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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-26 · Heft 30 (26.7.1881) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 30 (26.7.1881)
Date
1881-07-26
Page
Seite 497 (sequence 11)
Language
German
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497 Elementarals Religionslehrer zu sein. Bei Anführung das Kind disciplinirt, d. h. an strenge Ordnung und Kuchr der Schwierigkeiten habe aber der Herr Vorredner einen Punkt vergessen. Wie, wenn der fleißigste, begabteste treueste Lehrer sich die größtmöglichste Mühe giebt, aber die Eltern selbst dem Lehrer entgegentreten und glauben, der Lehrer könne bei 2 Stunden Unterricht in der Woche das genügende Quantum jüd. Wissens beibringen? Wenn der Lehrer trotz seines Strebens nicht erreicht, was erreicht hätte werden sollen und wofür er seinen letzten Blutstropfen opfern würde! — Der Schulvorstand muß zeitweilig die Schule besuchen. Dann mögen die Herren Rabbinen vom Schulvorstände ein halbjähriges Zeugniß von den Religionsschülern verlangen und denselben veranlassen, die Absentenliste vom Lehrer einzufordern und zur Bestrafung unentschuldbarer Schulvcrsäumnisse schreiten lassen. Ferner sei der Besuch des Gottesdienstes für Knaben so viel als möglich anzustreben und möchten die Herren Rabbinen dies möglichst zu erwirken suchen. Herr Pr. Meyer dankt ebenfalls dem Herrn Pr. Guttmann für die geistvolle Arbeit, erkennt die Schwierigkeiten der Religionsschule an, bedauert überhaupt, daß es geduldet wird, daß die jüdischen Elementarschulen immer mehr schwinden. Eine Hauptschwierigkeit liege auch darin, daß Schule und Haus nicht Hand in Hand gehen, sondern das Haus der Schule oft hemmend und störend entgegentrete — es fehle die Gottesfurcht. — Ter Lehrer darf indeß nicht zu streng in der Schule sein, er suche vielmehr das Kind für den Unterricht zu gewinnen. Herr Dr. Guttmann: Um Mißverständnissen vorzubeugen, bemerkt Redner, daß er in seinem Vortrage nicht Strenge in der Schule verlange, sondern Strenge in Erhaltung der äußern Ordnung. Diese erspart dem Lehrer die Strenge in der Schule. Der Lehrer hat das Gcgentheil nicht zu begünstigen. Herr Pr. Kaiferling eifert dagegen, daß neben der Religionsschule noch Privatunterricht ertbeilt wird, wodurch die Religionsschüler der Schule entzogen werden. Redner wünscht auch Verbesserung des Eonfirmandenunterrichts. Dieselben müßten ein gewisses Quantum jüdischen Wissens besitzen. Hierauf hielt Blnmenfeld-Adelebsen einen Vortrag: Von der sittlichen Bedeutung der Schule, ihrem Verhältnisse zur Familie und dem Lehrer als Vermittler dieses Verhältnisses. In dem Bortrage wurde hervorgehoben, daß dje Schule eine durch den Zweck des Unterrichts und der sittlichen Erziehung organisirte Gemeinschaft sei, welche die wahre Sittlichkeit zum Fundament haben müsse, damit die Schule ein sittliches Gemeinleben werde. Tie sittliche Bedeutung der Schule bestehe darin, daß in ihr das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Menschen erweckt und gestärkt und zum lebendigen Bewußtsein gebracht werde. In der Schule muß gewöhnt werden. In der Schule muß das Kind moralifirt werden, d. h. solche Gesinnungen bekommen, die das Gute wollen und zu sittlichen Handlungen treiben. In der Schule müsse das Kind denken lernen, damit cs befähigt werde, die erworbenen Kenntnisse und Geschicklichkeiten zu guten Zwecken zu verwenden. Der Werth und die Leistungen einer Schule seien nicht allein nach der Masse des gelernten Stoffes, sondern auch darnach zu bemessen, in wie weit sie sittlich, weise und die Jugend zu sittlich gutem Glauben der Menschheit erziehe. Dieses erhabene Ziel könne aber nur dann wahrhaft erreicht werden, wenn auch das Elternhaus zu wahrer Sittlichkeit erziehe, da der innere sittliche Werth der Schule ersahrungsmäßig abhängig sei von dem Zustande, in welchem ihr die blinder zugeführt werden und von dem Geiste, der im Elternhause walte. Schule und .Haus feien nicht als abstrakter Gegensatz auseinander zu halten, vielmehr müßten beide im stetem Einklänge stehen, was aber nur dann möglich sei, wenn beide Lebenskreise die sittliche Ideen zum Mittelpunkt hätten. Wolle die Schule sittlich lvirkeu und ihr Ziel erreichen, so müsse aber vor allen Dingen der Lehrer den Zweck derselben selbst lebendig in sich tragen, selbst von sittlichem Geiste durchdrungen und seine Schule ein Vorbild der wahren Sittlichkeit sein. Hiermit schloß die Vormittagssitzung; Beginn der Nachmittagssitzung Ö Uhr. Fauerbach Hildesheim eröffnet die Sitzung mit einem Vorträge über Ertheilung des Unterrichts im Pentateuch auch für Mädchen. Redner habe sich schon in der vorjährigen Versammlung über die Wichtigkeit des Unterrichts im Hebräischen für die religiöse Ausbildung unserer Jugend ausgesprochen und namentlich das Uebersetzen des Pentateuchs refp. die Bibel als die beste Grundlage für die Religivuskenutniß hingestellt. Umsomehr sei zu bewundern, daß man noch immer fast überall in jüd. Schulen die Mädchen von diesem Unterricht fern hält, während man doch in jeder andern Beziehung ihrer Ausbildung die größte Ausdehnung zu geben sucht. Es sei daher zeitgemäß, der Frage näher zu treten, ob es sich nicht empfehle, auch Mädchen am Uebersetzen des Pentateuchs theilnehmen zu lassen Redner spricht von der Erziehung der weiblichen Jugend in früherer Zeit; unser Jahrhundert habe hierin Wandel geschaffen und werden in allen Volksschulen Knaben und Mädchen in gleichem Maße unterrichtet. Auch in jüdischen Schulen nehmen die Mädchen an allen Unterrichtsfächern theil, nur vom Chumeschüberfctzen sind sie ausgeschlossen. Ter Talmud sage zwar: Wer die Tochter Tora lehrt, so ist es, als lehre er sie -Unzucht. Redner glaubt, daß der Ansspruch keine Anwendung aus die Gegenwart beanspruchen kann und hofft, daß die anwesenden Herren Rabbinen Verau- 30*

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