Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1881)
- Date
- 1881-08-09
- Page
- Seite 524 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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d24 die Religionsphilosophie des Talmuds, das Maaßsystem u. a. m. mehr oder weniger gründlich und ausführlich bearbeitet.! Wesentlich gefördert wird die wissenschaftliche Erkenntniß des talmudischen Sprachschatzes durch das jüngst erschienene vortreffliche Werk: Aramäische Pflanzennamen von Immanuel Löw (Leipzig, W. Engelmann). Eine Bearbeitung der talmudischen Botanik wurde längst von vielen Seiten gewünscht. Schon Sprengel hatte in; seiner „Geschichte der Botanik" auf die Pflanzen der Misch-; nah aufmerksam gemacht, und bereits vor 43 Jahren hat' Phöbus Philippson in seiner unvollendet gebliebenen Arbeit „über die Landwirthschaft der Hebräer" lZ. d. I. 1838) viele talmudische Pflanzen erklärt. Tie in neuerer Zeit gemachten Versuche, die talmudischen Pflanzennamen zu behandeln, oder gar die einem ungarischen Kirchenfürsten gewidmete „Botanik des Talmuds" sind kaum nennenswerth, so daß von Vorarbeiten auf diesem Gebiete auch kaum die Rede sein kann. Es galt hier von vorn anzufangen und ein ungemein reiches Material zu bewältigen. Mit Recht sagt der Verfasser: „Der Reichthum an Namen wird nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, daß die Völker, von denen die Rede ist, vorzugsweise von Pflanzenkost lebten . . . Dem talmudischen Schriftthum fehlt es nicht an Gelegenheit, Pflanzen zu erwähnen. Reste babylonischer, auch palästinensischer Volksmedizin haben darin ebensogut Erwähnung gefunden, wie eigentlich Halachisches, in besten Bereich auch die Pflanze und ihre Kultur gehört." Der Verfasser hat sich nicht auf den Talmud allein beschränkt, sondern auch Midrasch, Tosefta und Targumim in den Kreis seiner Untersuchung gezogen, syrisches und arabisches, gedrucktes und handschriftliches Material benutzt und die verschiedenartigsten Werke zu Rathe gezogen; die bloße Titelangabe der mit Abkürzungen citirten Schriften füllt 9 Seiten! Mit diesem staunenswerthen Fleiße verbindet der Berfafler eine ausgedehnre Sprachkenntniß und einen tiefen kritischen Sinn, der sich aus jeder Seite seines Buches zu erkennen giebt. Wir müssen es uns versagen, aus Einzelheiten näher einzugchen; wer sich von dem reichen Inhalt dieses bei einer großen — vielleicht allzugroßen — Knappheit der Darstellung 490 Seiten umfastenden Werkes einen Begriff machen will, der betrachte nur die sorgfältig gearbeiteten vier Register, welche nicht weniger als 50 Seiten einnehmen. Dieses auch äußerlich sehr schön ausgestattete Werk wird in der Wiffenschaft die gerechte Würdigung finden und den Platz einnehmen, den cs in so vollem Maße verdient. — Bon der vor elf Jahren erschienenen ethnographischen Studie Ad. Jellinek's „Der jüdische Stamm" ist vor einiger Zeit die Fortsetzung erschienen: „Der jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprichwörtern". 1. Serie (Wien, Löwy). Ter Verfasser hat sich in diesen sehr interessanten Aufsätzen, welche zuerst in der „Neuzeit" veröffentlicht waren, die Aufgabe gestellt, üichtjüdifche Sprichwörter, welche Juden betreffen, zu studiren und zu commentiren und aus ihnen Beiträge für die Charakteristik des jüdischen Slammcs zu sammmeln. Sie sind mit Geist und Witz, mit trefflicher Beobachtungsgabe, in edler Sprache und mit sietem Hinblick auf die Gegenwart abgesaßt: es scheint, daß der Verfasser gerade die hier commentirten Sprichwörter gewählt hat, um die trüben Bewegungen der Gegenwart zu beleuchten. Die Fortsetzung dieses splendid ausgestatteten SchriftchenS, das auch schon einen französischen Uebersetzer gefunden hat, wird hoffentlich nicht lange aus sich warten lasten. — Gleichzeitig mit dem eben erwähnten Schriftchen erschien von Jellinek: „Im Unterhause Lord Beaconfield's" (Wiest, Bermann und Altmann). Tie Begeisterung des einst mächtigen Ministers des großbritannischen Reiches für die jüdische Race war, wie bekannt, väterliches Erbtheil, entsprang aus den Gesprächen, welche sein Vater Isaak, der ihm im Stande religiöser Unmündigkeit hatte taufen lasten und bis zum Jahre 1848 an seiner Seite war, mit ihm führte über Religionen und Nationen, über die Juden, deren Geschichte und Geschicke. Jellinek belauscht nun diese Zwiegespräche, indem er aus dem Werke Isaak Jsraeli's -The Genius of .Tuduism“ Auszüge giebt. Ob er Lord Beaconsfield's Bedeutung und Leistungen für das Judenthum trotz dessen Begeisterung nicht doch zu hoch anschlägt, wollen wir dahin gestellt sein lasten. Kayserling. ^vi l'i 11 icj >i Ic vi. 'eutfchlattd. Berlin, 28. Juli. Zur Charakteristik des Augenblicks dient Folgendes: Aus antisemitischen Kreisen will die „Bolksztg." Folgendes erfahren haben: „Zur Beilegung der Zwistigkeiten, welche zwischen den Conservativen und den Antisemiten ausgebrochen sind, ist Herr Stöcker ausersehen. Derselbe befindet sich bekanntlich in der Schweiz und beabsichtigte erst am 27. d. M. wieder zur Reichshauptstadt zurückzukehren. Wie wir nun erfahren, ist Herr Stöcker telegraphisch um seine Intervention von den Antisemiten angegangen worden und bereits tvieder in Berlin eingetroffen. Sollte übrigens > eine Einigung zwischen den Parteien durch Hosprediger i Stöcker nicht herbeigesührt werden können, woran vielfach ge- | zweifelt wird, sv werden die Antisemiten ihre eigenen Candidaten ausstellen. — Tie Führer des konservativ-antisemii tischen „Deutschen Volksvereins", 1>r. B. Förster und v. Liebcrmann, veröffentlichen im „Deutschen Tageblatt" eine