugestehen. In den Wahlversammlungen geht es immer sehr lebhaft zu und die Parteien greifen sich gegenseitig an, als ob sie es mit wirklichen Fortschrittsmännern zu thun hätten. In der letzten Versammlung wurde der Vorschlag gemacht, Herrn v. Treitschke als Antisemiten aufzustellen, da er als solcher auch manchen Liberalen annehmbar sein würde, die mit Stöcker, Henrici und ihrem Anhänge nichts zu thun haben wollen; aber der Vorschlag fand keinen Beifall, woraus Herr von Treitschke ersehen wird, daß man es unter Um-

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