Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1881)
- Date
- 1881-07-26
- Page
- Seite 495 (sequence 9)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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495 — 150 Francs verausgabt. Dagegen stiegen die Bureaukosten der Kaffe zu der verhältnißmäßig enormen Höhe von 12,000 Francs per Jahr. — Das französische Nationalsest vom 14. Juli (die Erstürmung der Bastille) fällt dieses Jahr auf den 17. Tamus. Das .Univers“ räth den gläubigen Israeliten, am Tage zu fasten und der Trauer Raum zu geben, am Abend das Fest zu feiern, zu illuminiren u. s. w. Großbritannien. London, im Juli. (Privatmitth.) Die Associaction“ hat ihren zehnten Jahresbericht ausgegeben! (1880/81). Er stellt zuerst summarisch die Leistung des! Vereines zusammen, die sich besonders in Persien auf Chios, in Alexandrien und in Marokko bewährten. Hinsichtlich der Schulen bemühte sich der Verein besonders in Constantinopel, Salonichi, Smyrna und Tunis, so wie um eine Waisenschule in Jerusalem, endlich um Gründung einer Schule in Damaskus und in Bombay. Ter Verein hatte bis 1878 24 Zweigvereine, außer in England solche in Canada, Jamaica und Australien. Im lausenden Jahre entstanden vier neue, von denen der wichtigste Bombay zu werden verspricht. Jntereffant sind (p. 23 ff.) die Verhandlungen im englischen llnterhause in Bezug auf Rußland, angeregt von H. de Worms und beantwortet von Tilke, so wie die Deputation bei dem Earl Granvilte, die Ansprachen desselben und die Antwort des Ministers. Nicht minder ziehen die Schriftstücke betreffs Marokko (p. 42 ff.) die Aufmerksamkeit aus sich. Wenn alle diese Bestrebungen nicht diejenigen Erfolge erzielten, die zu wünschen wären, so sind sie nicht weniger dankbar anzuerkennen und schon ihre Existenz ist tröstlich und erfreulich. Einige Anhänge enthalten interessante Mittheilungen, aus welchen wir Einiges hervorheben werden. Spanien. Madrid, 27. Juni. Meldung der „Pol. Korr.": Das Projekt, die aus Rußland auswandernden Juden in Spanien anzusiedeln, hat die Aufmerksamkeit der spanischen Regierung neuerdings auf den Artikel 11 der spanischen Verfassung gelenkt, welcher den Heterodoxen, das ist Nichtkatholiken, die öffentliche Ausübung ihres Kultus in Spanien untersagt. Diese Gesetzbestimmung scheint sich nämlich als ein schwer zu überwindendes Hinderniß für die Niederlassung der emigrirten Juden Herausstellen zu wollen, da letztere den Anspruch auf offene Ausübung ihres Kultus kaum aufzugeben geneigt sein dürften. Das Cabinet beabsichtigt in Folge deffen, den nächsten Cortes eine Aenderung des in Rede stehenden Gesetz-Artikels vorzuschlagen und dürste sich bei der Motivirung ihres Antrages der erwähnten Schwierigkeiten als eines ebenso aktuellen als schwer wiegenden Argumentes bedienen. Es ist übrigens nicht richtig, daß das Ancrbieieu des Cabinets Sagasta an die aus Rußland flüchtigen Juden in der neueren Geschichte Spaniens ohne Präzedenzfall dastehe; im Jahre 1869 bot die spanische Regierung auch den in Marocco angesiedelten Juden, die daselbst die Zielscheibe unerhörter Verfolgungen seitens der Mohamedaner waren, die Rückkehr nach Spanien an. Allerdings haben kaum zwanzig Familien von dieser Einladung Gebrauch gemacht, indem der obenerwähnte Artikel 11 einer Masscneinwanderung auch damals im Wege stand, welcher die öffentliche Ausübung aller Kulte außer den römisch-katholischen verbietet. Heber- Haupt wird wohl das mit so vielem Geräusch aufgetretene Projekt bald wieder aus der Tesfentlichkeit verschwinden. Rußland. Aus Rußland, im Juli. So viel auch ans Rußland geschrieben, oder vielmehr in den Zeitungen geschrieben wird, j so wenig Gewisses weiß man ans diesem ungeheuren Lande.! theils weil dort selbst Niemand etwas Sicheres weiß, theils weil cs nicht gesagt werden darf. So viel ist gewiß, daß sehr viele Juden, natürlich am meisten die begüterten, Rußland verlassen, was jedoch den Zustand der Zurnckbleibenden nur verschlimmert. Ein Corresp. der „Köln. Zeitung" ans Moskau schreibt darüber vom 3. Juli: „Die Auswanderung der Inden aus Rußland nimmt in großartigem Maßstabe zu; die Passagierzüge nach der deutschen Grenze sind von Juden überfüllt, welche nach Amerika auswandern, wo, wie es heißt, mehrere Colonieen für russische Juden gegründet werden sollen. Tie Regierung setzt der Auswanderung kein Hinderniß entgegen, sondern erleichtert dieselbe. Sb die Judenfrage an und für sich durch die massenhafte Auswanderung aus den südwestlichen Provinzen als gelöst zu betrachten ist. dürfte bezweifelt werden, denn nur die wohlhabenden Juden wandern ans, die über wiegende Mehrzahl der ärmeren bleibt jedoch zurück. Die infolge der letzten Verfügung aus Kiew ansgewiesenen Juden haben sich mit dem Gesuch um eine kurze Frist nach Petersburg gewandt, um ihre Angelegenheiten zu ordnen. Ihr Gesuch hat jedoch keine Berücksichtigung gesunden. Tie Verfügung über den Aufenthalt der Inden in Kiew soll über alle größeren Städte des Reiches ausgedehnt werden." Dies erscheint daher als das zweite Gewisse, daß die russische Regierung die Juden aus den südwestlichen Provinzen! hinausdrängt, wohin? Statt der allgemeinen Freizügigkeit, die allein helfen könnte, und die man erhoffte, wieder ein; Zusammenpfercher in die alten engen Distrikte! Tabei sucht man vor Allem alle Schuld auf die Juden zu wälzen, und! wenn man die Plünderer und Mißhändler materiell straft,! müht man sich, sie intellektuell frei zu sprechen. Tics sind! traurige Aussichten, entspricht aber dem unveränderten System. 30