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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-08-09 · Heft 32 (9.8.1881) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 32 (9.8.1881)
Date
1881-08-09
Page
Seite 531 (sequence 13)
Language
German
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531 Amerika. Die antisemitische Bewegung ist übrigens sehr mit Unrecht als beendigt betrachtet worden: die Vorgänge in Perejeslawl, Gouvernement Poltawa, am 13. Juli, wo ani's neue mehrere jüdische Häuser zerstört worden, giebt dafür einen Beweis. Im geheimen wird die Volksstimmung gegen die Juden immer wieder ausgebeutet, und zwar von Agitatoren, die unentdeckl bleiben. So waren am 25. Juli in der Stadt Dünaburg Proclamationen verbreitet. in welchen die Arbeiter aufgefordert wurden, sich gegen die Juden zu erheben und diesen ihren unrechtmäßig erworbenen Reichthnm zu entreißen. Tic Ruhe wurde jedoch nicht gestört. — Tie näheren Umstände der großen in ihren Folgen so schrecklichen Feuersbrunst in Minsk, in welcher gegen 1500 Häuser von den Flammen verzehrt und Tausende von armen Einwolmern obdachlos geworden, liesert einen neuen Beweis, wie wenig unsere Polizei bei ihrer gegenwärtigen Einrichtung und der Art ihrer Thätigkeit ihrem eigentlichen Zwecke entspricht. Roch im Mai war durch anonmne Briefe mit Einäscherung der Stadt gedroht worden, und erst dann, als die Trohnng in Erfüllung gegangen, wurden bei den von der Feuersbruun verschont gebliebenen Häusern Wachen ausgestellt, und auch das größtentheils von den Eigenthümern. Tie Fenersbrunst vom 3. Juli ist angelegt worden, und zwar an verschiedenen Stellen zu gleicher Zeit. Das -Feuer brach uin 1<> Uhr morgens in der Nähe des Postgebäudes aus; noch war der Brand nicht gelöscht, als zwei Stunden später ein zweiter entstand, der infolge der vielen eng znsammengedrängten Häuser und des heftigen Windes unglückbringcud für die ganze Stadt wurde; schon nach einer Stunde hatte sich das Flammenmeer über fünf Quartiere ausgebreitet; die Feuer wehr war unfähig, das verheerende Element aufzuhalten, und die Menschen zu retten, die sich voll Verzweiflung aus dem obern Stockwerk hinabstürzten. Tie große Synagoge mit 2t > kleineren Schulen und Bethäusern wurde ein Qpfer der Flammen; das Seminar, die Eparchial-Mädchenschnle wurden angezündet, glücklicherweise aber konnte das Feuer gelöscht werden. Unterdessen verbreiteten sich unter dem Volke drohende Gerüchte von fernerer Brandstiftung, es hieß die Kathedrale und sämmtliche Kirchen sollten angezündet werden. Die Feuersbrunst währte mehrere Tage lang, an vielen Stellen rauchen nach heule die Trümmer. Wie viele Menschenleben zu beklagen sind, ist noch nicht ermittelt, einige verkohlte Leichname sind bereits am Morgen nach dem ersten Tage gefunden. Wie gewöhnlich hat auch hier gerade die ärmere Classe am meisten gelitten, denn nur die Häuser der Wohlhabenderen waren versichert, und neun verschiedene Feuerversicherungsgesellichafren haben im ganzen eine Summe von 1,800.<)<•:) R. zu zahlen. Tie Kathedrale und die Kirchen sind also stehen geblieben, aber die 22 Snnagogen sind abgebrannt!! Keuil Eorrespon-ely. Eaisel. im Juli Die Jahresversammlung der iir. Lehrer Hesiens. In dem herrlich gelegenen Marburg hielten die nrael. Lehrer Hessens am 4. Juli ihre 13. Jahresversammlung ab. Montag, um Uhr, wurde die Eonrerenz in Anwesen heit von 58 Theilnehmern mit einem Eborale eröffnet, und der Vorsitzende, Herr Scminarlehrer I)r. S tein Cassel, be grüßte die Versammlung mit herzlichen, kernigen Worten. Er wies in seinem Vorträge darauf hin. daß auf Marburgs Boden der Geist gepflegt und gelehrt worden fei, der die ruhmreiche kurheffifchc Verfassung geschaffen habe, die unserer Glaubensgenossenschaft die volle Gleichberechtigung gegeben, daß von hier aus Männer wie Justi, Jordan u. a. diesen Geist in das Heffenland getragen hätten. Redner iubrre dann weiter aus, daß Dank dieser Verfassung sich in.>?enen ein israelitisches Schulwesen ausgebildet habe, wie es in Deutschland noch einzig dastand, ein Schulwesen nnrer staatlicher Beaufsichtigung mit von der Regierung definitiv be stellten Lehrern. Er glaubte mir Freuden konstatiren zu te ton. können, daß jener stnstere Geist, der uns in neuerer Zeit beunruhigt, das schöne Verhältniß. das bei uns nun schon eine geraume Zeit zwischen dem christlichen Bolksschullehrerstande und dem israelitischen besteht, nicht hat stören können, daß liniere christlichen Eollegen chrcnhast geblieben wären und durch jenes unlautere Treiben sich nicht hätten berücken lassen. Indem er dieses dankend anerkannte, schloß er mit dem Wunsche, daß durch unsere Eonserenzen wie bisher günstig ani den iirael. Lehrerstand Hessens eingewirkt werden möge, um auch unsererseits zur Erhaltung menschenwürdiger Zu stände beitragen zu können, um dem Vaterlandc Bürger zu erziehen, die Anhänglichkeit an die Religion. Liebe zum Vaterland und Treue gegen den König besitzen. Rach dieser mit großem Beifall ausgenommenen Rede verlas der Vorsitzende den Jahresbericht, in welchem unter anderin dem Bedauern Ausdruck gegeben wird, daß der Ausschuß seinem verdienten Mitgliedc Gutkind-Cassel zu dessen 25jährigem Tienstjubiläum nicht die übliche Svarion gebracht bat: man habe den Tag zu spät erfahren. Alsdann geschieht der im vergangenen Jahre Heimgegangenen Mitglieder Neumark Windecken und Bloch Reichen iachien ehrenvoll Erwähnung.

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