Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1881)
- Date
- 1881-08-23
- Page
- Seite 556 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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556 hat sie damit bewiesen? Nichts als das; Döllinger in den seitdem verflossenen 35 Jahren etwas zugelernt hat, das; die! großen Ereignisse von 1846—1881 nicht wirkungslos an ihm j vorübergegangen sind und daß die fortgesetzten eifrigen Studien und Forschungen eine Veränderung seiner Ansichten bewirkten — während die „Germania" nicht blos im Jahre 1846, sondern selbst 1246 und vielleicht noch früher stecken blieb. Döllinger berief sich z. B. damals auf eine französische Schrift, die jetzt längst vergessen ist, und hat seitdem mehrere französische Schriften zu lesen Gelegenheit gehabt, in welchen i das gerade Gegentheil über die französischen Juden ausgcj sprachen worden. Döllinger ist nun ein Mann der Gerechtigkeit, der sich nicht mehr an die Schrift des Advokaten Halle,; hält, nachdem ihm so ganz verschiedene Dokumente Vorlagen.! Wenn daher Döllinger gegenwärtig ganz anders urtheilt als 1846, so ist dies nur ein Beweis seiner ernsten Wahrheitsliebc, seines aufrichtigen Strebens nach Gerechtigkeit. Berlin, 12. Aug. (Priuatmitth.). Berlin hat jetzt die Ehre, drei ausgezeichnete Menschen als Candidaten zum Reichstage aufgestellt zu sehen: Stöcker im zweiten, Henrici im ersten — er hat sich endlich bereden lassen, den zweiten für Stöcker aufzugeben — und Ruppel im sechsten Wahlbezirk. Letzteren proklamirte eine Bersannnlnng von 300 Personen, von denen Biele gar nicht zum Wahlbezirke gehörten. Die Berliner Wahlbewegung und die Antisemitenliga erhalten dadurch etwas geradezu Komisches. i Köln, 7. Aug. Die heutige „K. Z." verösientlicht Fol-| gendes: Gestern Bormittag hatten sich im Hansasaale ( Rathhauses eine Anzahl Bürger Kölns versammelt, um gegen-; über den scheußlichen Thaten in Süd und Westrußland, die! dort an den Israeliten begangen worden, ein Eomitznr^ Unterstützung der Tausende um ihre Habe und Eristenz gebrachten Unglücklichen zu bilden, wie sie bereits anderwärts, namentlich in Ostpreußen, best ehen Das Comit«- will hier in Deutschland damit zugleich durch die That Protest erheben gegen jene inhumanen, von Fanatismus und blindem Hasse cingegebenen Wühlereien und Aufreizungen, wie wir sie leider augenblicklich in Deutschland und namentlich in der Hauptstadt Berlin erleben und bedauerlicher Weise selbst von solchen Männern in die unwissenden, leidenschaftlichen Massen gcgeworfen sehen, die zunächst berufen wären, das Evangelium der Liebe zu verkünden und den hohen Sinn der Erzählung des barmherzigen Samariters zu vertreten. Das (somit»; will Protest erheben gegen dieses fanatische Gebühren, indem cs auf die schrecklichen Endfolgen, wohin dasselbe führt, Mord und Brandstiftung, hier an der Hand der Thatsachcn hinweist, und zugleich durch Liebesgaben das entstandene Elend mildern. Ein Aufruf des Comit-'-s, der in der Versammlung beschlossen wurde, wird bald veröffentlicht werden. Köln, 14. Aug. Die hiesigen Zeitungen veröffentlichen folgenden A u f r u f: Noch ist die Schreckcnskunde von den entsetzlichen Vorgängen in Südrußland nicht verklungen und schon dringt ein neuer Nothschrei der verfolgten Israeliten im westlichen Rußland zu uns herüber. Bon ruchloser Hand zweifellos angezündct, sind die von Juden bewohnten Stadttheile einer ganzen Anzahl größerer und kleinerer Städte niedergcbrannt. Biele Menschenleben werden beklagt. Tausende von Familien stehen vor den Aschenhaufen ihrer gesammten Habe. In den meisten Fällen ging das mühsam gerettete Gut am folgenden Tage in Flammen auf. Mitbürger! Nicht dem entfesselten Elemente, der verwilderten Menschennatur stehen jene bedrängten Mitmenschen gegenüber, elend, wehrlos, verzweifelnd. Kommt nicht rasche, umfassende Hilfe, so wird Hunger und Krankheit das Ber nichtungswerk vollenden. Fragen wir nicht, wen die Schuld solch unerhörten Frevels trifft. Laßt uns sie sühnen, so viel an uns ist, inj dem wir Hilfe bringen. Protestiren wir durch werkthätige Unterstützung dagegen, das; in unseren Tagen, unter unseren Angen die niedrigsten Leidenschaften verblendeter Menschen i entfacht und die Forderungen der Humanität und Civilisation mit Fußen getreten werden. Helfet Alle nach Vermögen.'! ->tvln, im August 1881. Dr. Alb. Bachem, Stadtverordneter: Di. Bardenhcuer, Ober- | or;t am Bügerhospital; Bartclheini, Superintendent und Pfarrer; Dr. Becker, Oberbürgernieister; Dr. Brandenberg, Schulinspector; Hanns Burgers, Rechteanwalt; Dr. Lcop. Eontzen; Crome, Erster Staats-Anwalt; Dr. Drewke, Rechtsanwalt; Eilender, Amtsgericktsrath; Dr. Erkelenz, Tirector; Moritz Eltzbacher, Banguicr; Eschweiler, Obcrlaudesgerichts- Rath; Rob. Esser JI, Rechtsanwalt; Fay, Justizrath; Pr. Feith, Arzt; Gnst. Fleck, Kaufmann; Dr. Franck, Rabbiner. Fuchs, Pfarrer; Dr. Guckeisen, Oberlehrer; Ad. Guilleaume, Stadtverordneter; l>r. Grüneberg, Fabrikbesitzer; Hamm, Ober Staatsanivalt: Hegcncr, Dircetor der Gas- und Wasserwerke; Wilh. Hertz, Rentner; Rob. Heuser, Stadtverordneter; Hunger. Tivisionspfarrcr a. T.; Professor Di-. Jäger, Gymnasial-Director; Jacob de Jongc, Banguicr; Kaesen, Commercienratb und Stadtverordneter; Dr. Friedr. Kaiser, Oberlehrer; Kisker, Stadtverordneter; Kühlwetter, Geheimer Regierungsrath; Alb. Langen, Kaufmann; Laufs, rtöniglichcr Notar; Dr. Leichtenstern, Oberarzt am Bnrgcrhospital; Dr. ücut, Sani tätsrath und Stadtverordneter;!r'cyendecker, Commercicnrath und Stadtverordneter; Licbmann, Stadtverordneter; Ed. Mayer, Justizrath; Dr.May Müller, Sanitätsrath; Dr. Nacken, Justizrath undRechtsanwalt; Freiherr Ed. von Oppenheim, Banguicr und Gcncral-Eousul; Pelman, beig. Bürgermeister; Pr. Plato, Rabbiner; Emil vom Rath, Commcrcienrath und Sradtverordncter; Dr. Richter, Apotheker; Dr. Rosenthal, beig. Bürgermeister; Schaefsbcrg. Stadtverordneter; Schlink, Land-