Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1881)
- Date
- 1881-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Iudmlhums. Ein »»Mrtciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscdeint wöckeiitlich. > Preis Vierteljährig Pinrk. Äbonne!! ment in DeursÄland (Postzeitungsliste > Nr. 92) und Oesterreich bei .-Ueii Post- > > ämtern, außerdem durch den Buchhandel. | Heransgegeben von ^rabdiner I>i. Ludwig Philipplon in ^onn. Expedilivn und Vertag: Zu redaeiioueUeu Niigeleueutiellen wende inu» sich an >>r. t! PlnIibU'vu in Bon» Street, ui allen übrigen an Sie Per>agsbuuSUl'-g. ^ieilageu ltsevutir l-M.> sind gieichsaUs an letztere ein zusende». Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. 45. Jahrgang. Leipzig, den Inhalt. Leitende Artikel: Tie Rede des Dr. van Töllinger. land: Berlin, Köln, Emden, Aus Pommern, Thorn, Snurgari. reich: Paris. — Spanien: Madrid. — Rußland: Petersburg, jCcil'cnOc CI: li I; c l. BonII, Z. August. Die Rede des Di\ von DöUinger. 1. Während man in Norddeutschland in gewissen Kreisen den Spruch zu hegen und zu bethätigen scheint: Apn-s n..u> le deluge, während man dort aus die Erregung der niedrigsten und wüstesten Leidenschaften speculirt, ohne zu bedenken, daß man schließlich des mächtig gewordenen Sturmes nicht Herr bleibt, folgt man in Süddeutschland anderen Pfaden, und glaubt in der ruhigen und stetigen Fortentwickelung die beste Gewähr für die Stärke und Größe des Reiches und Volkes zu haben. Daß der Antisemitismus in Berlin ein politisches Product ist, welches auf den Neid und die Äißgunst in gewissen Schichten rechnete, kann jetzt einem Zweifel nicht mehr unterworfen sein. Allein schon jetzt zeigt er sich ungeberdig und ungehorsam gegen seine Väter, und will für sich selbst ernten, was durch ihn gesät worden. Tie Conservativen hatten sich mit revolutionären Elementen vereinigt, und erleiden dafür die gerechte Strafe. Bon allem Diesem weißman in Süddeutschland nichts, und sieht mit einer gewissen Verwunderung auf die Convulsionen in der Hauptstadt des Deutschen Reiches. Allerdings fehlt es auch hier an ungünstiger Gesinnung betreffs der Inden nicht. Aber was fehlt, das sind die Stimulationen, die Aufreizungen und Unterstützungen aus den höheren Kreisen; vielmehr haben die süddeutschen Regierungen die Versuche, jene tumultuarische Bewegung auch nach Süddeutschland zu verpflanzen, nachdrücklich zurückgewiesen. Wie hier jenes norddeutsche August 1<S<S1. JVo. 32. I. — Literarischer Wochenbericht. — Zcitunqsnachrichtcn: T e u ts ch- — Holland: Amsterdam. Großbritannien: London. — Frank' Moskau. — Feuilleton: Eorreipondenz. Treiben angesehen und beurtheilt wird, dies hat vor wenigen Tagen — am 25. Juni zur Vorfeier des Geburts- und Namensfcstes des Königs von Bayern — in feierlicher öffentlicher Sitzung der Königl. Akademie der Wissenschaften der Präsident derselben. Reichsrath und Stiftsprobft l>r. von Döllingcr in einer Rede „Ueber die neuere Geschichte des jüdischen Volkes" ausgesprochen. Tie Bedeutitng dieser Rede ergiebt sich schon ans dem Orte und der Zeit, wo sie gehalten worden, sowie aus der Autorität des Redners. Tie Sitzung der Academic zum königlichen Geburtsfeste bedeutet die Bereinigung der höchsten wissenschaftlichen Instanz, die zugleich durch die Würde des Tages einen wahrhaft politischen Charakter angenommen. Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß Ur. von Töllinger einer der größten Gelehrten Deutschlands ist, auf dem Gebiete der Kirchengeschichte und des Kirchcnrechtes gegenwärtig die höchste Autorität, der seine Forschungen nach allen Theilen der Geschichte der Religionen ausgedehnt hat, ein strenggläubiger katholischer Theologe, der aber seit dem vatikanischen Concil mit dem Ultramontanis mus in Widerspruch gerathen ist. und in dem dadurch erstandenen Streite die Unabhängigkeit seines Geistes und die Festigkeit seines Charakters bewährt hat. Töllinger hat; niemals den Ruf eines Freundes der Juden gehabt. eher das Gegentheil, und um so leuchtender ist das Zcugniß, das er in dieser Rede von seiner Gerechtigkeitsliebe und Humanität, von der Unbefangenheit seines geschichtlichen Urtheils gegeben hat. In diesem Augenblicke liegt uns nur der Auszug vor, welchen die Augsburger „Allgemeine Zeitung" gebracht hat. Aber die Rede ist für uns ein Ereigniß, und so geben wir sofort den gedachten Auszug, uns 32