Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1881)
- Date
- 1881-07-26
- Page
- Seite 498 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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498 lassung nehmen werden, sich hierüber auszusprechen. Wenn | uns die Bibel von Frauen erzählt, welche die höchste Stufe! menschlicher Vollkommenheit, die Prophetie, erlangt haben, I wenn uns die Geschichte Frauen vorsührt wie eine Rahel, die Frau des R. Akiba, eine Berurjah, die Frau des R. Meir,! die als Gelehrte bezeichnet wird, wie sollte es da verwerflich ' sein, wenn wir unsere weibliche Jugend aus dem ältesten und■ besten Segensquell dem Chumesch schöpfen und sich laben lassen? Redner hält es sogar für geboten, namentlich für die! Gegenwart, daß die Mädchen Chumesch lernen. Es sei eine | nicht zu bestreitende Thatsache, daß in unserer Mitte in dem^ religiösen Leben eine arge Erschlaffung Platz gegriffen habe. Wenn dieser Schaden nicht fort und fort zunehmen soll, muß man auf Mittel zu dessen Heilung sinnen. Das erste und wirksamste Mittel sei ein gediegener Religionsunterricht. Es ist zunächst Sache der Schule, der ihr anvertrauten Jugend ohne Unterschied des Geschlechts das größtmöglichste Maß von religiösem Wissen für das Leben mitzugeben. Diese Ausgabe vermag die Schule allein nicht zu erfüllen und müssen hier Schule und Haus Hand in Hand gehen. Ta muß die jüdische Mutter unsere Bundesgenossin werden. Soll j uns diese aber in der religiösen Erziehung im Unterweisen in! den Religionswissenschaften zur Seite stehen, so muß sie hierzu : fähig gemacht werden. Daher sei es ein Gebot der Zeit, > daß unsere Mädchen in allen Fächern unterrichtet werden,! die für die Kenntniß der Religion nöthig sind, damit sie , später ihre Kinder überwachen, namentlich aber Herz und ■ Sinn dafür gewinnen.! Aber auch vom pädagogischen Standpunkte aus be-' trachtet, empfehle es sich, die Mädchen am Chumeschübersetzen! partcipiren zu lassen. Wenn die Mädchen beim Beginne; der Chumesch-Stunde Weggehen, murren die Knaben, bafe | sie länger bleiben müssen; es entsteht Unlust, die lähmend ' wirke. Auch würde da, wo die Knaben nur Chumesch übersetzen, eine Ungleichheit des Wissens zwischen diesen und den Mädchen herbeigeführt. Und lernen die Mädchen nicht Französisch, Englisch, Physik, Literatur! ja Literatur. Warum sollen sie denn nicht auch ein wenig hebr. Literatur lernen? Ist diese etwa weniger geeignet, den Geist zu bilden, Herz und Gemüth zu veredlen? Diesen Punkt wolle Redner nur flüchtig berühren, um anzudeuten, daß Mädchen, die in der Rcligiousschule allein unterrichtet werden, wohl auch im Pentateuch zu unterrichten seien. Er wolle sich freuen, wenn die Versammlung sich veranlaßt sehe, dieselbe einer gründlichen Erörterung zu unterziehen. - - Hieran knüpfte sich eine lebhafte Debatte. Her Dr. Guttmann hebt hervor, daß in Hildeshcim seit 8 Jahren die Folgen beachtet wurden, und als heilsam erkannt werden müssen. In Hildesheim habe der sel. Dr. Landsberg schon eingeführt, daß die Mädchen Chumesch lernen. Namentlich sei ein Grund ausschlaggebend, daß auch die Mädchen jüd. Literatur lernen. Dann würde auch den Toravorlesungen nicht die nöthige Aufmerksamkeit geschenkt, weil die Schuljugend nicht genug Chumesch lerne. Herr Dr. Meyer erwähnt, daß ihn namentlich eins als packend in der Rede zugesagt, nämlich, auf die Mütter rechnen und sie zu gewinnen suchen. Jedenfalls müsse der Pentateuch beschnitten den Kindern in die Hand gegeben werden. Das Resultat der Debatte war, daß beregte Frage weiterer Erwägung Vorbehalten bleiben solle. Es folgte nun freie Besprechung, in welcher zunächst verschiedene neue Werke, die im Laufe des Jahres erschienen, zur Ansicht und Besprechung vorgelegt wurden. 1) Agende vom Prediger Wolf in Rostock; 2) Schire beth Jaäcob von L. Liebling und B. Jacobsohn. Fauerbach-Hildesheim und Katz-Münden sollen über dieses Buch später referiren. 3) Neue Orthographie von Dr. H. Duden; 4) Sondheimer geschichtlicher Religionsunterricht; ö) Bibl. Geschichte von Dr. Veilchenfeld-Schwerin; 6) verschiedene Hilssbücher zum Uebersetzen des Pentateuch und der Defilloh von 2. Wiesen in Osterode; 7) die Reise durch Europa, ein geographisches Gedicht und die gleich und ähnlichlautenden Wörter der deutschen Sprache von I. Gossel in Camen. Als Vorort für die nächstjährige Conferenz wurde Hildesheim gewählt und der zweite Psingsttag den 29. Mai 1882 festgesetzt. Borträge für die Versammlung übernahmen: Herr Oberlehrer Baßfreund-Hannover. Bogelsdorff-Dransfeld und Horwitz-Wunstorf. Schließlich wurde dem Vorsitzenden durch Erheben von den Plätzen für sein Bemühen der Dank der Versammlung abgestattet. Auf ein frohes Wiedersehen in Hildesheim! N. H. Katz, Schriftführer. Moses Mendelssohn und der Nector Damm. In seiner verdienstvollen Biographie Mendelssohns (Leipzig 1862) erwähnt Kayserling (S. 68), daß, angeregt durch Nieolai. Mendelssohn mit diesem bei dem „unglücklichen Rector Tamm" Griechisch lernten. Das Nähere hierüber, sowie andere Beziehungen, in welche Mendelssohn mit diesem Rector Damm kam, schildert in der Sonntagsbeilage zu „Boss. Ztg." vom 29. Mai Herr G. Walkewitz und geben wir diese interessante Darstellung, mit Auslassung der uns hier weniger berührenden Stellen, wieder. Es war in den letzten Tagen des Jahres 176b, als man einen ehrwürdigen alten Herrn, dem Anscheine nach einen Gelehrten, der Breiten Straße zustrebend, langsamen Schrittes über den Berliner Schloßplatz gehen sah. Ihm entgegen kam ein wohlgekleideter älterer Mann, seinem Aeußeren nach dem Handwerkerslande angehörig, der, sobald