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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-08-23 · Heft 34 (23.8.1881) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 34 (23.8.1881)
Date
1881-08-23
Page
Seite 554 (sequence 4)
Language
German
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554 zum Fenster hinausgeworfen, Spinden, Kommoden, Tische, Stühle, Betten, Wäsche u. s. w., dann wurde der Thorweg Verein heute zusammentreten, um der Polizei zur Seite zu stehen, es sollen des Abends Patrouillen in den Straßen erbrochen, das Pferd wcggeführt und der Wagen in die Rega! gehen, und wenn drei bis vier Menschen zusammenstehen, diese geschoben. Es blieb in den Stuben nichts weiter als die I auseinandertreiben. (Warum geschah dies nicht früher?) vier Wände, nur das eiserne Spind trotzte dem Pöbel, dies waren sie nicht im Stande hinauszuwcrfen und auch nicht zu erbrechen. Nachdem Samuel Jtzig noch verschiedene Miß- Nach einem anderen Berichte sollte eine Deputation der Gemeinde an den Oberpräsidenten und von da an den Minister des Innern abgehen, nicht, wie hinzugesetzt wird, weil Handlungen und Schläge erhalten hatte, zog der Pöbel immer i man hoffe, daß dies etwas helfen werde, sondern um nichts johlend nach der langen Straße, unterwegs noch die Fenster zu unterlassen, das diese Greuelscenen in vollem Umfange bei Glasermeister Levy einschlagend. Hier wurden die Schauzur Kenntniß der Behörden gebracht werden. Im Volke senster des Kürschnermeisters Hirsch und der Kaufleute G. Engel, Kargauer, Walter, Elias eingeschlagen, dann wurden noch die Fenster bei Pincus Müller und Joseph Mannheim eingeschlagen. Tie Läden von S. Bernstein und 2. Borchardt wurden verschont. Während sich der Pöbel durch die Kirchenstraße dem Markte wieder näherte, hatte sich der hiesige Kriegcrverein gesammelt. Der Oberst des Vereins hatte nämlich zum Antreten blasen lassen. Der Kriegcrverein ging nun mit ansgcpslanztem Bajonet in verschiedenen Abtheilungen gegen die Tumultuanten vor und säuberte die Straßen. Einer der Tumultuanten soll dabei durch einen Bajonetstich verwundet worden sein. Bis heute Morgen wurden Personen verhaftet. Ter Kriegerverein stellte in den Geschäften, wo der Pöbel am wildesten gehaust hatte, Wachen auf. Es herrscht hier eine Aufregung, wie man sie in dem sonst so ruhigen Schicvelbein bisher nicht erlebt hat. Auf dem Markte sicht es schrecklich aus. Bei H. E. Jacobus hat der Pöbel am meisten gewüthct, es wurden alle Schnapsfäsier auf den Markt geworfen, sowie Flaschen mit Liqueuren und anderen Materialen. Tie Weiber, welche den Tumultuanten folgten, zerschlugen noch, was die elfteren verschont hatten, und stahlen furchtbar. Tie Waare von Salinger, Levin übrigens ist durchaus die Meinung verbreitet, daß dieses ganze Treiben von gewisser Seite her gebilligt werde, und cs wird viele Mühe kosten, diese Meinung zu beseitigen. Nach diesen Excessen sieht man nicht mehr ein, welcher Unterschied zwischen den Zuständen in Südrußland und in der preußischen Provinz Pommern ist — in beiden Ländern dieselbe Plünderungssucht des Pöbels, dieselbe Hetzerei aus den sogenannten gebildeten Kreisen und Gleichgiltigkeit derselben, derselbe Hang zur Gesetzlosigkeit, dieselbe Schwäche, rechtzeitig den Excessen Einhalt zu thun. Wir sind begierig zu erfahren, ob endlich ein Wendepunkt eintrete, wo diese frappante Aehnlichkeit aufhört. Bonn, 11. August. Der obgedachte Wendepunkt scheint endlich eingetreten zu sein. Die offiziöse „ Provinzial-Correspondenz" läßt sich endlich über diese skandalösen Scenen in Hinterpommern und Westpreußen vernehmen. Sie schreibt in ihrer gestrigen Nummer: „An mehreren Orten der Provinzen Pommern und Westpreußen haben in der letzten und vorletzten Woche bedauerliche, mit der Beschädigung und Zerstörung von Privateigenthum verbundene Ruhestörungen stattgesunden. Deni energischen Einschreiten der Ortsbehörden ist es — zum Mannheim und G. Engel war buchstäblich mehr auf der! Theil allerdings erst nach Verstärkung des Executivpersonals Straße wie in den Läden. Ich ging heute Morgen umher I und unter Beihilfe des einsichtsvollen Theils der Einwohner- und sah mir die Trümmerhaufen an. Bei Mannheim sind > schaff — überall gelungen, die Excesse zu unterdrücken und viele Tuche gestohlen, ebenso andere Waareii. Es fehlen dem! die Excedenten zur gerichtlichen Untersuchung zu ziehen. Manne noch ea. 200 Mark, welche die Sonntagseinnahme Seitens des Ministeriums des Innern sind die Regierungsbildctcn, ferner zwei Contobücher. Ten größten Schaden! Präsidenten der betreffenden Landestheile beauftragt worden, hat H. E. Jacobus, der noch dazu verreist ist. Nach meiner; mit allen Mitteln, welche die Gesetze an die Hand geben, Ansicht entsteht der Stadt Schievclbciu mindestens ein Schaden! der Wiederkehr derartiger Ruhestörungen vorzubeugen und von 10- bis 12,000 Thalern. Der Schaden, welchen der! etwaigen erneuten Versuchen mit vollster Energie entgegen;« Pöbel in Neustcttiu angerichtet hat, ist lange nicht so bedeutreten. Insbesondere sind die betheiligten Behörden angclend wie hier. Unsere Polizei sowie Bürgermeister waren wiesen worden, einer Ausbeutung und Steigerung der vorschr aus dem Posten und sind nur zu loben. Heute Vorhandenen Aufregung, welche aus einer öffentlichen Erörtemittag hat schon die Vernehmung einiger Arretirten stattgerung der bezeichneten Ereignisse nnd ihrer Ursachen in den funden. Wir haben hier zwei Sorten von Pöbel, seinen und * von bekannten Agitatoren abzuhaltenden Versammlungen zu gemeinen; der feine Pöbel ist der Schlimmste. Dieser reizt! befürchten sein würde, sofort zu begegnen, soweit dies überden gemeinen Pöbel auf, bis letzterer zur Thätlichkeit über-' Haupt nach den Vorschriften thunlich ist, welche bezüglich der geht und dann ist es schwer, letzterem Einhalt zu gebieten. Verhütung eines die gesetzliche Ordnung gefährdenden Miß- Wie ich soeben erfahre, wird der hiesige Krieger- und Schützen-. brauchs des Versammlungsrechts in Geltung stehen." Wenn

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