Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1881)
- Date
- 1881-07-26
- Page
- Seite 494 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227339-3227370--39136-3308423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
höheren und niederen Schulanstalten"; Ref. Rabb., i Di'. Caro-Erfurt. Sämmtliche Referate waren wissenschaftlich begründet; und kamen klar und verständlich zum Vortrag. Sie gaben! auch alle Anlaßzu interessanten Debatten. Ter Vortrag des! Herrn Prediger Fackenheim-Mühlhausen beschäftigte sich Hauptj sächlich mit der praktischen Seite der Frage, und wenn der-! selbe auch der Civiltrauung die volle Berechtigung zuer- : kannte, so wollte er doch die religiöse Trauung dadurch in > keiner Weise beeinträchtigt sehen. Er hob vielmehr hervor, daß gerade die Gegenwart eine weihevolle, feierliche, religiöse Trauung erheische. Der Vortrag fand ungetheilten Beifall der ganzen Versammlung. Da sämmtliche Vorträge voraussichtlich in Fachblättern veröffentlicht werden, so kann hier davon Abstand genommen werden. Der Bortrag des Herrn Rabb. Di-, Caro-Erfurt über „Entwurf und Begründung eines Normalplanes für den jüdischen Religionsunterricht" wird auf Kosten des Gemeindebundes gedruckt und zur Bertheilung an Fachmänner zwecks einer Berathung und Feststellung gebracht werden. Möge der Geist, welcher sich in dem Verein bisher gezeigt, wachsen und gedeihen und immer mehr Gutes schaffen zum Wohle der israelitischen Gemeinden und Schulen. Das walte Gott! Mannheim, im Juli. Bei den Stadtverordnetenwahlen der 2. Claffe hat der conservative deutsche Reformverein alle liberalen Israeliten in seiner Liste gestrichen, und lieber Demokraten angenommen, die dann auch durch die Vereinigung der Conservativen und Demokraten gewählt wurden, während an sich die liberale Partei unter den drei Parteien die stärkste war. Greifswald, 9. Juli. Dem hier kürzlich entstandenen antisemitischen Verein deutscher Studenten hat Fürst Bismarck nachstehende telegraphische Antwort zugehen lassen: „Kissingen, Saline. Für den freundlichen Gruß danke ich herzlich und freue mich der Gesinnung, des Strebens für Kaiser und Reich, v. Bismarck." Zoppot, 10. Juli. In unserem Badeorte haben sich T>0 jüdische Familien aus Rußland angemeldet. Diese Leute gedenken, den Sommer über in dem schönen Badeorte zu verbleiben und dann ihre Reise weiter fortzusetzen. Oesterreich-Ungarn. Pest, 6. Juli. Ueber den ungarischen Antisemiten- Apostel, den Abgeordneten Jstoczy wissen hiesige Blätter Folgendes zu erzählen: Der Pächter auf der Besitzung Jstoczy's in Rum, ein Jude, hatte bei der Abgeordnetenwahl für seinen Grundherrn gestimmt. Aus Dankbarkeit hierfür gab nun Jstoczy seinem Pächter das Ehrenwort, daß er ihn begnadigen werde und daß er auch dann noch ruhig in Num verde verbleiben dürfen, wenn er die Vertreibung der Juden aach Palästina durchgesetzt haben werde. Der also belohnte Pächter kann nun in aller GemüthSruhe dem Tage entgegensehen, an welchem feine Glaubensgenossen das gelobte Land aussuchcn werden. Nicht so großmüthig verfuhr Jstoczy gegen einen andern Israeliten Namens Arnstein. Dieser hatte sich einige Tage vor der Wahl geäußert, daß er nicht für Jstoczy stimmen werde, da er ein Mensch sei, der den Haß gegen eine ganze gesetzlich tolerirte Erlasse von Staatsbürgern schüre. Jstoczy klagte Arnstein am ->0. v. 9)?. beim Vasvarer Bezirksgerichte wegen Ehrenbeleidigung an, und schon am 23., also nach kaum drei Tagen und mit einer in der ungarischen Justizpflege geradezu unerhörten Schnelligkeit wurde Arnstein zu einer (Geldstrafe von 100 Fl. vcrurtheilt, weil er ein „allgemein geehrtes Jndividun'N" beschimpft habe. Frankreich. Paris, 0. Juli. In der Sitzung vom 25. Juli votirte die Teputirtcnkammer das Budget des israelitischen Cultus für das Jahr 1*82 und zwar im Belauf von 202,000 Frcs. Der Abg. Bardoux beantragte eine Vermehrung von 2600 Frcs., um eine Stelle eines Rabbineradjunkten von Paris zu schaffen. Er setzte das Bedürfniß bei einer Bevölkerung von mehr als 30,000 Seelen auseinander und fügte hinzu, daß die Regierung dem Anträge günstig sei. Niemand forderte das Wort gegen denselben; jedoch bei der Abstimmung wurde er nicht angenommen. Außer dem obigen Etat wurden für Eultusgebäude der protestantischen und israelitischen Culten 100,000 Frcs. votirt. — In den großen Städten Algeriens sind Subskriptionen für die russischen Juden eröffnet worden, welche in Algier, Dran und Constantine günstig ausfielen. In letzterer Stadt wurde für denselben Zweck eine Theatervorstellung gegeben. — Aus dem Rechenschaftsbericht des israelitischen Confistvriums von Paris erfahren wir, daß die vor einigen Jahren geschaffene Freiwillige Gemeindekasse im Jahre 1879 127,059 Francs Einnahmen und 116,746 Francs Ausgaben, im Jahre 1880 143,900 Francs Einnahmen und 115,252 Ausgaben hatte, so daß sie sich eines ziemlichen Ueberschuffes erfreute. Vom Ende des lausenden Jahres an hört der städtische Zuschuß zum israelitischen Schulwesen aus, weil der jetzige Gemeinderath alle confessionellen Ausgaben gestrichen hat. Die Gemeindekaffe wird daher von da ab diese Last zu tragen haben. Das Rabbinat war mit jährlich 41,469 Francs bedacht als Zuschüssen zu den Gehältern der Rabbinen. Man wird sich vorbereiten müssen, allmälig alle Cultuskosten tragen zu müssen, da die Strömung bei den gegenwärtigen Republikanern, die Cultusbudgets vom Staatsetat zu streichen, immer stärker wird. Zur Unterstützung jüdischer Schriften wurden