Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1881)
- Date
- 1881-08-30
- Page
- Seite 568 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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568 ü)rer Bevölkerung ein,;utreten; nach demselben Maßstab in! ohne diesen alle die städtischen Magistrate; Professoren, Lehrer, Richter und! Nichts zerstieben. jene Folgerungen und Borschläge in Der Verfasser hat sich auch etwas im Sffieiere sollen sie nicht werden, als Soldaten solle man sie;u besonderen Regimentern vereinigen. Wir haben das Tableau dessen, was der Sprecher der „Conservativen Monatsschrift" vom Staate verlangt, um nach seiner Ansicht das Cbristenthum nnd das Teutschthum zu retten, zusammengestellt, um zu zeigen, wie consus es in den Köpfen derer aus- Talmud umgesehen; aber auch hier verläßt ihn die absichtliche Einseitigkeit nicht. Er wiederholt zwar nicht die gangbaren Verleumdungen gegen denselben, aber vom Studium des Talmud und dessen kleinlicher Gesetzgeberei läßt er die Juden geistesarm und gemüthsleer werden! Als ob in Wirklichkeit die Juden jemals an Geistesöde und Herzenssieht, die sich zu Führern der antijüdischen Bewegung machen! leere gelitten hätten; als ob neben der Halacha nicht die, Wir können es getrost allen Lesern überlassen, zu beurtheidie Phantasie und das Gemüth belebende Agada, die Relileu, was für ein Staat, was für eine Gesellschaft in geistiger giousphilosophic und die Poesie geblüht hätten; als ob nicht und bürgerlicher Beziehung herauskommen würde, wenn diese selbst die Uebuug des religiösen Ceremoniells vielfach be- Ventc das Heft der Gesetzgebung in Händen hätten. Der fruchtend auf das Gemüth und das Familienleben gewirkt Verfasser ist ehrlich genug, zuzugestehen, daß an den vor« , habe! Wir heben dieses eine Beispiel hervor, weil es gleich bandenen Uebelstäuden, wie sie theils wirklich, theils in der ans den ersten Seiten erscheint, und man wird daraus schon Pbantasie der Reaktionären bestehen, die Juden durchaus entnehmen, mit welchen Blicken der Verfasser die Geschichte nicht schuld sind. Aber sie sind es, welche sie „ausbeuten" I ber Juden betrachtet, welche Farben er mischt, um ein recht und sich die Herrschaft aneignen. Dies ist das Schreckgebilde, dunkles Gemälde daraus zu machen. So soll nach I)r. H. welches er sich von den Juden gemacht, und das auf jeder! die Kabala Schuld daran sein, daß man den Juden die Seite der Broschüre wieder erscheint: sie beherrschen und deuten Alles aus; sie sind das zersetzende Ferment, und treten immer in die Geschicke der Völker ein, wenn diese im Zustande der Zersetzung sich befinden. Ties sucht er nun geschichtlich nachzuweisen. Freilich giebt er zu, daß die Juden dem. Christenthume nie geschadet, in der Geschichte des deutschen Volkes niemals einen Einfluß geübt (S. 32 u. 55'i „weder auf das materielle noch geistige und politische Leben" — wohl aber thaten sie es auf die Babylonier, Aegvptcr, Römer, Spanier — und darum find sic so gefährlich für das gegenwärtige Deutschland. Es versteht sich, daß der gelehrte Verfasser sich hierzu auch die Geschichte der Juden und der Völker zurechte machen mußte, und er that dies in der extremsten Einseitigkeit, so daß schließlich alle Schuld deflen, was jc die Juden betroffen hat, auf diese selbst fällt, und zu einem großen Thcile auf die Vorsehung, die es so gefügt hat. „Tie Juden haben in Deutschland sich eine aggressive, erobernde, herrschende Stellung errungen." (S. 68.) Wenn man ihn frägt. wie er dies beweisen wollte, so läuft es (S. .'»2) wieder auf das oft Gehörte.hinaus (S. 52): „In Deutschland gebe es jüdische Richter und Profefforen, der Geldmarkt und die Börse sei ganz jüdisch, die Literatur und Journalistik stark von ihnen beeinflußt, und die besten Brunnenvergiftung angedichtet, und wie steht es mit der Hostienschändnng, dem Kindermord u. dgl.? In der That, es ist eine merkwürdige Nation, die trotz Knechtschaft und Zerstreuung in kleine Gruppen die Babylonier den Persern, die Aegyptcr den Römern, die römische Republik den Cäsaren, Spanien den Mauren u. s. w. zu überliefern vermochte! Doch genug, das ganze Geschwätz des Berfaffers über die Juden soll ja doch nur das Piedestal herbeischaffen, aus welchem sich die geniale Gestalt des conservativen Staates nach dem Entwürfe des vr. H. erhebt, der übrigens als Mann der „Conservativen Monatsschrift" Beachtung verdient. Conservativ! Welch' Spiel mit Worten! Was ist hier conservativ? Alle, vom Verfaffer vorgeschlagenen Staatseinrichtungen haben nie bestanden, wurzeln in keiner Vergangenheit — ausgenommen die Classifiziruug und Privilegirung der einzelnen Stände und Boksklaffen — Alles ist nagelneu, revolutionär und — sozialistisch ohne Sozialismus, ohne Berücksichtigung des Volkes selbst! Wenn man sehen will, wie derselbe Geschichtsstoff, sobald er nicht aus einem besonderen Motiv, mit einem absichtlichen Zwecke, sondern mit Unparteilichkeit behandelt wird, mit der richtigen Würdigung der Verhältniffe und Ereigniffe, ganz anders aussieht: so braucht man nur einen Blick in die vierte industriellen Unternehmungen, ja sogar der Grundbesitz gehen 1 Broschüre zu werfen: „Eine Rechtfertigung der Juden und wahre immer mehr in ihre Hände über." Hier sieht man, daß auch > Lösung der Jndenfrage. Von Dr. C. L. Beck. Leipzig, 1881. diese Broschüre in das Gebiet der Fälschung der öffentlichen! Morgenstern." Der Verfaffer, ein „germanischer Christ", wie Meinung gehört, welche wir, wie so oft früher schon, in! er wiederholt bemerkt, geht nicht darauf aus, aus den Juden No. l dieser Besprechung signalisirt und in ihrer ganzen! Tugendhelden zu machen; aber das wüste Geschrei, das sich Unhaltbarkeit nachgewiesen haben. Alles wird aufgebauscht1 gegen sie erhoben, die Verleumdungen, die man auf sie häuft, und übertrieben, um nur immer wieder in den Jammerrus der Unsinn, daß man in ihnen die Urheber äller Uebelstände, über die Herrschaft der Inden stimmen zu können, da der vorhandenen und der vermeintlichen, finden will, Uebel-