Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1881)
- Date
- 1881-08-02
- Page
- Seite 514 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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514 stantinopel eintreffen, um von dort nach Spanien zu gehen. Interessant dürfte es sein, zu erfahren, daß heute schon zwei jüdische Kolonien in Spanien existiren, und zwar in Madrid und Barcelona, da aber die Zahl ihrer Mitglieder noch sehr gering ist, so halten sie ihren Gottesdienst in einem Privatzimmer ab. Rußland. Petersburg, 18. Juli. Die Juden im Süden Rußlands sollen, wie die „Nowosti" mittheilen, die Absicht hegen, einen Emigrationsfonds zu gründen, um diejenigen jüdischen Familien zu unterstützen, welche ihren bisherigen Aufenthaltsort verlassen wollen. Die Regierung wird sodann ersucht werden, den Juden den Aufenthalt in allen Städten Rußlands zu gestatten, freilich nur in beschränktem Maße, indem nicht mehr als 10 Familien sich in einer und derselben Stadt niederlasien dürfen. Zugleich mit dem Emigrationsfonds ist auf Initiative des jüdischen Millionärs S. Poljakow ein landwirthschastlicher in Aussicht genommen. — Derselbe hat die gesetzliche Sanktton erhalten und beläuft sich gegenwärtig aus eine Biertelmillion Rubel. — Der Judenkrawall in Perejaslawl, über welchen neulich ein Telegramm berichtete, ist entstanden in Folge einer Verordnung des dorttgen Stadtamtes, wonach die nicht zur Stadt angeschriebenen Juden zur Auswanderung gezwungen werden sollten. Zwei Schänken wurden bei dem Aufruhr demolirt. Der Friedensrichter verurtheilte die Unruhestifter zu siebentägigem Arrest. — In Kiew wurde jüngst ein LieutenantNeminski, der Soldaten und Polizisten verhinderte, in der Bekämpfung des Tumultes vorzugehen, und sie sogar geschlagen hatte, nur — zum Ausschluß aus dem Dienste und :,j.x Jahr Festungshaft verurtheilt. — Bei den Plünderungen in Perejeslaw am Ilten Juli wurden 10 Juden schwer und über 200 leicht verletzt. Erst am 14ten kam der Gouverneur an, und ließ 60 Personen, natürlich darunter auch Juden, verhaften. — Die Sammlung der Alliance isr. univ. zum Besten der russischen Juden belief sich am 17. Juli auf 295.183 Frcs. Bonn, 24. Juli. (Notizen.) In Tarnow (Galizien) ist der ehrwürdige Kreisrabbiner Israel Rapaport verschieden, ein Mann von großer talmudischer Gelehrsamkeit, zugleich nicht ohne moderne Bildung, von echter Frömmigkeit und Menschenliebe, ein Mann des Friedens und der Duldsamkeit. Sein Tod ist ein großer Verlust für das galizische Judenthum, das so vielfach zerrüttet ist, ohne auf der einen oder der andern Seite etwas schaffen zu können. — Der verstorbene englische Künstler Solomon Hart hat den Israeliten von Polymouth ein Legat von 25,000 L. St. hinterlaffen. — In Amsterdam wurde der Grundstein zu einer neuen „Talmud-Thora" gelegt, für welche ein Herr I. I. Jacobson 50,000 fl. und seine Schwester Frau Lizmann P. Prins 5000 fl. gespendet haben. — In Philadelphia stand einer Mad. Marcus die Amputation ihrer Hand bevor. Am Tage der Operation kauften die Kinder der Dame ein großes Grundstück, auf welchem Herr und Madame Marcus ein israelitisches Asyl erbauen lasten wollen. Die Beiden haben die Absicht, sich im heiligen Lande beerdigen zu lasten und wurde deshalb die amputirte Hand in einem Koffer nach Jerusalem geschickt. — In Wien belief sich die Zahl der jüdischen Trauungen im Jahre 1880 auf 899 gleich 7,52 Procent (wahrend die Bevölkerungsziffer 10 Procent ausmacht; das jüdische Familienleben bewährt also auch hier seine Anziehungskraft). — Aus Wien wird geschrieben: Am 15. d. M. verschied Friedrich Freiherr Schey von Koromla, der Neffe des vor Kurzem zu Grabe getragenen Philipp von Schey, im Alter von 6,6 Jahren. Derselbe war nicht nur Industrieller und Finanzmann, er war auch Philantrop, Humanist in des Wortes edelster Bedeutung. Er war Begründer der Wiener Handels- , academie, und seinen Bemühungen ist es zu verdanken, daß dieser Anstalt, entgegen den Bemühungen des damaligen Unterrichtsministers Grafen Thun, der interconfessionelle Charatter erhalten wurde. Vielfach verdient machte er sich um das j Wiener Stadttheatcr, dessen Begründer und Mitleiter er war. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einem imposanten. Aeuilleton. Moses Mendelssohn und der Rector Damm. (Schluß.) Die Uebersetzung des Neuen Testamentes erschien und ihre Wirkung war die einer Bombe. Soweit die deutsche Zunge klang, erhoben sich die Orthodoxen dagegen mit dem ganzen Eifer ihres Glaubens und selbst die Gemäßigteren unter ihnen waren der Meinung, daß eine gleiche Ketzerei noch gar nicht dagewesen sei. Auch in Berlin hatte der ihm heftig und forderte offen das Verbot des Buches und die Absetzung des Herausgebers. Daß es weder zu dem Einen noch zu dem Anderen kam, hatte wohl nur darin seinen Grund, daß damals in Preußen ein König regierte, welcher Verfolgung in Religionssachen nicht duldete. Was im klebrigen geschehen konnte, den Berfaffer den Haß seiner Feinde fühlen zu lasten, das geschah. Man verdächtigte nicht allein sein Buch sondern auch seinen Charakter, aber, obwohl es ihm nicht gute Rector die meisten Geistlichen gegen sich, selbst Probst j verborgen blieb, welche Mittel seine Widersacher anwendeten, Süßmilch, der Ephorus des Köllnischen Gymnasiums, grollte ihn zu kränken, blieb seine Ruhe doch unerschüttert und es