Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1881)
- Date
- 1881-08-09
- Page
- Seite 529 (sequence 11)
- Language
- German
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529 nommen hat. Der Senat ernannte dagegen eine Commission, welche die Sachlage, sowie die Wünsche und Bedürfnisse des Volkes nach dieser Richtung hin prüfen soll. Diese hat auch Abgeordnete des israelitischen Centralconsistoriums vernommen, welche die Aufrechterhaltung des Decretes von Prairial des Jahres XU befürwortete, nach welchem jeder Eonsession eine gesonderte Abtheilung der allgemeinen Friedhöfe zuertheilt werden muß. - — Bei der allgemeinen Erregung, welche gegenwärtig in Algerien unter der Bevölkerung christlichen und mohamedanischen Bekenntnisses herrscht, macht sich auch wieder einmal das Borurtheil gegen die Juden geltend. Tie Europäer wälzen den Haß der eingeborenen Mohamedaner, der unter den gegebenen Verhältnissen doch so natürlich ist, gern von sich ab. So finden sic immer wieder als eine Ursache des Kampfes die Naturalisation der eingeborenen Israeliten heraus, worüber die Mohamedancr empört sein sollen. Vor Kurzem votirtc die Handelskammer von £iaii einen Antrag bei der Regierung, den Israeliten das aetivc und passive Wahlrecht zu den Handelskammern zu entziehen. ES versteht sich von selbst, daß dieser Antrag keine Folge haben wird. Uebrigens erhob sich besonders die Vigi,- algerif-nne dagegen und machte geltend, daß Bürger, welche in die gesetzgebenden Körper gewählt werden können und an den Munizipien und Gcneralräthen activeS und vaffives Wahlrecht besitzen, von den Handelskammern doch nicht aus geschloffen werden können. Paris, 22. Juli. TaS besetz über die Friedhöfe wurde vom Senat heute zwar mit löll gegen 120 Stimmen für dringlich erklärt, jedoch mit li>7 gegen 111 Stimmen bc schlossen, zuvörderst das Budget vorzunehmen, was morgen geschehen soll. Spanien. Madrid, im Juli. So gering die Hoffnungen find, die wir von Beginn an auf die vielbesprochene Einwanderung russischer Juden in Spanien setzten, so fühlen wir doch die Verpstichtung, von den dcSfallsigen Dokumenten keines zu übergehen, besonders weil es auf die Eonstatirung der Gesinnungen wenigstens ankonnnt. Hierhin gehören folgende Schriftstücke. Herr H;üm Gue«lallali in Ponton wandte sich an den spanischen Ministerpräsidenten Sagasta und erhielt folgende Antwort. Präsidium des Minifterraths. Madrid, 27. Juni, 1**1. Geehrter Herr! Ich habe mit wahrer Befriedigung Ihren Brief am 20 d. M. gelesen. Ter Artikel 1 der gegenwärtigen spanischen Constitution vom Jahre 1M2 ist der entschiedenste Widerruf des VerbannungScdiets gegen die Juden. Darum hat die Regierung nie für nörhig erachtet, den Personen dieses Bekenntnisses eine Speeial-Erlanbniß zur Rückkehr zu geben. Um so mehr wäre dies unnütz, wenn man sich aus den rein liberalen Standpunkt stellt und in diesem Sinne das größte Princip unseres Grundstat utcs interprctirt. So können alle diejenigen Ihrer Glaubensgenossen, die dies wünschen, ohne das geringste Hinderniß nach Spanien kommen; sie können überzeugt sein, daß die Regierung, als Organ der Meinung des Landes, sie mit Freundlichkeit und Shmpathie aufnehmcn wird. Ich benutze diese Gelegenheit, um Ihnen die Versiche rung u. s. w. gez. Prarcdes Ma Sagasta. Ein angesehener Svanier, der in London wohnt, hat über denselben Gegenstand folgenden Brief von Martine; Campos, dem Kriegsminister von Spanien erhalten. Ich habe, wcrther Herr und Freund, Ihr Geehrtes vom 17. Juni erhalten, das mich beglückwünscht wegen der Ent scheidung, welche den Juden gestattet, sich in Spanien nieder zulafsen, eine Entscheidung, die von dem Kabiuet gefaßt ist, dem ich angehöre. Ich freue mich Ihrer Billigung unserer Grundsätze und der neuen Politik, die in Spanien vorherrscht. Empfangen Sie u. s. w. gez. Arienio Martine; de Camvos. Als Städte, welche man als besonders geeignet zur Riederlassung für Juden cmpffehlt, werden Barcelona. Malaga und Sevilla genannt. Hcrvorheben wollen wir noch, daß der Gemeinderath von London unter dem Vorsitz des Lord-Mapors eine Glückwunschadreffc an den König von Spanien angenommen hat wegen ..der Prinzipien des Liberalismus und der religiösen Toleranz, die er in Bezug aus die Juden kundgethan, welche er eingeladeu, sich in seinen Staaten nicdcrzulassen, wo sie ehemals eine so hohe Stufe von Pro sperität erreicht hatten"'. Welche auch nun die Erfolge dieser Vorgänge fein rverdcn. von höchster Wichtigkeit bleibt diese Manifestation des humanen und toleranten Geistes im ganzen Westen Europas gegenüber dem finstern Dämon, der im Osten vorherrscht. dlrußlckNd. Petersburg, 22. Juli. Der „Köln.;V' schreibt man von hier: „Bei dem Berruschungssuffem der russischen Regierung, das wo möglich beute noch stärker betrieben wnd als früher, ist es schwer, in Erfahrung zu bringen, wie wen die Unruhen im Süden gedämpft worden find. Gebessert haben sich die Verhältnisse dorr insofern, als der Pöbel durch Waffengewalt und sehr ernst gemeinte Weisungen an die Gouverneure von der Wiederholung gröblicher Ausschreitungen äugen blicklich abgehaltcn wird; wirkliche Ruhe ist aber dort, nach mir zugcgangcnen Privatnachrichten, noch lange nicht einge kebrk. Es macht sich vielmehr an vielen Orten eine starke Gährung gegen die „Frcnideu" und auch gegen die ..Herren"