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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-26 · Heft 30 (26.7.1881) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 30 (26.7.1881)
Date
1881-07-26
Page
Seite 496 (sequence 10)
Language
German
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496 Unterstützung bieten hierzu gewisse deutsche Blätter. So ist, es der ff Corresp. der „Cöln. Zeitung" aus Moskau, der diese Schuld der Juden direkt und indirekt ausposaunt.! Nachdem er früher schon ein dunkles Bild entworfen hat, versucht er es diesmal aus indirektem Wege (vom 1. Juli.l „Es kann nur als ein erfreuliches Zeichen betrachtet werden, daß sich gegenwärtig, wahrscheinlich durch die stattgehabten Verfolgungen angeregt, unter den Juden in Rußland eine Bewegung kundgiebt, welche die sittliche Reform des Judenthums auf ihre Fahne geschrieben hat und sich der Erkenntnis; nicht verschlieft, daß die Abneigung des Volkes gegen die Juden zum Theil von den letztern selbst verschuldet ist. Tie Bewegung erstreckt sich über einen großen Theil des südlichen Rußlands; ihre Anhänger legen sich den Namen „Biblische Bruderschaft" bei. Ein Mitglied dieser Vereinigung schreibt in einem Briese an die Zeitung Juschni Krai über die Ursache der feindlichen Trimmung gegen die Juden folgendermaßen: „Unsere Geldgier, Unersättlichkeit, Unverschämtheit und Verschlagenheit, unsere sklavische, einfältige Nachahmungssncht, es dem russischen reichen Adel gleichzuthun, unser Wucher- und Schacherwesen bringen das russische Volk gegen uns auf, erregen den Haß der Kaufmannschaft und die Verachtung des Adels. Es giebt allerdings auch achtbare Leute unter uns, aber sie verschwinden in der Maße derjenigen, welche Tag und Tracht nur an ihren Gewinn denken und kein anderes Interesse im Leben haben." Der Schreiber fordert dann die Juden auf, sich der Biblischen Bruderschaft anzuschließen und sagt: „Brüder erwacht! Dient eurem Volke! Werft den Jahrhunderte alten Schmutz von euch! Laßt uns aus der belebenden Quelle der Gegenwart schöpfen und laßt uns frische, gesunde, moralisch blühende Menschen werden! Gebt eurem Volke das, was das Leben, die Zeit, die Wissenschaft und Menschenpslicht fordern, feste moralische Ueberzeugungen, und ihr werdet es in den Augen seiner Nächsten erheben!" Jedermann sieht auf's leichteste, daß dies nur ein Manocuver eines verkappten Judenfeindes ist, das Schreiben wie die Existenz einer solchen „Brüderschaft", und daß sich der Eorresp. dasselbe hat gern aufbinden lassen, weil es ihm entspricht. — Tic russische Regierung hat die Sammlungen für die verunglückten Juden innerhalb des russischen Reiches untersagt. — Petersburg, 14. Juli. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Poltawa vom 13. d. ist es in Perejaslaw zu Ausschreitungen gegen die Juden gekommen. 00 Pesonen wurden verhaftet. Bonn, 17. Juli. (Notizen.1 Die „K. Z." schreibt: Der von uns verschiedentlich erwähnte Verein zur Unterhaltung eines jüdischen Lehrer-Seminars hier hat durch den vor einigen Wochen erfolgten Tod seines Vorsitzenden, des Herrn Isaak Frank hier, einen begeisterten Förderer seiner humanen Zwecke verloren. Tie Wittwe des Verstorbenen hat zum Andenken an ihren Gatten dem Verein eine Schenkung von 3000 M. zngewandt. Keuil Eorrespondenz. Versammlung israelitischer Lehrer der Provinz Hannover am Juni in Hannover. (Schluß.) Tie diseiplinarischen Strafmittel betreffend, bemerkt Redner, daß körperliche Züchtigung beim Religionsunterricht noch mehr als bei jedem andern so viel als möglich zu vermeiden sei. Tie religiöse Weihe, mit welcher der Religionsunterricht erthcilt werden soll, muß unter allen Umständen Schaden leiden, wenn der Lehrer erst zu diesem Mittel greise. Auch das Nachsitzen sei in der Religionsschule mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft, weil es hierzu an einer passenden Zeit fehle. Umsomehr werde der Lehrer bestrebt sein müssen, durch Ernst diseiplinarischen Vergehen vorzubengcn und den Unterricht so einzurichten, daß er nur selten zu strafen gezwungen ist. Er wird in den häuslichen Ausgaben für die Religivnsschule Maaß halten, aber auch in dieser Beziehung streng daraus achten, daß er nicht durch Lauheit und Nachlässigkeit die Autorität der Schule schädige. le t o n. Bor allem aber müsse cs der Lehrer verstehen, durch die Art seines Unterrichts den Kindern Achtung und Ehrfurcht vor seiner Persönlichkeit eiuzuslößen. Die Kinder müssen sehen, daß es ihm selber heiliger Ernst ist mit seiner Ausgabe, dann rverdcn sie auch seiner Autorität sich willig beugen. Ter Unterricht muß frisch, wirksam und anregend sein, er muß durchhaucht sein von dem Geiste religiöser Weihe, daun wird er auch seines Eindrucks aus das kindliche Gemüth nicht verfehlen. Wenn es irgend einen Unterricht giebt, der nicht schablonenhaft ertheilt werden darf, sondern auf das Herz des Kindes wirken muß, so ist es der Unterricht in den Wahrheiten des Glaubens. Der Lehrer muß vor das Kind hintreten mit dem Bewußtsein, daß er hier die Saat für die Ewigkeit ausstreue; ein Unterricht von diesem Geiste erfüllt, wird auch die größte Schwierigkeit zu überwinden im Stande sein. Lehrer Rosenbaum-Hameln nimmt Veranlassung, dem Herrn Vorredner für seine gediegene Arbeit den Dank der Versammlung ausznsprechen. Er sei Lehrer einer Religionsschule seit 19 Jahren, er habe gefunden, daß es leichter sei.

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