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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-08-23 · Heft 34 (23.8.1881) · p. Seite 557

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 34 (23.8.1881)
Date
1881-08-23
Page
Seite 557 (sequence 7)
Language
German
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557 "gerichts-Director; Prof. Di-. Schorn, Oberlehrer;Heinrich Stern, Banquier; Stelzmann, Stadtverordneter; Thewalt, beig. Bürgermeister; Werres, Stadtverordneter; Jak. Winter, Kaufmann; Friedr. von Wittgenstein, Rentner; Di-. Zicken, Tireetor. Gaben werden von dem Herrn Ober-Bürgermeister I)r. Becker in Empfang genommen. Auch die sonstigen vorstehend Unterzeichneten sind zur Annahme und Ueberniittelnng derselben bereit. Es sind bereits als Ergebniß stattgehabter Sammlungen eingegangen und verwendet worden 5083 Mark und 2117,<>7 Mark. Es sind ferner eingegangen-. Hunger, Divisions-Pfarrer a. T. 367 Mark (Ergebniß einer Sammlung). Nordhausen, 7. Aug. Das Kyffhäufer-Fest „deutscher Studenten", das von ca. 5—600 Personen besucht war, gestaltete sich ganz antisemitisch. Es wurden heftige Mieden gegen die Juden gehalten und dann tüchtig cvmmersirt, so wie Fürst Bismarck antelegraphirt. Weiterer Mittheilung ist die Sache nicht werth. Nur das Eine wollen wir bemerken, daß Henrici eine Rede halten wollte, ihm dies jedoch verweigert wurde. Jena mar gänzlich ferngeblieben, obschon es die nächste Universität zu dem Festplatze ist. Depeschen liefen von der Antisemitenliga, dem christlich-socialen Verein in Berlin und aus Neustettin ein. Es ist dies bezeichnend genug für diese beiden Städte und für die Leute, die da zusammen waren. — Die „ Nordh. Ztg.", die übrigens nur 300 Studenten zählte, fügt ihrem Berichte über das Fest Folgendes hinzu: „Wir gehören nicht zu Denen, welche blind verdammen und iu wüstem Zclotismus übersehen, was auch an dem Gegner Gutes ist, denn wir wissen: kein Mensch hat ganz Unrecht und keiner hat ganz Recht, allein Das müssen mir doch offen aussprechcn, daß es uns als eine traurige Verirrung des Zeitgeistes erscheint, wenn Jünglinge, die, um mir Gutzkow zu reden, „kahlen Bäumen gleichen, die sich erst belauben sollen, Jünglinge, die sich mit den Runen der Wissenschaft erst die leeren Seiten ihrer Seele zu füllen haben", wenn solche Jünglinge, sagen wir, mit Worten, die nur durch die Unreife ihrer Urheber einigermaßen zu entschuldigen find, gegen altbewährte, treue Vorkämpfer ächten deutschen Volksthumes und ächten deutschen Volksgeistes zu Felde ziehen und mit dazu beitragen möchten, glücklich überwundene, längst veraltete Zustände wieder herbeizuführen, selbstverständlich ohne des Wortes zu gedenken: „Du glaubst zu schieben, — und Du wirst geschoben" . . . Die Verantwortlichkeit für die Zustände, welche aus solchem Treiben entsprießen können und müssen, tragen jedoch nicht die Irregeleiteten, sondern Diejenigen, welche bei diesen Irregeleiteten eine Führerrolle spielen und in durchaus unchristlichcr Weise durch zelotisches Gebühren „ihren Nächsten ein Aergerniß geben" . . . Nun, es ist in einem Rechtsstaate, wie es der preußische ist, dafü'- gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der Bruchtheil unserer studirenden Jugend, welcher sich durch die anscheinend christlichen, in Wahrheit aber inhumanen und deshalb mit dem Geiste des Ehristenthums in schroffem Widerspruche stehenden Phrasen einzelner Agitatoren gefangen nehmen ließ, wird außerdem hoffentlich noch zu rechter Zeit wieder zur Besinnung kommen, denn Systemveränderungen, Glaubensmetamorphofen und ähnliche Revolutionen unseres Innern, zu denen man als reifer Mann Jahre gebraucht, macht die Jugend oft in wenigen Stunden durcb." Hamburg, 7. Aug. (Privatmitth.) Die Affaire Oberrabbiner Stern — Schlachter Witt, deren sich die Leser mobl noch erinnern werden, hat noch ein Nachspiel gehabt, das für die Beikommenden nicht grade erfreulicher Natur ist. Schlachter Witt, der in den Augen unseres Herrn Oberrabbi feiner Zeit keine Gnade gefunden, wurde bekanntlich durch Letzteren, gestützt auf den Senat, in jeder Weise in Ausübung seines Geschäfts behindert, so daß er schließlich sein Geschäft Hierselbst aufgebcn mußte. Herr Witt wurde durch Di-. Max Cohn gegen den Senat klagbar und dieser wurde nunmehr in letzter Instanz vom Reichsgericht in Leipzig zur Leistung eines nicht unerheblichen Schadenersatzes an Herrn Witt ver urlheilt. — Ob der Senat unferm Herrn Oberrabbiner wieder die Hand zu Aehnlichem bieten wird, ist nunmehr sehr fraglich. AuS Schlesien, K). Aug. Bon Hirschberg aus werden Beschwerden darüber laut, daß es einem Beamten des königlichen Polizeipräsidiums in Breslau gestattet wird, in den Städten der Provinz in antisemitischem Sinne zu agitircn. In Hirschberg ist er kürzlich aufgetreten, und Plakate, in denen die dortigen Juden bedroht werden, find wohl eine Frucht des von ihm ausgeftreuten Samens. Aus Pommern, Aug. (Privatmitth.) Die Zusammenrottungen gegen die Juden fanden auch noch an anderen Plätzen als den bisher genannten statt, ihr Verlauf ist überall derselbe und braucht nicht weiter beschrieben zu werden. Personen aus dem niedrigsten Volke laufen Hcpp! Hepp! schreiend durch die Straßen, die Haufen sammeln sich, greifen zu Steinen und Knitteln, werfen und schlagen Fenster und Thüren ein, plündern auch bei Gelegenheit wie in Schievelbein und werden dann durch verstärkte Polizeimacht, denen sich eine Anzahl wohlgesinnter Bürger hinzugesellt, auseinandergetrieben. Besonders ffieht der feige Haufen vor berittenen Gensdarmen. So geschah es in Falkenburg, Rummelsburg, Könitz, Lauenburg, Polzin. In Schloß Hammerstein sollte Henriei cintreffen und eine Rede halten. Dies wird nun wohl nach dem Artikel der „Provinzial - Correspondenz" unterbleiben. Hoffentlich hat diese epidemische Verfolgungsfucht auch in Hinterponnnern ihr Ende erreicht.

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