Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 125 (18.10.1838)
- Date
- 1838-10-18
- Page
- Seite 505 (sequence 3)
- Language
- German
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50» hebt sich zwar em lautes Eeflchrek gegen ihn beim Tempel, dennoch aber ziehen sie ihm und seinen Soldaten jubelnd und begrüßend entgegen, um ihn durch die Erweise von Achtung zu besänftigen. Florus hingegen ließ seine Reuter unter das Volk sprengen und nicht besänftigt durch die versöhnende Stimme der Priester und Vornehmen, giebt er die Stadt der Plünderung seiner Eohorten Preis und mit beispielloser Wuth werden an 3609 Einwohner erwürgt und selbst Unschuldige der schimpflichen Geißelung und dem Kreuzestode übergeben. Am folgenden Morgen strömte das Volk mit wehmüthigem Herzen 'nach dem obern Markte, und webklagte mit lautem Geschrei um die Getödteten; Haß gegen Florus (önete ihre Stimme vorzüglich laut. Voll banger Besorgniß zerrissen die Angesehenen und Hohenpriester ihre Kleider, sielen der Volksgruppezu Füßen, und baten, ruhig zu sein, und den Florus nicht zu reizen, um der Nation, außer dem, was sie schon erlitten hatte, noch unheilbarere Wunden zu schlagen. Das Volk gehorchte. Ja, als die Priester es überredeten, nach dem Wunsche des Florus zwei neuen Eohorten entgegen zu ziehen und, was der Statthalter als Zeichen des Friedens ersehen würde, sie wie gewöhnlich zu begrüßen, zogen sie hinaus. Anstatt der Erwiedrung ihres Grußes erhielten sie auf Befehl des Florus Spott und als einige darüber murrten, wurden die Volksgruppen von den Soldaten umringt, und in die Stadt ge» jagt. Hier war ein gewaltiges Drangen und Stoßen bei den Thoren. Jeder \itt, den Andern vorzurennen, erstickt und zerquetscht finden Viele den Tod, mit ihnen stürzen die Soldaten ein und hauen ohne Schonung was ihnen entgegen kommt nieder. Als aber die Römer sich jetzt nach dem Tempel und der Burg Antonia wandten, da kehrt das Volk sich sogleich um, thut dem weitern Vordringen der Soldaten Einhalt und sucht sie durch von den Dächern herabgeworftne Felsstücke und einen Pfeitregen zurückzudrangen. Florus sicht mit Ingrimm, wie sie die Stoen zwischen dem Tempel und der Burg niederrissen und ihm dadurch den Weg zum Tempelschatz unmöglich machten — er verlaßt die Stadt und klagt die Juden beim Procurator des Aufruhrs an. Doch auch die vornehmsten Einwohner Jerusalems schwiegen nicht und schrieben dem Cestius von allen Greuetthaten des Florus gegen die Stadt. Der Procurator schickt einen Tribunen, Neapolltanus, ab, der bei Jamnia den König Agrippa, der über das nördliche Palästina 'herrschte, begegnet und mit ihm. gegen Jerusalem ziehet. Sechzig Stadien weit zog ihnen das Volk entgegen, der Ermordeten Gattinnen liefen voraus und heulten laut auf, das Volk stimmt in das Klaggeschrei ein und flehet Agrippa um Hülfe an, sie zeigten ihnen in der Stadt den verödeten Markt, die zerstörten Hauser, überzeugten den Tribunen von ihrer Treue und Ergebenheit für die Römer, so daß Neapolltanus voller Ehrfurcht gegen das Heiligthum Gottes, ihnen Schutz und Hülfe versprach. Jndeß drang eine zahlreiche Menge in die Hohenpriester und den König 'Agrippa, eine Anklage gegen Florus beim Kaiser einzureichen, damit es nicht das Ansehen habe, als waren sie die Urheber der Feindseligkeiten gewesen. Hier war es, wo Agrippa jene meisterhafte Rede hielt, um das Volk zu beruhigen und sie vor allen Feindseligkeiten zn warnen, die wir im 16. Kapitel des 2ten Buches vom jüd. Krieg lesen und die, wenn sie Agrippa wirklich in der Art hielt, den hochgebildeten Geist des Königs bekundet. Auch Josephus war unter denen, die das Volk zu besänftigen suchten, er stellte ihnen vor Augen, gegen welch eine Nation sie kriegen wollten, daß sie den Römern, nicht bloß im Betreff der Knegserfahrenheit, sondern auch des Kriegsglückes weit nachstehen würden, daß sie doch nicht auf eine so übereilte Werse ihr Vaterland, ihre Familien und > sich selbst in das größte Unglück stürzen möchten. Jndeß nur aus kurze Zeit gelang, es den Bemühungen der Gemäßigten, das Volk vor dem Einfluß der Gegenparthei, die nach Rache gegen die Römer schnaubte, zu bewahren. Selbst Agrippa wird beschimpft, als er das Volk mit Florus aussöhnen will und verlaßt Jerusalem. Dies verschafft den Kriegslustigen neuen Spielraum. Auf Anregung des Anführers der Tempelwache, eines kühnen Jünglins, Eleazar Sohn des Priesters Ananias, verweigern die dienstthuenden Priester die Opfer der Ausländer und selbst die für den Kaiser, vergebens versuchen die vornehmsten Pharisäer sie von der Gefährlichkeit dieses Schrittes zu überzeugen und in Verzweiflung, die Revolutionsmänner nicht mehr zurückhalten zu können, ersuchten sie Florus und Agrippa um Hülfe. War irgend ein Schritt gefährlich und unheilbringend, so war es dieser. Denn nun war das Zeichen zum Bürgerkrieg gegeben. Agrippa schickte dreitausend Reuter aus Auranitecn, Trachonitern und Batanaern bestehend. Die Friedensparthei besetzt mit ihnen die obere Stadt, die andern hatten den Tempel und die untere Stadt in Besitz. Es eröffnet sich zwischen beiden ein Kamps, in welchem die Krieger des Königs unterliegen, die Aufrührer rücken in die obere Stadt ein, verbrennen die Paläste, die Archive, Ln welchen die Schuldverschreibungen tagen, um sich auch die Schuldner gewogen zu machen, erstürmen die Antoniaburg, ja ein gewisser Manahemus zieht nach Masada, erbricht dort das Zeughaus, bewaffnet seine Genoffen und zieht in Jerusalem ein, wo er die im königlichen Palaste eingeschlosi