Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 125 (18.10.1838)
- Date
- 1838-10-18
- Page
- Seite 504 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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504 daß das Christenthum — dem Dr. Strauß gegenüber — die Prüfung des kalten historischen Verstandes bestehen könne. Für den Israeliten ist dieses Werk in so fern von Wichtigkeit, als er» aus demselben ersieht, daß sehr wenig Christen das neue Testament nach seiner geschichtlichen Bedeutung verstehen. Wie thöricht muß daher der mittelalterliche Haß gegen das Judcnthum erscheinen, da nicht einmal alle Lehrer des Christenthums dasselbe zu würdigen wissen. Aber so ist das menschliche Herz, es haßt oft aus Mißverständnis; und liebt aus Jrrthum, bis alles klar und deutlich wird, wenn die Binde von den Augen fällt und die Hülle von der Seele sinkt*). I o s e p h rr s, sein Leben, sein Charakter und seine Zeit. Von Dr, 11 r r. (Fortsetzung.) III. Die strenge Lebensart und harte Tugend der essaischm Sekte sprachen den Jüngling Josephus vorzüglich an, ja er gesellte sich einem Einsiedler, Namens Banus, zu, der in einer wüsten menschenleeren Gegend lebte, sich in Baumbast kleidete und keine andere Nahrungsmittel zu sich nahm, als wie er sie aus den Händen der Natur empfing. Drei Jahre verweilte er bei diesem Schwärmer, dessen unbescholtenes und unsträfliches Leben seine Bewunderung erregte, und kehrte erst dann nach Jerusalem zurück, als er wohl einsah, daß selbst die Tugend in der Einsamkeit kein Verdienst wäre, wenigstens nichts zum Nutzen der bürgerlichen Gesellschaft beitrüge. Hier in der Stadt fesselten seine Aufmerksamkeit die Staatsgeschäfte und so schloß er sich den Pharisäern an, die, wie bekannt, ihre Philosophie mit der Politik zu verbinden strebten.' Bald hatte Josephus Veranlassung, sich selbstthätig zu beweisen. Der römische Statthalter Felix ließ einige seiner Freunde, Priester und nach Joseph's Zeugniß, biedere und rechtschaffene Männer, einer geringfügigen Ursache wegen verhaften und nach Rom schicken. Josephus, von dem Wunsche beseelt, ihre Rettung zu vermitteln, und voll Mitgefühl über ihre treue Anhänglichkeit an dem Gtau- *) Wir werden diesem Werke nächstens einen eigenen Artikel widmen. Redakt. ben ihrer Vater, da er in Erfahrung gebracht, daß sie sich nur von Feigen und Nüssen in ihrer Gefangenschaft nährten und jede verbotene Speise zurückwiesen, Josephus machte sich selbst auf die Reise nach Rom. Es war in seinem 21. Lebensjahre, im zehnten Jahre der Regierung des Kaisers Nero*). Bald hätten die Gefahren der Seereise seirlem Leben ein Ende gemacht. Die Wellen des adriatischen Meeres droheten in einer stürmischen Nacht das Schiff zu verschlingen und nur mit Mühe konnten achtzig der sechshundert Schiffsbewohner ihr Leben retten, indem sie beim Anbruch des Tages von einem Cyrenaischen Schiffe ausgenommen wurden. Glücklich kam Josephus in Puteoli an und wurde der Freund eines mimischen Schauspielers, Namens Aliturus, der, von Geburt ein Jude und der Liebling des Nero, Josephus zur Bekanntschaft mit der Gemahlin des Kaisers, Poppaa, verhalf, welche ihm die Gnade gewährte, die Befreiung seiner Landsleute zu erlangen. So kehrte er, außerdem von der Kaiserin reichlich beschenkt, nach Palästina zurück. Hier aber war alles voll Erbitterung gegen die Römer, jener merkwürdige Krieg begann, der dem jüdischen Staate ein Ende machen und unermeßliches Unglück über das Volk bringen sollte. Hiezu gab die Verworfenheit 0er römischen Statthalter, die an Grausamkeit und Niederträchtigkeit ihrem Kaiser nichts nachgeben, den vorzüglichsten Anlaß, denn wenn auch schon lange der Jude das Joch des Römers mit Unwillen getragen, nur die römischen Machthaber waren es, die anstatt das glimmende Feuer desAufruhrs in der Geburt zu ersticken, es vielmehr durch die grausamste Verhöhnung zur Hellen Flamme anfachten, von der endlich der Tempel zerstört und das Land zur Wüstenei gemacht wurde. Gessius Ftorus war damals römischer Statthalter und übertraf an Habsucht und Niedrigkeit alle seine Vorgänger. Ueber ihn war Cestius Gallus, Procurator von Syrien gesetzt, den er über das Volk zu täuschen suchte, indem er es bei ihm anschwärzte, während er selbst das Kriegsfeuer anzusachen strebte, da der Krieg über seine Erpressungen einen Sckleier werfen und die Anklagen beim Kaiser verhindern sollte. Die Entweihung einer Synagoge von einem Griechen, in Cäsarea, die einen Kampf zwischen den griechischen und jüdischen Einwohnern hervorrief, welchen Ftorus um so eher hatte verhindern sollen, da er für empfangenes Geld Schutz versprochen, gab den ersten Anlaß. Reger Unwille entstand zwar hierdurch bei Jerusalems Einwohnern, indeß blieben sie noch ihres Zornes Meister, ja, als Florus siebenzehn Talente aus dem heiligen Schatz entnehmen ließ, er- *) 63 nach Chr.