Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-19 · Heft 29 (19.7.1881) · p. Seite 476

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 29 (19.7.1881)
Date
1881-07-19
Page
Seite 476 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227369--39117-3308403
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

476 i t'l IM Cj Mldcfj fj tei/t. )entschlan! Berlin, ö. Juli. (Privatmitth.) Bon hier haben wir —. Was für Leute im Antisemitismus eine Rolle spielten, das charakterisirt sich auch in folgender Notiz, welche die hiesigen Blätter bringen, und die deshalb hier eine Stelle jetzt glücklicher Weise wenig zu melden. Die außergewöhn-! verdient. Diejenigen, welche sich in zukünftiger Zeit mit der liche Sommerhitze kühlt die Gemüther ab und läßt die win-! gegenwärtigen antisemitischen Agitation in Deutschland bcterlichcn Wallungen in den Köpfen nicht aufkommen. So, schästigen werden, müssen doch auch über die Persönlichkeiten schleichen die antisemitischen Agitationen nur langsam vor-; unterrichtet sein. wärts. Gewiß haben auch schon einige Geschäftstreibende in! „Der Weinreisende Alexander Franz Joseph Lodomez, dieser Branche verspürt, daß es nicht viel mehr in ihr zu; der durch seine Antisemitenagitation von sich reden gemacht verdienen giebt, namentlich was buchhändlerische Spekulationen hat, stand am Sonnabend vor dem hiesigen zweiten Schöffensind. Auch erscheint es jetzt dem Führer nothwendig, mit' gericht unter der Anklage des Arrejibruchs. Der Angeklagte ihrem eigentlichem Zwecke, conservativen Wahlen hervorzuließ seine Mobilien pfänden, um sie einem zweiten Gläubiger treten, und da muß der Antisemitismus sich damit begnügen, als Psandobjekt zu entziehen. Letzterer ließ indessen wider nur eine schwächere Nebensarbe in dem schillernden Regenbogen Erwarten des Angeklagten eine Anschlußpsändung vornehmen, der Reaction auszumachen. Das Dagesereigniß der vorigen so daß sein Abkommen mit dem ersten Pfaudgläubiger, wel- Woche war die Rede des Grasen Wilhelm Bismarck in einer cher die Sachen sreigab, für ihn keine besondere Wirkung streng conservativen Versammlung eines Wahlbezirks am übte. Trotzdem zog die Ehefrau des Angeklagten mit den Halle'schen Thore. Er erschien daselbst mit seinem Bruder gepfändeten Möbeln fort, während dieser selbst eine möblirte und seinem Schwager, also mit der ganzen männlichen Rach-; Wohnung mithete. Für diese Schiebung belegte ihn der Gckommenschaft des Reichskanzlers. Wir haben seine Rede richtshos mit 14 Tagen Gefängniß." hier nicht zu kritisiren und bemerken nur, daß dieselbe meh- —. Der „Boss. Zeitung" schreibt man: Die herrschende rere Male von dem Ruse „Juden" und „Hepp, Hepp" unter- > Strömung ist, wie man sich entsinnen wird, in früheren brochen ward, ohne daß der Redner sich dadurch verleiten Zeiten von den Gerichten kaum einmal als mildernder Umließ, sich für oder gegen die Antisemiten auszusprechen. Daß stand angenommen Jetzt ist das anders. Kürzlich hat das er sich den „Spaß" machte, „Lasker, Bamberger, Forckenbeck" Landgericht zu Gleiwitz bei Abmessung des Strafmaßes wesich als „Exellcnzen" vorzustcllen, konnte er sich wohl schon gen Abfassung eines Judenhetz - Artikels erkannt, daß die gestatten, da er dabei die beiden Juden in so guter Gesellherrschende Strömung, welche den Angeklagten verleitet habe, schaft nannte, wie es seinem Bater nicht ergeht, wenn er in zu weit zu gehen, für ihn mildernd ins Gewicht falle, den Hochs der antisemitischen Versammlungen mit Henrici Berlin, 10. Juni. Die „Voss. Zeitg." schreibt: „Die und Ruppel zusammen genannt wird. Ucbrigens hat er eine „Antisemiten" brauchen Geld. Auch die Verquickung mit Wiederlegung Seitens Eugen Richters erhalten, dessen Rede, den Conservativen schasst nicht genug Mittel, um die Agiein Meisterstück der politischen Beredsamkeit, den Gegner getationskosten zu bestreiten. Der so oft betonte ungeheure radezu vernichtete. Mau kann sie in der „Voss. Zeitung" Erfolg, den die Antisemiten mit ihren Bestrebungen angebvom Sonntag den 6. Nachlesen. — Der „Deutsche Frauenlich im ganzen Lande erzielen, läßt sich eigentlich mit dem verein" von Henrici und Frau ist in zwei Theile auseinan- Mangel an Opferwilligkeit seitens der Anhänger der Partei dergesallen, weil der eine Theil den Oi. Henriei in ihre Ber» nicht gut vereinen, zumal wenn man (aus einem uns vorsammlungen nicht mebr einlassen wollte. — Aus Reustettin liegenden Circular) ersieht, daß die Kosten der Agitation sich berichtet man, daß der dortige Bürgermeister zu einem Bornur „aus mehrere tausend Mark" belaufen. Freilich sind trage Henrici die Erlaubniß nicht geben wollte, der Landrath der Agitatoren, berufene und unberufene, gar viele, welche an sic dagegen bereitwilligst gewährte.! den Geldbeutel der konservativ-antisemitischen Gesellschaft —. Die Unterzeichner des Aufrufs vom 6. Juni d. I. appelliren. Herr Hector de Gronsilliers, Herausgeber der zu Gunsten der uothleidenden Juden in Süd-Rußland haben „Wahrheit", rechnet sich sicher zu den Berufenen. Er will in voriger Woche aus ihrer Mitte einen Ausschuß von io behufs Entfaltung der Kräfte „zu den Wahlen" eine Sammlung Personen erwählt, welcher gegenwärtig damit beschäftigt ist, äußerst wohlfeiler konservativer und antisemitischer Agitationsden Umfang des Nothstandes und wie derselbe am besten zu schristen herausgeben und sie über das ganze Land verbreiten, lindern sei, festzuslellen. Bor allen Dingen ist es wünschens- Sein Circular, von dem oben die Rede, besagt, daß ihm werth, daß dem Comite noch weitere reichliche Beiträge zu- 6000 Adressen guter Antisemiten und Conservativer zur Verfließen mögen. fügung stehen, an welche er je ein Exemplar der in einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.