Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1881)
- Date
- 1881-08-09
- Page
- Seite 520 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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520 das '.Weitere vorbehaltend, sobald sie vollständig im Druck! ganzen Nation fort und sort lastende Schande, vielmehr hat erschienen sein wird. Es versteht sich, daß wir mit einigen Sätzen des christlichen Theologen nicht einverstanden sind. Unsere Leser werden diese Punkte leicht herausfinden. Eine weitere Besprechung derselben werden wir in der nächsten Nummer geben. Wir begnügen uns daher heute mit dem Hinweis aus die Wichtigkeit dieser Rede und dem Abdruck des Auszuges. Der Redner betonte zunächst, wie in der semitischen Frage unserer Tage die Parteien sich schroff gegenüber stehen, so daß jetzt, wie einst der Ruf: „Hie Wels, hie Waiblingen", durch Deutschlands Gauen der Ruf zu schallen scheine: „Hie Semiten und Semitensreunde, hie Antisemiten" , und nicht geringe Verwunderung müsse es da erregen, daß gerade in der Hauptstadt des Deutschen Reiches der Streit so heftig entbrannt ist. Süddeuffchland sei in die Bewegung weit weniger hineingezogen worden als Norddeutschland, aber die hier sich regenden Triebfedern seien in unserer Nähe doch nicht ohne Kraft und in unseren Tagen dürfe sich die Wisienschaft nicht wie früher sich selber genügsam von dem Markte des Lebens entfernt halten, sondern sie müsic sich an der Lösung der unserer Zeit gestellten Aufgaben betheiligten und mit aller Kraft die Lösung der Fragen der Zeit zu fördern suchen. Redner wolle deshalb den Versuch machen, zu zeigen, wie die Dinge so geworden sind und wie der Knoten, dessen Lösung heute Niemand anzugebcn vermöge, sich dem aus der Zeit hervorgehenden warnenden Spiegel vormals begangener Mißgriffe entgegenstellt. Die Schicksale des jüdischen Volkes seien vielleicht das erschütterndste Drama der Weltgeschichte, Christus selber für die Kreuzigung Verzeihung erfleht und dieses Gebet ist erhört worden, wie denn auch Petrus gleich seinem Meister jenes Verbrechen der Juden mit ihrer Unwissenheit entschuldigte. 2) Das jüdische Volk ist keineswegs von Gott verstoßen, wenn auch seine Zerstreuung, wenn der Untergang seines Staatswesens, seines Tempels und seiner Hauptstadt als Strafe anzusehen ist. Israel bleibt das auserwählte Volk, da Gott seine Verheißung nicht zurücknimmt, und erst wenn viele Juden der christlichen Kirche angehören, dann werden auch viele Juden gläubig und werden mit den Gläubigen und dem Judenthum eine einträchtige Gemeinschaft bilden. Das war die aus dem neuen Testament geschöpfte Anschauung der ältesten Kirche, und von dieser ausgehend sagte die älteste christliche Lehre: Das jüdische Volk sei zu betrachten als ein zeitweilig verirrter Bruder, der früher oder später zum Vaterhaus zurückkehren werde, immer aber der Träger von göttlichen Verheißungen sei. Damit aber ist selbst dem wahren Katholicismus die Pflicht der geduldsam harrenden Liebe vorgezeichnet. Der Redner führt nun an der Hand der Geschichte in erschütternder Weise aus, wie später die christliche Kirche gegen die Juden nicht mehr von Liebe, sondern von Fanatismus erfüllt war, wie sogar die Bedrängung und die Vernichtung der Juden als ein Verdienst um die christliche Kirche galt, wie die Juden förmlich gezwungen wurden, nur den Geldgeschäften und dem Schacher sich zuzuwenden. Die Juden habe der Christ erst so gemacht, wie Shakespeare von seinem Kaufmann von Venedig und daß sie es sind, daran trage hauptsächlich ein zum Theil j sagt. Das zeige uns die Geschichte. Seit der Reformation auch jetzt noch in weiten Kreisen vorhandenes Gebrechen j habe sich allerdings das Loos der Juden fortgesetzt immer die Schuld: der Mangel des Gerechtigkeitssinnes, der Ge-! günstiger gestaltet. Das jüdische Volk hat sich trotz aller danke: Wir allein sind in dem Besitz der allein Rettung! ans den Ambos geführten Hammerschläge nicht gemindert, bringenden Wahrheit, und darum muß uns auch Alles gewährt( sondern ist stetig gewachsen. Es ist ihnen die bürgerliche werden und erlaubt sein, was zur Vorbereitung (Verbreitung?) j Gleichstellung geworden, sie sitzen in Parlamenten und Stadt- und Geltendmachung dieser Wahrheit nothwendig oder dienlich l Vertretungen, Israeliten sind fast zu allen Universitäten als ist. Die christliche Religion habe die wahre Gerechtigkeit zusammengefaßt in den Begriffen der Nächstenliebe nach dem Maße der Selbstliebe; aber in unabsehbarem Umfang ist dieses Machtgebot von Tausenden und aber Tausenden nicht verstanden und übertreten worden. Wie es in der Gegenwart Professoren zugclassen und die Zahl der zu ihnen sich drängenden Jugend wächst mit jedem Tage; die „Alliance israelite universelle" scheint fortdauernd an Einfluß zu gewinnen. Die alten Tugenden der Mäßigkeit und Enthaltsamkeit, wohlgeordnetes Familienleben, Pietät der Kinder damit steht, das zu sagen, sei nicht des Redners Aufgabe; gegen die Eltern, welche so viel dazu gethan haben, in den das aber sei nicht zu erkennen, daß eine Nation um so viel , schweren Zeiten des Mittelalters das jüdische Volk vor dem höher steht als Trägerin der Cultur, je größer in ihr die Untergang zu bewahren, sind auch jetzt noch nicht von dem Zahl der von dem wahren Gerechtigkeitsgefühl durchdrungenen! jüdischen Volk gewichen. Die Vermischung mit dem Christen- Personcn ist. Die Lebensfrage der nächsten vor uns liegen-! thum und der Uebertritt zu diesem find häufiger als früher den Zeit sei die: Wie das Christenthum sich zu den Judeni geworden. Diesen Lichtseiten stehen allerdings auch düstere stellen wird. Die älteste Kirche bleibe darin dem Wort und Schattenseiten gegenüber. Das Schlimmste, was hauptsäch- Beispiel ihres Meisters und der Lehre der Apostel getreu; sie lich Ursache des Volkshasses gegen sie bildet, ist unstreitig glaubt und lehrt hauptsächlich zwei Dinge: 1) Der Tod Jesu die Uebervortheilung der Landbevölkerung: die Verantwort - Chrisli, welchen die Häupter der Juden und ein kleiner Theil lichkeit auf Alle überzuwälzen, das wäre doch Unrecht, ihre-:- Volkes verschuldet haben, ist keineswegs eine aus der Dasselbe gilt von dem Gründerunwesen, bezüglich dessen