Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1881)
- Date
- 1881-08-16
- Page
- Seite 543 (sequence 9)
- Language
- German
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543 stattgefunden. Hunderte von Menschen durchzogen unter z semitische Propaganda, was zu wiederholten Malen zu Klagen Schimpfreden die Sttaßen, zu argen Ausschreitungen ist cs! seitens israelitischer Gäste Anlaß gegeben haben soll. Einer jedoch auch hier nicht gekommen. Was sagen die Patrone j der letzteren, welcher sich mit einer Eingabe an die königliche der „Norddeutschen Presse" und die Beförderer der Henrij Eisenbahndirection gewandt hatte, erhielt hierauf folgenden, ci'schen Agitation hierzu? Reustetkin, 29. Juli. Wieder haben wir von Ausschreitungen zu berichten, die in unserm Nachbarstädtchen Bär-! walde am 27. Abends stattgefunden haben. Die Nachrichten j gelangen so spät hierher, weil wir weder direkte Postnoch Bahnverbindung haben. Excedenten, die sich zum größeren Theile aus Handwerkslehrlingen und Gesellen zusammensetzten, haben sich dieses Mal nicht mit dem Einwerfen von Fenstern bei den jüdischen Bürgern begnügt, sondern haben es nicht über das Herz bringen können, die Synagoge zu verschonen. Gestern trafen der Obcrregierungsrath Graf Clairon d'Haussonville und der Staatsanwalt Pinoff aus Cöslin in Bärwalde ein. Der Herr Regierungskommissar versprach durchgreifende Abhilfe. Zu bemerken ist, daß in der Verübung der Excesse Plan und System waltet, und es ist in Bärwalde stadtbekannt, daß der die Ausschreitungen begehende Pöbel nur das Executivorgan einer Gesellschaft von „anständigen" Bürgern ist, die ihn inspirirt und anfeuert. Unzweifelhaft geschah es auch auf Weisung und Belehrung dieses Antisemitenclubs, daß die Excedenten nur in kleinen Trupps durch die Straßen zogen, um keinen Auflauf zu bilden, weil dann nach ihrer Meinung der Schaden die Betroffenen febst und nicht die Commune trifft. — Der Hauptanstifter des hiesigen Krawalls, Bau-Unternehmer Luttosch, ist nach Vernehmung der bedeutendsten Zeugen vorläufig aus der Untersuchungshaft entlassen, doch soll der Staatsanwalt Vinoff bei dem Oberlandesgerichte über diese Entlassung Beschwerde geführt haben. Karlsruhe, 25. Juli. (Privatmitth.) Unsere Gegner, wenn sie von der bedeutenden Frequenz der höheren Lehranstalten durch die jüdischen Knaben sprechen, wollen dies nicht mit dem, in den Juden herrschenden Bildungstrieb, sondern mit ihrer Sucht nach höheren Stellungen, oder gar nach Herrschaft erklären. Diesem gegenüber führe ich an: Tie höhere Mädchenschule in Karlsruhe zählte 1880,81 laut Bericht 566 Schülerinnen (132 kathol., 387 evang. und -17 israel.); die Mannheimer höhere Mädchenschule war besucht von 465 Schülerinnen i-30 israel., 182 evang.. -17 kathol?; das dortige Realgymnasium von 421 Schülern -„100 fatfiol., 229 evang.. 88 israel., 4 neutral? — Tie beiden ersten Angaben bezeugen, daß die Juden in gleichem Maße für die Schulbildung ihrer weiblichen Jugend sorgen, wo doch nur der reine Drang nach gründlcher Bildung Motiv sein kann. Bebra, 1. August. Der hiesige Bahnhossrestaurateur, welcher auch ein Privathotel besitzt, betrieb mit Eifer ant>.- vom „B. Tgbl." mitgetheilten Bescheid: Auf das an die königliche Eisenbahndirection hier gerichtete und hierher abgegebene Schreiben vom 19 v. M., betreffend Beschwerde gegen den Bahnhofsrestaurateur Schlüter zu Bebra, benachrichtigen wir Sie hierdurch ergebenst, daß wir das taktlose Benehmen desselben gegen Sie im höchsten Grade mißbilligen. Da jedoch der ganze Borfall sich in dem Privathotel des Restaurateurs Schlüter ,;u- J getragen hat, so sind wir nicht in der Lage, gegen denselben weiter vorzugehen, als daß wir ihm unser Mißfallen ausgel sprachen und angerathen haben, in Zukunft seinen Gästen gegenüber sich taktvoller zu benehmen. Schließlich bemerken wir noch, daß in der Bahnhofsrestauration Bebra antisemitische Blätter nicht aufliegen. Einige Tage später folgte diesem Schreiben die Nachricht, daß die königliche Eisenbahndirection dem betreffenden; Restaurateur inzwischen gekündigt habe. | Erlangen, 6. Aug. Hier, wo Herr Stöcker vor Kurzem; vor einer hauptsächlich von Studirenden der Theologie bei suchten Versammlung einen seiner bekannten Vorträge gehalten, hat man am 1., 2. und 3. d. M. einem Israeliten allabendlich die Fenster eingcworsen; auch der im gleichen Hause befindliche Betsaal der Israeliten wurde nicht verschont. Großbritannien. London, 5. Aug. Unterhaus-Sitzung vom 4. Aug. Auf eine bezügliche Anfrage des Deputirten Worms endlich erklärte Dilke, die russische Regierung habe für die Ausweisung Lewisohn's aus Rußland lediglich den Grund an gegeben, daß derselbe ein Jude sei. Der britische Geschäfts träger habe in der Angelegenheit eine Note an die russische Regierung gerichtet, eine schriftliche Antwort sei aber noch nickt erfolgt. Frankreich. Paris, 31. Juli. In der Sitzung des Senats vom 28. Juli hatte dieser über das von der Teputirtenkammer bereits angenommene Gesetz zu beschließen, welches den die Friedhöfe betreffenden Art. 15 des Decrets vom 23. Prairial des Jahres XII abschasit, d. h. die eonieisionellen Kirchhöfe aufhebt und den Kirchhof für neutral erklärt. Des Bassayns de Richmond > clerica9 spricht sich dagegen aus und vertheidigt das jetzige System, welches jedem der verschiedenen Cultc einen besonderen Kirchhof zuweist. Er sagt. Alfons v. Rothschild, Präsident des israelitischen Consistoriums, sowie der Großrabbiner Isidor hätten gegen das Gesetz Eiu- 33