Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1881)
- Date
- 1881-08-09
- Page
- Seite 528 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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528 Iheilung leidende jüdische Religionsunterricht ausgeftattet werden — im Interesse des Staates. Alles, was nicht in den großartigen Apparat des Gymnafialunterrichts ordnungsgemäß eingesügt ist, erscheint schon dem kleinen Sextaner von heute als winzig und spottwürdig. An den Debatten über die Schulfrage betheiligten sich von Seiten des Vorstandes der Thorner Gemeinde auch die Herren Nathan Leiser und Gieldzinsky, die sich der z. Th. aus weiter Ferne herbeigeeilten Gäste in liebenswürdiger Weise annahmen, so daß Thorn seinen Ruf als „alte Khiüe" in vollster Weise bestätigt. Von den in den Rachnrittagssitzungen gehaltenen Vor» lrügen wird die Abhandlung des Dr. Sppenheim, „zur Gc- > schichte der Mischna" für die Fachgeirvssen im Truck erscheinen.! In objektiver, auch für weitere Kreise interessanter Weise er-! örterte Herr I w. Werner, bei aller Begeisterung für den j Gegenstand, sein Thema, „die sittlichen Anschauungen des Tal- \ mnd". Vieles im Talmud hat nur noch historischen Werth,! aber die Ethik des Talmud im Ganzen fordert uns auch heute noch zu tieferer Einsicht und praktischer Bethätignng aus. Tie Zeit des Talmud ist die klassische Periode des nachbiblischen Judenthums. Tie talmudrsche Ethik hat kein System wie die Nikomachische Ethik des Aristoteles oder die des Spinoza. Aber ist, wer ohne System sittlich handelt, kein guter Mensch? Sophokles schrieb unsterbliche Dramen, aber keine Technik des Dramas, und der Sprechsaal des Talmud, in dem sich viele Stimmen kreuzen, bietet eine Ethik von unsterblichem Werth. Tie Principien des Talmud ähneln in Bezug aus die Form den sittlichen und logischen Ideen der Sophisten. Nicht die 4 Kardinaltugeuden der altern Griechischen Philosophie, noch der mittlere Weg zwischen! den beiden Extremen, den Aristoteles pries, find hier das 1 Grundpriueip, sondern der Satz: „Gott hat den Menschen' in seinem Ebenbilde geschaffen." Glicht um zu vertheidigen treten wir an den Talmud heran, denn wer mit angeborenen Vvrurtheilen kommt, kann gar nicht überzeugt werden — | wir verehren ihn, wie der Sohn seine Mutter verehrt, ob > ihr Antlitz auch runzlich und alt. Der Redner erörtert kurz die Suellen und Grundzüge der talmudischen Ethik und bespricht ausführlich die Mittel, deren sie sich bedient, um ihr Ziel zu erreichen. Mit nngctheilrer Befriedigung blickten, als der Vorsitzende, Herr Dr. Bamderger, die Beralhungen schloß, die Rabbiner aus die in Thorn verlebten Tage zurück. Ein Festmahl im Artus Hofe, bei dein Herr Rabbiner Friedeberg Titsit den ersten Trink spruch aus Se. Majestät, unfern allverehrten Kaiser, ausbrachte, beschloß den diesjährigen Verbandstag. M. Friedeberg. Srurlgart, Juli. (Privatmitth.) Am 8. August wird yier eine Versammlung der israel. Lehrer Württembergs slaustndeu, une o>«. Statuten zur Grür.dung eenes israel. Lehrervereins zu berathen. — Bon der Besetzung der Stelle eines Rabbinatsvikars dahier verlautet bis jetzt nichts; dem Vernehmen nach soll Rabbiner Stern, früher in Buttenhausen, Aussicht aus die Stelle haben. Der Staatsanzeiger für Württemberg veröffentlicht das Rechnungsergebniß der israel. Centralkirchenkasse. Die Einnahmen betrugen 71,473 Mk., darunter 7043 Mk. Kapitalzinsen, 10884 Mk. Landesumlage, 7002 Mk. Beiträge zu Rabbinatsgehalten, 23286 Mk. Zuschuß der K. Staatskasse, 7oO Mk. freiwillige Beiträge. Die Ausgaben betrugen 64063 Mk., darunter 7042 Mk. Aussichts- und Benvaltungskosten lsl-,40 der ganzen Ausgabe), Rabbinatsbesol düngen und Quictantengehalte 24738 Mk., Gehaltsaufbesserungen für Lehrer 0880 Mk., Turnuskosten der Rabbineu 4680 Mk., Unterstützungen M>6 Mk. Das Vermögen beträgt 165,310 Mk. Holland. j Amsterdam, 25. Juli. lPrivatmitth.) Als Ergänzung zu dem Ihnen Mitgetheilten betreffs der Gesinnung der Holländer gegenüber den Judcnhetzereien mag noch dienen, daß ein in hiesiger Stadt öffentlich ergangener Aufruf zur j Unterstützung der russischen Glaubensgenoffen bis jetzt die Summe von 20,000 Mk. ausgebracht hat, während die Sammlungen in Rotterdam, dem Haag und arideren Städten Hollands nicht viel weniger betragen müssen. Großbritannien. London, im Juli. Baron Henry de Worms, der Präsident der Anglv Jewish Association, empfing dieser Tage aus >iimberley «.Südafrika) die Summe von I00O L. zur Unterstützung der verfolgten Juden in Südrußland. Frankreich. Paris, 20. Juli. Im hiesigen Gemeinderath wurde gestern der erste Versuch einer antisemitischen Tenunciation im Keim erstickt. Ein eonservatives Mitglied des Gemeinde raths denuncirte eine „israelitische Religionspropaganda" in den städtischen Schulen. Es stellte sich unverzüglich heraus, daß die Familie Rothschild sich während dieser Jahreszeit der armen Kinder und mithin mittelbar auch der Ettern derselben mehr als gewöhnlich annimmt. Sie läßt in allen städtischen Schulen die hülssbedürstigeu Kil-.der mit Anweisungen aus ihre Wohtlhätigkeit unterstützen, und mit diesem Dienst betraute sie den Tirector des israelitischen, von Rothschild gegründeten Spitals, welcher obige Anweisungen den j Schullehrern zur Vertheilung zustellt. Dieses — Gehermniß j wurde euthüllt und als israelitische Propaganda denuncirt. — > Man wird sich erinnern, daß die Teputirtenkammer einen j &imty c.u) Ve>t.ckigung uLu ^onjej honetten Friedhöfe äuge-