Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1881)
- Date
- 1881-08-02
- Page
- Seite 512 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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512 Jude. Die medicinischc Facultät scheint zwar anderer Ansicht zu sein; denn alle ihre Mitglieder erklärten sofort, daß sie die Prorectorswürde nicht annähmen, sofern ihr Kollege Rosenthal übergangen würde; allein dies änderte an der Anschauung der Majorität nichts: dieselbe überging eben einfach die ganze medicinischc Facultät und wühlte als Prorector den k. o. Professor der Physik vr. Lommel aus der philosophischen Facultät (mit 26 gegen 15 Stimmen). Antisemiten sind wir zwar nicht, aber — sapienii sat.. Erlangen, 20. Juli (Privatinitth.) Für den hiesigen Reichstagswahlkreis hat sich der staatssocialistische Prof. Dr. Adolph Wagner aus Berlin, ein geborener Erlanger, innerhalb der Grenzen des im vorjährigen Budget uns hierzu bewilligten Betrages und insoweit es uns auch durch die stets opferbereite Theilnahme unserer hochgeehrten Mitglieder ermöglicht war, das Loos der vom Schicksal Verfolgten zu lindern und ihnen helfend beizustehen. Die Einnahmen be trugen 85,210 sl., die Ausgaben 88,470 sl. Der Ueberschuß von 1740 fl. und 2800 fl. Legate fielen dem Vermögen zu. Der Fonds des Siechenhauses betrug durch eine Vermehrung von 170.» fl. 47,235 fl. An Unterstützungen armer Kranken und sonstiger Armen, einschließlich der Bestellung von Krankenwärtern wurden im vorigen Jahre 25,882 fl. verausgabt. Tie größte Thätigkeit des Vereins wird durch als Candidat aufstcllcn lassen und hat hier eine Wahlrede die Todtenbestattung beansprucht. fanden 121)7 Sterbe gehalten. In Berlin ist derselbe von antisemitisch conservativer! fälle statt; in 569 derselben wurden die Leichenbestattungs- Seite ebenfalls aufgestellt. In seiner Rede versichert er, daß er gebühren bezahlt, 728 Verstorbene wurden auf Kosten der kein Antisemit sei und die Aenderung der Rechtsgleichheit aller Chewra gratis beerdigt, woraus der Kafie 6370 fl. Kosten Staatsbürger nicht befürworte. Wir nehmen hiervon Akt,! erwuchsen. - Ein solches, lediglich aus freiwilligen Gaben da die Antisemiten in Berlin so thun, als ob Prof. Wagner einer der Ihrigen und ein Gesinnungsgenosse Henrici's fei. Man erkennt hieraus den Unterschied zwischen Berlin und bestrittenes Wohlthätigkeitsinstitut bezeugt so recht thatsächlich, welche Höhe segensreicher Entwickelung das jüdische Armenwescn erreicht hat, ohne staatsgesetzlicheu Zwang und ohne dem übrigen deutschen Reiche. Tort läßt man sich zu den > Zwangsbesteuerung. Das Judenthum macht keine großen Antisemiten werfen, hier verleugnet man sie. Ueberhaupt ist i Phrasen von Liebe und Barmherzigkeit, aber übt sie in großem es charakteristisch, daß ein großer Theil der Conscrvativen,! Maßstabe. Möge diese edle Eigenthümlichkeit ihm stets verbleiben! Lemberg, im Juli. Der Lembcrger „Israelit" enthält einige interefiante statistische Angaben aus amtlichen Quellen, von denen wir folgende wiedergeben. „Werfen wir einen Blick auf den Richterstand, defien Funktionäre nicht durch allgemeine Wahl, sondern durch Ernennung in ihr Amt eingesetzt werden, so bieten sie uns folgende Proportionszifiern dar: je näher die Wahlen hcranrücken, sich von dem Antisemitismus entfernen, und dessen Ziele, wenigstens die extremen, nicht für die ihrigen erklären. Es versteht sich, daß man hierauf kein Gewicht legen darf. Denn sind die Herren erst gewählt, so geriren sie sich im Gefühle der Souveränität ganz anders. Oesterreich-Ungarn. Pest, im Juli. (Privatmitth.) Es hat gewiß Interesse, ein so großes Wohlthätigkeitsinstitut wie die „Pester Ehewrai Landesgerichtsräthe sind von 129 Kadischa" in ihren Leistungen und Verhältnissen zu verfolgen, Sekretariatsräthe I. Instanz und deshalb einige Angaben ans dem eben veröffentlichten i Kreisgerichtsadjunkte „ Bericht aus dem Jahre 1880, der, beiläufig bemerkt, in j Kreisgerichtsauskultanten deutscher und magyarischer Sprache abgefaßt ist, mitzutheilen.1 Kanzlisten der Kreisgerichte Ans der Einleitung heben wir die Bemerkung hervor: „Im! t>) Bezir klebrigen haben wir aus der Amtswirksamkeit im verflossenen Bezirksrichter unter 174 sind Jahre keine besondere Vorkommnisse zu verzeichnen. Es ging! Bezirksadjunkten 299 „ Alles seinen geregelten Gang, blos bezüglich der Unter-! Bezirkskanzlisten 256 „ id Kreisgerichte: 129 12 Juden — 9-3‘V« 14 1 „ — 1-1'Vo 106 10 „ — 9-4% 273 36 „ — 13-2«/0 129 13 „ — 10% ksgeri chte: 19 Juden — 11% 34 17 11 4 6-6 stützung armer Kranken und sonstiger Armen ist leider die j „Wie wir sehen, schwankt hier das Verhältniß zwischen traurige Wahrnehmung zu machen, daß, in Folge der anhal-; 6-6 Prozent >,Bezirkskanzlisteu) und 13'2 Prozent (Kreisgcreuden ungünstigen Erwerbsverhältuisse, bei einem bedeutenden richts Auskultanten). Im Durchschnitte aber sind in den Theile unserer israel. Bevölkerung die Verarmung, und in Landes- und Kreisgerichten I I Prozent, in den Bezirksgederen Gefolge Krankheit, Noth und Elend in steter Zunahme! richten 9'6 Prozent, zusammen aber 10'22 Prozent Juden, ist; in Anbetracht dieses Umstandes hat der Vorstand, im j „Wenn aber je ein Zeugniß für die Bildungsfähigkeit Bewußtsein der heiligen Ausgabe dieser Chewra-Kadischa, cs j der Juden in Galizien gesucht werden müßte, so könnten wir al« seine vorzüglichste Pflicht erkannt, die Stätten des Unglücks es sehr leicht herbeischaffen, wenn wir das Verhältniß der und des Elends aufzufuchen und durch Geldunterstützungeu,; Juden Galiziens zu den Christen in den Stellungen an-