Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 125 (18.10.1838)
- Date
- 1838-10-18
- Page
- Seite 506 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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508 fcmn ibatm nlederhauen, den Hohenpriester Ananias ermorden laßt und als unumschränkter Gebieter hauset. Das Volk aber, angeregt durch die Eifersucht des Eleazar laßt dieser Despotie keine lange Dauer, man greift den Manahem im Tempel an, haut seine Helfershelfer nieder, er selbst wird auf der Flucht ergriffen und nach Marter und Qual um's Leben gebracht. —* **) Jetzt noch denkt das Volk, daß cs Zeit sei, den ganzen Aufstand zu dampfen und die Ordnung wieder herzustellen, aber Eleazar mit seinen Anhängern dachte weiter; die Vernichtung der eingeschlossenen römischen Soldaten unter ihrem Anführer Metilius war sein Ziel und, alö diese der Gegenwehr ohnmächtig, sich ergeben und vertragsmäßig die Waffen niedcrlcgen — so stürzt Eleazar's Rotte auf sie und ladet durch treulose Ermordung der Hülsslvsen.den Fluch Gottes, den Abscheu der ganzen Stadr auf sich. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Setma, die jüdische Seberin. Traumleben und Hellseden einer durch animalischen Magnetismus wieder hergesteUten Kranken. Von Dr. (pliil.) M. Wiener. Berlin, bei L. Fernbach jun. 1838. XViiL und 208 S. Zweite Kritik. In den lebten Dccenmcn des achtzehnten Jahrhunderts, ausgezeichnet durch eine allgenieine Verflachung und Manicrirung in Allem, was sich auf die Tiefe des Gemuthcs bezieht, durch ein dünkelvolles Spiel mit dem f. g. gemeinen Menschenverstände, durch popularisircnde und dann kritische Philosophie, bezeichnet durch kleinliche Empfindelei oder Empfindsamkeit, die sich mehr mit Zerlegung als mit der Erkraftigüng des Gefühls befaßte; in dieser Zeit, wo Verzärtelung, Ucppigkeit, Vernachlässigung der physischen Erziehung die Grundlage zu einem adnnamischen Charakter der ganzen Generation gelegt hatten, aus welchem sie sich nur durch große Re- und Evolutionen retten konnte, und zu dem sie noch dazu durch eine allgemeine Gastrose gekommen war, gegen die die .Heilmethoden Stoll's, Tiffor's, Kampf's :c. gerichtet waren — in einer solchen Zeit schritt eine neue, seltsame Erscheinung aus dem heiligen Dunkel der innersten Menschennatur hervor: der s. g. animalische Magnetismus. Jenes Dunkel, das vor dem kindlich gemülbvollen Asiaten, vor dem jugendlich plastischen Griechen, vor dem gebeimnißlüsiernen Neuplatoniker und Gnostiker, vor.dem ahnenden aber riefdeutelnden Kabbalisten, Alchymisten und Astrologen des Mittelalters, dem Geisterschauenden Rosenkranzer, Adepten und Swedenborgianer des 17. Jahrhunderts, sich nicht zerstreut batte, sollte in dieser Zeit einen liefern Blick gestatten. — Die Geschichte der Philosophie bewahrt eine dunkle Sage von dem alten Schläfer Herm otimos, der auch in seinem Schlafe zum ersten Male der hellenischen Welt den Geist als Weltschvpfer offenbart haben sott — in den Tempeln des Aeskulap schliefen viele Hellenen und Römer, und den Träumern fuhr der Name des Rettungsmittels in das verschlossene Ohr — alte, mittlere und selbst neuere Menschheit weiß Vieles zu erzählen von Weissagungen in Träumen, und von dem Einspielen einer unbekannten, höher geistigen Welt in die menschliche, beschränkte Natur wahrend des räthselvottcn Schlafes ö) — aber theils ist die Irrung so alt wie die Menschheit, rheils eben so alt frommer und gemeiner Betrug, theils bezeugen unS die sparsam geretteten Bruchstücke, daß allerdings dieser besondere Vorgang der menschlichen Natur, der zwischen den Marken der sonst so verschränkten Körper- und Geisteswclt spielt, in heimlichem Hintergründe immer vorhanden gewesen: jedoch hervorgetreten, wenn nicht aus dem Dunkel seines Wesens, doch aus dem Dunkel seines Daseins ist er erst in den letzten Decennien des achtzehnten Jahrhunderts. Nicht die Fortschritte der auflösenden Kunst des Chemikers, nicht die Entdeckungen des zergliedernden Anaromen, nicht die Forschungen des das Todtc zur Einheit des Lebens wieder zusammenfaffenden Physiologen, sondern der, wie mit einer Wünschelrurhe, mir Magnet und Eisen bewaffnete Arm des jungen Arztes Mesmer zerstieß die dünne Rinde, welche die Erscheinungen der innersten Menschennatur überdeckt und verheimlicht. Also doch an der Hand eines Jrrthums trat sie an das Licht des Begriffes, und wurde nach ihm benannt. Und wie der Irrthum ihre Hebeamme, so war er auch der Pädagog ihrer Jugend, und die Verkennung und Entweihung ihre Amme. Die Wissenschaft nimmt Nichts ungeprüft an, aber die Werkzeuge ihrer Prüfung kann sie selbst nicht bestimmen; und so geschieht eS meist, daß die Prüfung zuerst Sache der Partheiung wird, weil die Prüfer nicht die Entdecker sind. Je tiefer reformirend daher die Entdeckung erscheint, desto eher wird sie verworfen. So mußte sich der Magnetismus in die Arme des Laien werfen, weil ihn der Kunstverständige verwarf. Je leichter ihm dies seiner Natur nach ward, desto eher wanderte er aus den Sälen des Forschers in die Boudoirs der Stutzerinnen. Wie aber der Magnetismus so ganz Welrkind geworden, inußte er auch den Stößen und Umwälzungen dieser Welt unterworfen sein, und schön und wahr sagt Jean Paul: oa) „Nach der gewöhnlichenSchicksals- Doublctte wurde das Magnetisiren in Paris durch die Revolution, und in Berlin durch kriegerische Evolution unterbrochen." Da rettete sich denn der Magnetismus in die stille wissenschaftliche Welt des Deutschen wieder hinüber. So wie er hier den Unglauben durch die Sichtlichkeit seiner Erscheinungen nach und nach besiegte: so nahm man ihm gcgentheiliä» die'unbegränzte Bedeutung als Universalmittel, man führte ihn zurück in die Schranken, welche ihm, als I n n o rm a li ta t, gebührt, man besiinimte die Gränzen, in denen er fein dynamisches Spiet entwickeln dürfe, man suchte sein Wesen und seine Causalmomente näher zu entdecken, man sah in ihm, durchaus nicht eine Erhöhung der Intelligenz, nickt mehr ein Spiel des Aetherleibes, in welchen der Erdenleib 'eingeschachtelt ist, wie Jean Paul so schön träumte, sondern im Gegentheil eine völlige Detonirung, Herabstimmung des Sensoriums commune, und eine ungewöhnliche Heraufstimmung des Ganglicnsvstemö — das Cerebralsvstem weiche bei diesen krankhaften Affcctioncn zurück, die Sphäre der Abdominalnerven erhebe sich zu einer parasitisch ausgebilderen Höhe, auf der sie an der Stelle jenes den Organismus beherrsche. (Fortsetzung folgt). •) Selbst der zerlegende Aristoteles giebt Vorausfehungen in Träumen zu, wenn er diese auch als Produkt des combinirenden Verstandes ans den jeweiligen Verhältnissen angesehen haben will. S. die kleine Schrift 7Z€ol rrjg y.utf vnVQV {Jiaviixrjs P« 153 ff. ed, Taucha. **) Museum S. 3. A. Redacteur: Dr. L. Philippfon. - Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfel-,