Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1881)
- Date
- 1881-08-09
- Page
- Seite 530 (sequence 12)
- Language
- German
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530 bemerkbar, die, wie zu fürchten sieht, nochmals zum Ausbruch! richt des Grafe.n Kutaisfow durchaus n.i ch t in das Geheul kommen wird. Daß bei den letzten Unruhen der Pöbel nicht! der Antisemiten einstimmt, daß er die Ursachen der Juden» nur geschrieen hat: „Fort mit den Juden!" sondern auch:! Verfolgung ganz wo anders, in ganz anderen Verhältnissen „Fort mit den Herren!" (den Gutsbesitzern), ist ein schlimmes findet. Aber tröstlich ist dies noch lange nicht!) Zeichen der Zeit und beweist leider, daß eine umsichtige Propaganda der Bewegung ihre Ziele gesteckt hat." — Zu den jüngsten Unruhen in Perejeslawl schreibt der „Golos", daß, als der dort am 14. Juli eingetroffene Gouverneur nach den Gründen der Unruhen zu forschen begann, ihm von der Menge erklärt wurde, daß sie mit einem der Polizciaufseher und dem Friedensrichter unzufrieden sei, ivelche in Streitfragen immer die Partei der Juden ergreifen. Nachdem der Gouverneur die Auseinandersetzungen angehört hatte, fragte er: „Was wünscht Ihr jetzt?" „Die Befreiung der am 12. und 13. Juli Verhafteten", antworteten die Leute. Der Gouverneur erklärte, daß er letzteres nicht gewähren könne. Da begann der Kravall von Neuem in Gegenwart des Gouverneurs, welcher sich nun eilig in die Polizciverwaltung verfügte und befahl, die Verhafteten auf freien Fuß zu stellen. Somit ist dem Verlangen des Pöbels gewillfahrt worden. Der offizielle „Kijewlianin" vom 21. d. M. berichtet über neue Judenverfolgungen, welche am 15. und 16. d. M. gleichzeitig in mehreren Ortschaften des Gouvernements Pultawa begonnen haben und heute noch andauern. Besonders arg waren die gegen die Juden ausgeführten Exzeffe in den Dörfern Skopez, Wojtowzy, Maszkowzv u. a. m. Hier wurde das Eigenthum gestüchteter Juden geraubt oder zerstört. Aehnliche Verwüstungen wurden an den jüdischen Häusern in anderen Dörfern ausgeführt und daselbst überdies mehrere Juden mehr oder weniger verletzt. Ein alter Jude, welcher sich nicht rechtzeitig retten konnte und sein Hab und Gut beschützen wollte, wurde mit der Hacke so arg zugerichtet, daß er aus dem Platze tvdt liegen blieb. Die Unruhen dauern noch heute fort, ohne daß die Behörden einschreiten. Ans 17 Dörfern des Gouvernements Pultawa sind die Juden ausgewandert, während der Pöbel weiter Petersburg, 25. Juli. Zu den Unruhen im Süden! wüthet. Bis jetzt wurde, wie das offizielle russische Blatt hört man, daß die jüdische Bevölkerung in Folge der letzten | selbst zugiebt, nicht ein einziger Exzedent verhaftet. Begebenheiten in Prijaßbatol und der Gährung, die sich! Moskau, 1'.'. Juli. Der tt Corr. der „Köln. Z.", der überall unter der christlichen Bevölkerung bemerklich macht, > uns allerdings nicht ganz zuverlässig erscheint, schreibt diesem in die größeren Städte, wo sie sich jetzt mehr Schutz ver-! Blatte: Unter der jüdischen Bevölkerung im Süden Rußlands spricht, übersiedelt. In Kiew treffen täglich jüdische Familien! ist der Gedanke zur Gründung eines Auswanderungssonds ein, allein aus Prijaßbatol kommen über Hundert derselben! zur Unterstützung derjenigen von ihren Glaubensgenoffen, an. Graf Kutaiffow, der aus dem Süden zurückgckehrt ist,! welche sich in anderen Theilcn des Reiches anznsiedeln wohin er abgesandt war, um die wahren Gründe zu erforschen,! wünschen, angeregt worden. Selbstverständlich wird jedoch welche die Judenverfolgung wachgerufen haben, ist der Mei I zuerst die Erlaubnis der Regierung nachgesucht werden nung, daß es weniger direct auf die Juden, sondern über-! müssen; es heißt, man wolle sich daraus beschränken, das Haupt aus die hier so zahlreichen Ausbeuter des Volkes abi für je zehn Familien für jede beliebige Stadt in Rußgesehen ist und daß die Unruhen ihren Grund in der trau-! land nachzusuchen. In betreff der Judenfrage sind beide rigen ökonomischen Lage der Bevölkerung haben. Er spricht j streitenden Parteien, Semiten wie Antisemiten, einig; beide sich gegen die Freizügigkeit der Juden aus, die unter den! halten es für ökonomische Nothwendigkeit, daß die Juden jetzigen ökonomischen Verhältnissen schädlich sein könnte und; außerhalb der Grenze ihrer gegenwärtigen Hauptseßhaftigkeit betont die Nothwendigkeit, sobald als möglich Schritte für j angesiedelt werden; im übrigen aber sind die Ansichten sehr Hebung der ökonomischen Lage der Bevölkerung zu thun.I verschieden: eine Partei will für die Juden das Recht, sich Illach Durchführung der hierauf zielenden Maßregeln würden j nach freier Wahl in jedem Theile des Reiches anzusiedeln, solche Vorfälle, wie sie im Süden vorkamen, einfach un-; die andere dagegen besteht auf Ansiedelung außerhalb der möglich sein. Unsere conservative Preffe spricht sich im An-! Grenzen Rußlands. Da die Maffe der jüdischen Bevölkcschluß an die officiöse sehr ungehalten über die Absicht einiger rung im Süden im allgemeinen arm ist, so ist die Gründung westeuropäischer Staaten aus, welche der russischen Regierung. des erwähnten Fonds jedenfalls eine Wohlthat; jedem Vorstellungen der Judenfrage halber machen wollen, lieber-Menschen aber ist die Anhänglichkeit an seine Heimath angehaupt ist zu bemerken, daß in dieser Frage die russische Re- * froren, und es dürften sich nicht viele Juden finden, welche gierung und die Presse höchst unverblümt erklären, daß die bereit wären, dieselbe freiwillig aufzugeben, um Wahrschein- Angelegenheit eine vollständig interne sei, und daß daher lich unter sehr beschränkenden Vorschriften nach andern Vorstellungen seitens der übrigen Staaten vollständig unstatt- Gegenden in Rußland zu ziehen. Die Gründung des Aushaft seien und unbeachtet gelassen werden würden. — (Wer wanderungssonds hätte jedoch nur in dieser Bedeutung Sinn, zwischen den Zeilen zu lesen versteht, erkennt, daß der Benicht aber für eine Auswanderung nach Spanien oder