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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-08-23 · Heft 34 (23.8.1881) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 34 (23.8.1881)
Date
1881-08-23
Page
Seite 560 (sequence 10)
Language
German
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beklagen? Ist nicht, was dem Deutschen recht ist, dem Czechcn billig? Wenn der edle „Deutsche" als Sport die Judcnhetze treibt, warum sollte dem pöbelhaften Czechen nicht auch das Vergnügen einer Deutschenhetze zu gönnen sein? — Wie können wir von dem Ausländer verlangen, daß er uns schätze und schütze, wenn Deutsche gegen Deutsche solch' schmachvolle Treiberei treiben, wie die preußischen Konservativen, die Freunde der Freunde des Herrn Treiber? Spanien. Madrid, im Aug. Bon hier wird folgendes artiges Geschichtchen berichtet: Tie von den Zeitungen gebrachte Nachricht, daß Spanien den blutig gehetzten auswauderudcn Juden Rußlands ein gastfreundliches Asyl gewähre, veraulaßte auch unter Anderen eine arme jüdische Wittwe, welche sich in einem nächst Kiew gelegenen Provinzstädtchcn redlich mit der Erzeugung von vorzüglichem Schwarzbrod ernährte, jedoch in der letzten Zeit durch räubrischc Ueberfälle um ihr geringes Hab gekommen war, den Wanderstab zu nehmen und nach dem neuen „gelobten Lande" Spanien auszuwandcrn. In Madrid angelangt, sah sich die arme Frau wohl fast aller ihrer Geldmittel bar und ledig, doch verlor die wackere Frau darüber keineswegs den Muth. Durch freundliche Vermittlung eines angesehenen Kaufmannes wurde dieselbe von König Alsonso vor mehreren Wochen in Audienz empfangen. Ter König ließ sich bei dieser Gelegenheit ihre traurigen Erlebnisse in der Heimath, sowie auch ihre jetzige, keineswegs beneidenswerthe Lage schildern. Befragt hierüber,' was sie nun in der spanischen Hauptstadt zu beginnen gedenke, erwiderte die unerschrockene Frau, daß sie das Brodbacken ganz besonders verstehe, und, meinte sic, wenn bcr ■ „Herr König" ihr gestatten möchte, dieses Gewerbe in Madrid ausüben zu dürfen, so würde sie — vorausgesetzt, daß sie sich das hiezu nöthige Geld beschaffen könnte — wohl! ein gutes Geschäft dort machen. Aus eine weitere Frage; de-? Königs — der an der klugen „Geschäftsfrau" Gefallen; zu finden schien — wieviel sie denn zur Eröffnung eine» solchen Geschäfts bcnöthigen würde, antwortete sie, daß tvohl KKK» Pesetas hiezu genügen würden. Sie wurde vom König hierauf ircundlich entlassen und schon einige Tage svätcr wurde derselben der gewünschte Betrag angewiesen. Frisch und mutlig ging nun die Frau an's Werk. Doch bald erwies sich, nachdem das geeignete Lokal ausgenommen und eingerichtet war, daß der vorerwähnte Betrag denn doch nicht ansrciche — cs fehlten noch die Hauptbcsiandtheile zur Ausübung ihres Gewerbes — nämlich Mehl und Holz. Rasch entschlossen bat dieselbe um eine abermalige Audienz, doch diesmal zur Abwechslung bei der Königin Christine. Tie Königin gewährte die Bitte der Frau und ließ ihr aus ihrer Privatschatulle weitere 10GE Pesetas auweisen. Mit Dhräneu der Rührung dankte die nun überglückliche Frau und nun erst ging es flott ans Werk. Das erste Schwarzbrod — sie nannte cs „Wiener Schwarzbrod" —, das aus dem neuen „Atelier" hcrvorging, wurde selbstverständlich bei Hofe präsentirt und soll sehr gut gemundet haben. Es wurde ihr auch nicht nur Lob und Anerkennung hiefür gezollt, sondern auch freigcstellt, künftighin auf ihrer Firma den Titel wirkliche ..Hof - Schwarzbrodbäckerei - Lieferantin" führen zu dürfen. Seit diesem Tage florirt auch das Geschäft ganz außerordentlich und soll die Nachfrage nach „Wiener Schwarzbrod" eine solch außerordentliche sein, daß die neue „Hof-Lieferantin" kaum im Stande mehr ist, allen Anforderungen zu entsprechen. — Auch in anderen spanischen Städten haben sich einige wenige russische Juden schon niedergelassen. Tie spanische Gesandtschaft in Wien erhält täglich Anfragen: da diese aber meist zugleich Unterstützung beanspruchen, werden sie abgewicscn. Nußland. Petersburg, G. Aug. Ter Gouverneur von Irkutsk veröffentlicht in der Zeitung „Sibir" einen Aufruf, sich von Agitatoren nicht zur Indenhetze verleiten zu lassen. (Also auch in Sibirien! In Neschin, Gouvernement Cherson, war am Montag ein Judenkrawall, der durch das Militär unterdrückt wurde. Kiew, 1. Aug. Tie fortdauernde Ausweisung der Juden aus Kiew veraulaßte diese zu einer ganz eigenartigen Umgehung des Gesetzes. Den Juden ist nämlich nur in der Stadt, also auf festem Boden, der Aufenthalt verboten; vom fließenden Element ist jedoch in diesem Verbote keine Rede. Mit Hinblick darauf siedelten mehrere Familien vom festen Lande auf die am User des Dniepr ankernden Barken über. Ties beunruhigt aber die hiesige halbofficielle Stadtzeitung „Kiewlanin", welche meint, wenn dies so fortdauere, werde man in Kürze eine ganze jüdische Hüuserflotille an den Ufern des Dniepr haben. Diese Zeitung, welche eine jährliche Regicrungssubvcntion von GOOt) Rubeln genießt, beklagt sich fortwährend über die Lässigkeit der Regierung in der Ausweisung der Israeliten, was höheren Srts nicht ohne Wirkung bleiben dürfte. Numänien. Bukarest, 7. Aug. — Ter Gemeinderatb von Jassy wurde vom Minister des Innern aufgelöst, weil er sich weigerte, die dort wohnenden uaturalisirten Juden in die Gemeinde aufzunehmen. Amerika. j Chicago, im Aug. (Privatmitth.) Tie Union israe- | litischer Gemeinden der Vereinigten Staaten hat ihre

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