Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1881)
- Date
- 1881-08-23
- Page
- Seite 555 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wir dieser Aeußerung Seitens der Regierung auch etwas > von der neuen scheidet durch das Wort: „Liebe deinen Nächsten mehr Nachdruck, mehr Schärfe gewünscht hätten, man auch wie dich selbst", das, von dem Alten Testament verkündet, schwerlich die Verklausulirung vermißt hätte, welche den Ausvom Christenthum neu ausgenommen wurde. Die Mission, druck der Absicht, den Agitatoren das Handwerk zu legen, die den Zuden vermöge ihrer wunderbaren Erhaltung, in begleitet, so sind wir doch dankbar schon hierfür. Eine Reeiner Martyrergeschichte ohne Gleichen bcschieden ist, wird gierung wie die preußische kann nicht sagen: ich dulde dies sich erfüllen. Dem reinen Hochgefühl, das Sie, verehrungsnicht, und nicht Alles daran setzen,- daß ihr Wort vollstänwürdiger Mann, durchdringen muß, entspreche der Tank dig in Erfüllung gehe. Wir sind daher berechtigt zu der aller Menschenfreunde, vor Allem derer, die unter einer uu- Hoffnung, daß diesen Ausschreitungen rin baldiges Ende gemöglich gehaltenen Berkehrung alles sittlichen Bestandes, setzt werde. Hinterpommern hat sich allerdings ein neues noch in unseren Tagen Qualvolles erleiden mußten. Ge würdiges Denkmal in seiner Geschichte gesetzt. statten Sie mir, der ich nun bald ein halbes Jahrhundert nach Maßgabe meiner Kraft sür unser deutsches Vaterland zu wirken trachte, Ihnen innigen Tank auszufprcchcn. Ich ver1ho!d Äuerdach ÜN Dr. v. Döllingcr. darf mit Zuversicht hinzufügen, daß Zahllose von gleichen In der „Augsburger Allg. Z." sinden wir folgende Er- Gefühlen beseelt sind. Tief gekränkt, in bitterer Trauer er widerung Auerbach's auf die Rede, welche Döllinger in der harrten wir den Mann, der die Schmach von unserer Zeit, letzten Festsitzung der bayerischen Akademie der Wifsenschaften von unserem Vaterland und von uns Juden abthne. Voll gehalten hat: erkennen wir das Streben der Männer, die da und dort An den Stiftsprobst Or. Ignaz v. Döllinger, dieser Aufgabe sich unterzogen. Run aber haben Sie, an Präsidenten der bayerischen Akademie der Wissenschaften in erhabenem Qrt und zu weihevoller Stunde das entscheidende München. Wort gegeben; das Chaos schwindet, und cs ward Lickt. St. Moritz, Engadin, 7. Angust. Ein Echo aus den Sie haben denen, die das Wort von der Religion der Liebe zu Hochalpen dringe zu Ihnen, hochzuverehrender Mann, für lügnerischer Phrase mißbrauchten, Sic haben denen, die, den Ihre edlen, die reinste Höhenluft athmenden Worte. Das Schaden, welchen die deutsche Volksseele erleidet, nicht be- Vertrauen lebt wieder auf, es giebt noch geschichtliche Wahrachtend, in leichtfertiger Frivolität den Fanatismus gewähren heit, logische Gerechtigkeit und den Freimuth rein menschlicher ließen und die Jndenhetze als einen belebenden Sport be- Licbe in der Welt. Test' zum Zeugniß haben Sie das Wort trachteten — Sic haben ihnen allen den Freoclmuth ihres ergriffen gegenüber der schamlosen Verleugnung aller Huma- Thuns vor Augen gestellt. Sie vollzogen dies entscheidend, nität. Mit der erhabenen Ruhe wissenschaftlichen Umblicks Wir deutschen Juden, die wir mit aller Kraft unser deutsches das Einzelne erforschend, daS Ganze erfassend, haben Sie die Vaterland lieben und die Mängel und Fehler unserer Angeschauervollen, von Blut und Brandmalen bezcichneten Wege hörigen zu heilen suchen — wir athmeu frei auf. Das der Judenverfolgungen in fcharfgezogenen Linien aufgedcckt danken wir Ihnen. Eine unabsehbare Schaar von Christen und das Wesen des Fanatismus klargelegt, der in naiver und Juden reiht sich unter die Fahne, der Sie den Wahl oder bewußter Selbsttäuschung, den Namen des Höchsten miß fpruch der Sophokleischcn Antigone gegeben: „Glicht mitzn brauchend, Gräuel auf Gräuel häuft. Sic haben den Wende hassen, mitzulieben sind wir da." In dankbarer Verehrung Punkt in der Menschheitsgeschichte bezeichnet, der die alte Welt Bcrthold Auerbach. ‘X'Yi 11111Cj >i ioicI j c i clj \'c 11. Deutschland. Berlin, ll. Aug. (Privatmitth.) Es war vorauszuseheu, daß die Rede des I)r. v. Döllinger von der ullramontanen Presse nicht leicht verschmerzt werden könne. Denn abgesehen davon, daß der große Kenner und Forscher der Kirchengeschichte hier wieder einmal ein Urtheil ausspricht, welches vom Ultra montanismus so weit entfernt ist, wie ein Pol vom anderen, und daß dieses Urtheil gerade den Ansichten und dem Treiben der ultramontanen Presse schnurstraks widerspricht und sie geradezu geißelt: spricht es die Rede unumwunden aus, daß die Kirche es war. welche den Juden das traurige Geschick während des Mittelalters bereitete, und daß sich dieses erst seit der Reformation gebessert habe. Tie „Germania" glaubt nun Döllinger und seiner Rede rechten Schaden zu thun, indem sie aus einer Rede Döllinger'S im Mai ldlR in der bayerischen zweiten Kammer bezüglich der Anträge „Ueber die Verbesserung der Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen" Aeußerungen citirt, welche mit dessen jüngster Rede in der Akademie durchaus nicht übereinstimmen. Was