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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-26 · Heft 30 (26.7.1881) · p. Seite 493

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 30 (26.7.1881)
Date
1881-07-26
Page
Seite 493 (sequence 7)
Language
German
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493 Und das gilt ebenso von den zerstreuten Semiten wie von' den zerstreuten Japhetiten. So lehren Vernunft und Erfahrung. „Ebenso verdamme das Christenthum jeden „verbissenen Rassenglauben", dem doch nur eine unbewußt materialistische Weltanschauung zu Grunde liege, und geißelt der Artikel „den geistlichen Hochmut!), mit welchem sich die christlich socialen Gegner allein für Christen halten". Wenn die Juden noch Eigenthümlichkeiten besitzen, die dem und Jenem nicht Zusagen, so sind dieselben „nicht Blüthen ihres semitischen Blutes, sondern Erzeugnisse früherer germanischer Ungerechtigkeit!" Am Schlüsse heißt es: „Tie Krankheitsursache ist psychologisch in unseren früheren Gesetzgebungen und der früheren Behandlung der „kaiserlichen Kammerkuechte" leicht zu entdecken und das rechte Heilmittel damit zugleich. Das rechte Heilmittel liegt eben allein in der von dem Kreuzzeitungsstaatsmann für unmöglich erklärten „vollen Gleichberechtigung". Das ist Erkenntnißund Bekenntniß der,,Liberalen", : und nach solcher Erkenntniß werden sie bei den Wahlen! und im Parlamente handeln, und gleichwie in vielen anderen; Fragen, so auch in dieser „Judensrage" der sich als „christlich" spreizenden Reaetion aus allen Kräften widerstreiten!; Preußen ist groß geworden in der Weltgeschichte nur als: Bannerträger jenes deutschen Geistes, unter dessen Propheten Lessing einer der ersten und größten war, und es kann nur groß bleiben und nur fortwachsen aus denselben Principien,, die seine erste Größe geschaffen haben!" Esten, 13. Juli. Tie „Essener Zeitung" enthält auSj Berlin einen Artikel, der für uns von Bedeutung ist.! „Nachträglich verlautet jetzt noch aus privater aber guteri Quelle, daß in der gegen Schluß der Reichstagssession abgehaltenen letzten Fraktionssitzung der Ultramontanen, in welcher das Programm der Partei für die kommenden Wahlen deffnitiv sestgestellt wurde, u. A. auch die Stellung des Centrums gegenüber der antisemitischen Bewegung einen Gegenstand der Besprechung bildete. Es wurde lebhafte Klage darüber geführt, daß man sich in einzelnen Gegenden außer Berlin, besonders in Breslau und überhaupt in Schlesien, viel zu weit in die Agitation eingelaffen hätte und Gefahr laufe, alle Selbständigkeit zu verlieren. Besonders wurde von den Führern der Partei aus dem westlichen Deutschland betont, daß das Gehetze gegen die Juden, welches man in den Rheinlanden auch bei den unteren Schichten der katholischen Bevölkerung gar nicht verständlich finde, ein Ende nehmen müffe. In diesem Sinne beschloß die Fraktion, daß diejenigen Abgeordneten, welche der Parteipresse näher ständen, ihren Einfluß auf dieselbe anzuwenden hätten, um vor einem Weitergehen aus dem verkehrten Wege zu warnen. -seitdem ist denn auch die Haltung derjenigen katholischen Blätter, welche sich anfänglich an der Hetze betheiligt hatten, eine wesentlich andere geworden, und in Breslau z. B. ist es schon so weit gekommen, daß die „Schles. Bolksztg." die antisemitische Agitation energisch bekämpft und die ultramontane Partei ein Zusammengehen mit den Conservativen bei den Wahlen rundweg abgelehnt hat. Jetzt verfängt selbst die Behauptung nicht mehr, daß die Juden den Kulturkampf in Scene gesetzt hätten, mit der man die ultramontanen Wähler gewinnen wollte, und ein katholisches Blatt, die „Köln. Bolksztg." antwortete geradezu auf derartige Wendungen der Förster und Stöcker: „Ein Einziger „auch-katholischer" Schlesischer Magnat, der in der „Partei BiSmarck" fitzt, trägt mehr Schuld am Culturkampf, als die gesammte Judenschaft des Landes." Bei solcher Stimmung ist es denn nicht zu verwundern, daß Herr Cremer in der spezifisch ultramontanen Presse absolut keinen Bertheidiger findet, und nach seinem heutigen Herzensergüsse im „Deutschen Tageblatte", wo er es unternimmt, den Abg. Windthorst und Andere der Conspiration mit Herrn Gehlsen zu zeihen, wird es nicht mehr lange dauern, daß er formell aus der Partei ausgestoßen wird." (In der That hat die Judenhetze in der ultramontanen Presse verhältuißmäßig nachgelaffen. Bleibt sie darin conseauent, so würden wir gern vergeffen, daß sie es ist, die den Antisemiten den Weg geöffnet hat.) Mühlhausen, im Juli. ^Privatmitth. Verspätet.) Der Verein israelitischer Cultusbeamten Mittel-Deutschlands hat im November 1876 mit sieben Mitgliedern angefangen und zählt gegenwärtig 32 Mitglieder, darunter 8 Rabbinen und Prediger, und 24 Lehrer und Cantoren. Der Vorstand, der auch dieses Jahr durch Acclamation wiedergewählt wurde, besteht aus Herrn Landrabbiner I>r. Kroner, Stadt Lengsifclfc, Rabbiner Dr. Leimdörser, Nordhausen und Prediger : Fackcnheim, Mühlhausen. Die diesjährige, dritte Jahresversammlung wurde am 6. u. 7. Juni in Nordhausen abgehalten. Es waren 26 Mitglieder erschienen: sie wurden sämmtlich von dem in Nordhausen zu diesem Zwecke gebildeten Local Comitä am Bahnhofe empfangen und den fie | erwartenden Gastfreunden zugeführt. Tie Gemeinde Nordi Hausen, voran der Vorstand derselben, nahm freudigen Anj theil an der Versammlung, und durch deren Hülse gestalteten! sich die Conferenz-Tage zu wirklichen Festtagen. Die vom Bereinsvorstand festgesetzte Tagesordnung, welche programmmäßig zur Erledigung kam, war: 1. „Humanität im Judenthum"; Ref. Rabb. vr. Deffauer-Cöthen. 2. „Heber religiöse Trauung"; Res. Prediger Fackeuheim- Mühlhausen. 3. „Der Sabbat, ein Erziehungsmittel zur Wahrheit und Sittlichkeit"; Ref. Rabb. Dr. Fröhlich-Halle. 4. „ Entwurf und Begründung eines Normalplanes für den jüdischen Religionsunterricht für die öffentlichen.

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