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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-08-02 · Heft 31 (2.8.1881) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 31 (2.8.1881)
Date
1881-08-02
Page
Seite 508 (sequence 6)
Language
German
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508 deutschen Männer. Aber die „christliche Barmherzigkeit" gezeigt. Sie veröffentlichten in ihrer letzten Nummer unter und das Evangelium hält er hoch.! der Ueberschrift: „Ein liberaler österreichischer Minister" einen Und doch, wer sollte es glauben! Die edle Augs- Brief, welchen angeblich der frühere österreichische Justizburgerin geht noch darüber hinaus. Sie fügt hinzu: minister l>r. Glaser an seinen Vater geschrieben haben sollte. „Die von Herrn Stöcker hier aufgestellten Gegensätze stimmen Der Inhalt des Briefes war in kurzen Worten der, daß mit den Thatsachen bekanntlich nicht ganz überein, sie lasten sich aber als Mittel zur antisemitischen Agitation sehr gut verwerthen. Es würde der Forderung des Herrn Hofpredigers nur entsprechen, wenn die Regierung, dem aus St. Petersbürg berichteten Vorgehen russischer Behörden entsprechend, die Sammlungen zu Gunsten der bei den Excessen in Südrußland beschädigten Juden verbieten würde." Darüber ist! kaum ein Wort zu verlieren.! Berlin. 24. Juli. Dem Benehmen der Erlanger Pro- 1 fessoren gegenüber wird hervorgehoben, daß soeben die katho-; lischen Professoren der Akademie zu Münster einen Pro-! testanten zum Rector gewählt haben — was freilich von der ultramontanen Preffe sehr übel ausgenommen worden. — , Im conservativen Bürgerverein der Oranienburger Borstadt hielt am Dienstag Abend der bekannte Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amte, Herr Julius Schulze einen natürlich mit Beifall ausgenommen Bortrag. An denselben reihte sich die Beantwortung der aus der Versammlung hcrausgestellten Frage: „Weshalb stellt sich Dr. Henrici der conservativen Bewegung jetzt so gehässig gegenüber?" Herr Schulze beantwortete diese Frage unter Zustimmung der Versammlung dahin, daß „Dr. Henrici's Verhalten von seinen egoistischen Absichten geleitet werde. Zudem habe die ungewohnte Stellung in der Oeffentlichkeit dazu beigetragen, daß er den Kopf verlor. Wer die Persönlichkeit kenne, habe von vorn herein für ihr Gleichgewicht fürchten wüsten. Möglich sei es, daß Herr Dr. Henrici noch einmal eine ganz brauchbare Kraft werde, aber dazu müsse er erst noch viel lernen, vor allem jene Unterordnung, ohne welche ein gedeihliches Zusammenwirken weder im Staat noch im Partcileben denkbar sei. Wenn man einige beifällig aufgenommene Reden gehalten habe, sei man noch keine politische Person, jedenfalls könne man dann noch nicht immer eine lebensfähige Partei bilden. Hoffentlich werde Herr Dr. Henrici bei der Wahl doch zur conservativey Sache halten." (Wir wüßten allerdings auch nicht bei welcher anderen Partei ein Mann von den Qualitäten des Herrn Dr. Henrici ein Unterkommen finden könnte.) Leipzig, 21. Juli. zPrivatmitth.) Bekanntlich macht die Wochenschrift „Grenzboten" unter ihrer gegenwärtigen Redaction (W. Busch) gewaltig in Antisemitismus. Was den Anhängern dieser ganzen Jndenhetze die Wahrheit gilt, mit welcher bodenlosen Unsittlichkeit sie vielmehr kein Mittel scheuen, um das Publikum zu täuschen und sich geltend zu machen, das haben die „Grenzboten" in diesen Tagen wieder Glaser, sich und seinen Collegen Unger als Vertreter der Alliance Jsra^lite darstellend, es als seine Aufgabe bezeichnet, den alten österreichischen Adel zu beseitigen und sich selbst oder seinen Vater adeln zu lassen, um den „wahrhaft neuen und rcgenerirten Adel aus dem jüdischen Volke" zur Herrschaft zu verhelfen. Glaser und Unger sind jüdischer Abstammung und daher den „Grenzboten" schon deshalb verhaßt; außerdem sind sie die Repräsentanten des österreichischen Liberalismus und daher auf alle mögliche Weise anzugrcifen. Nun müssen doch die ..Grenzboten" wisten, daß dieser Brief bereits im Jahre 1872 publicirt und sofort als Fälschung erklärt, daß der Redacteur des mittlerweile cingegangenen „Wanderer" schon in demselben Jahre des Briefes halber wegen Verläumdung gerichtlich verurtheilt worden ist. Von Dr. Glaser sowohl wie von Dr. Unger ist es bekannt. 1>aß sie von der Berechtigung, welche sie durch die ihnen verliehenen Orden besitzen, die „Erhebung in den Adelstand" beanspruchen zu können, bisher keinen Gebrauch gemacht haben. Was machen sicb aber die „Grenzbotcn" aus den längst geführten Beweisen, daß cs sich hier nur um eine plumpe lügnerische Erfindung handelt? Sie bringen das Machwerk ins Gesccht und rechnen auf eine augenblickliche Wirkung, bis das Dementi hinterdrein kommt. Allein hier galt es nicht, eine solche Fälschung mit scheinbarer bona fide auftischen, sondern eine längst widerlegte Lüge noch einmal Vorbringen und das ist jedenfalls noch ärger! Ist cs nicht tief betrübend, daß solche Leute sich den Anschein geben dürfen, als ob sic der deutschen Regierung naheständen?! Uebriaens hat Dr. Glaser sich über diese vcrläumderischen Machinationen, die er so oft mit der Verachtung des Stillschweigens behandelte, in einem Schreiben an die Presse ausgesprochen. Jena, 17. Juli. Privatmitth.) Auch vom ganzen Weimarischen und Gothaischen Lande hat Stöcker mit feinen Wühlereien und Hetzereien ein sehr zu beachtendes Dementi erhalten. Es betrifft dies allerdings nicht die judenfeindlichen Anstiftungen des genannten Hofpredigers, sondern seine kirchlichen. Da er selbst aber beide identifizirt, das Heil der Kirche nur in der Verfolgung der Juden sieht und aus dieser das deutsche Christenthum frisch erblühen läßt, so mögen wir wohl auch an dieser Stelle auf die vorliegende Thatsache aufmerksam machen. Stöckerhatte in der „Thüringischkirchlichen Conferenz" vom 3. Mai d. I. die theologische Facultät zu Jena wegen ihrer wissenschaftlich kritischen Richtung heftig angegriffen und erklärt, daß sie für das kirchliche Amt nur eine unzureichende Vorbereitung gewähreu

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