Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1881)
- Date
- 1881-07-19
- Page
- Seite 475 (sequence 5)
- Language
- German
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475 Juden, die er auf den Straßen traf, ausgeprägt sah. Tie Rumänen legen jetzt einige Handwerkerschulen an, damit auch Rumänen Handwerker werden. Wer sind also jetzt die Handwerker? Sämmtlich Juden — die also doch nicht blos Trödler und Schcnkwirthe sein können. Die größte Unwahrheit aber, die sich Herr Marbeau aufbinden ließ, ist, daß die Rumänischen Juden in dem Etat ihrer Gemeinden eine geheim gehaltene Kasse hätten, nm die ärmeren Juden zu ihrem Gewerbe mit Kapitalien zu versehen, so daß sie den Rumä nischen Gewerbetreibenden eine gewinnreiche Concnrrenz machen könnten. Wer die wirklichen Zustände kennt, weiß, daß dies nichts als eine grobe Fabel ist; er weiß, daß die Gemeinden der Rumänischen Juden sinanziell fast im Zustande der Auflösung sich befinden, besonders seitdem die Regierung die Erhebung der Koscherslcisch-Taxe verboten hat. Tie Gemeinden sind nicht mehr im Stande, die Schulanstallen zu erhalten und müssen alle Institute den freiwilligen Gaben überlassen. — Wir können hier in die einzelnen Schilderungen des Verfassers selbstverständlich nicht eingehcn. Aber es überkam ihm doch das Gefühl, daß er auf unsicherem Boden stehe, da er nur Rumänen als Zeugen vernahm, die ihn natürlich sehen ließen, was sie wollten. Er ließ sich daher auch zwei „jüdische Banguiers" kommen, um ihnen Fragen vorzulegen. Aber er erzählt naiv genug selbst, daß, als diese den Mund öffnen wollten, ein Präsekt eintrat und sie niederdonnerte. Herr Marbeau wird es sich daher gefallen lassen müssen, daß ihm eine durchaus tendenziös gefärbte Schilderung vorgcworsen werde. Dazu hätte er sich als Franzose nicht hergeben sollen. Als Franzose hätte er sich sagen müssen, das; die rechte Politik doch nur die Politik des Rechtes und der Humanität sei. Wenn die Juden in Rumänien wirklich ein so begabtes und überwiegendes soziales Element wären, so thäten offenbar die, von so vielen Feinden umringten Rumänen am klügsten, dieses sich zu assimiliren durch politische und soeiale Gleichberechtigung, nicht aber jene durch fortgesetzte Beschränkung und Mißhandlung erst recht und für immer zu einem, der Nation und der Nationalität fremden Elemente zu stempeln. Aber unser Berfasser hat den eigentlichen Schwerpunkt gar nicht erkannt. Er berichtet selbst, daß die rumänischen Advokaten Alles daran setzen, daß die Juden nicht emanzipirt, d. h. jetzt nicht naturalisirt werden. Nicht blos aus Furcht vor der Coneurrenz, sondern weit sie besorgen, daß die Juden Einsluß aus die Wahlen in das Parlament erlangen und dann sie, die das Haupteontingent in die Kammern senden und das Land beherrschen, verdrängt werden können. Man sieht hieraus, daß das Verfahren der rumänischen Kammern nicht aus wirklichem Patriotismus, nicht aus tiesinnerster Ueberzeugung entspringt, sondern weil die Sippschaft, die gegenwärtig in Rumänien die Macht in Händen hat, sie unter allen Umständen sich bewahren will und deshalb vor den tyrannischsten Mitteln nicht zurückschreckt. Sic bemüht sich daher, die Kluft zwischen dem Volke und den Juden immer weiter zu reißen und jenem die Meinung beiznbringen, daß diese die Urheber aller Uebelstände seien. Herr Edouard Marbeau hat sich zum Werkzeug, zum Fernsprecher dieser Partei machen lassen, wie dies vor zwei Jahren auch einem Engländer passirte.' Es wäre höchst angemessen, der Schrift dieses Mannes eine sachgemäße Gegenschrift Nachfolgen zu lassen, woraus wir nachdrücklich aufmerksam gemacht haben wollen. Pest, 30. Juni. Herr l>r. I. S. Bloch hielt am 2N. Januar d. I. im Saale der Handelsakademie zu Prag einen Bortrag über Jean Bodin, welcher mit Beifall anfgenonnnen wurde und unter dem Titel „Jean Bodin, ein französischer Staatsmann und Rcchtslehrer, ein Vorläufer Leffing's aus dem 16. Jahrhundert" nun auch gedruckt vorliegt. Der Berfasser entwirft ein anschauliches Bild dieser reichbegabteu Persönlichkeit, welche in jener Zeit den Muth hatte, für Duldung einzutreten, und gewährt uns einen Einblick in Bodin s Hauptwerk „Heptaplomeres", das Guhrauer 1841, nicht aber 164U, wie es S. 12 heißt, im Auszuge und Noack 1657, nicht 1656, ungekürzt veröffentlicht hat. Wenn aber der Verfasser S. \2 behauptet, daß „Jellinek, der ihn zur Bearbeitung dieses Gegenstandes, zur Einführung Bodin's in den Kreis der jüdischen Literatur angeregt und mit Hilfsmitteln aus seiner großen Bibliothek unterstützt hat", von jüdischen Autoren der einzige sei. der Bodin erwähnt, so beruht das aus einem Jrrthum. Jellinek nennt Bodin. indem er auf die Vorlesungen hinweist, welche Prof. Franck in Paris, der auch ein jüdischer Autor ist, über „die Reformatoren und Publicisten Europa's während des Mittelalters" veröffentlicht und in welchen Franck Bodins ebengenanntes Werk eingehend bespricht. Doch abgesehen davon ist Bodin schon längst in den Kreis der jüdischen Literatur eingeführt. In dieser Zeit. Jahrgg. 1666, S. 437 ff. 457 ff.i veröffentlichte Pros. 4)i. Pyilippfon eine nicht weniger als circa 12 Spalten umfassende Lebensskizze Jean Bodin's, die dem Verfasser, wenn er sic gekannt hätte, auch von Nutzen gewesen wäre. Er hätte daraus erfahren, daß Leibnitz eine Widerlegung des „Heptaplomeres" verfaßt und erst später die Veröffentlichung desselben freilich mit Anmerkungen angerathen, daß Baudrillart schon 1653 eine Monographie über i „Jean Bodin und seine Zeit" geschrieben hat u. dgl. m. Nichtsdestoweniger sind wir Herrn Dr. Bloch für die Arbeit dankbar! und empfehlen sie allen Semiten und Antisemiten.'» Kg. I) Wir sind es zusehr gewohnt, daß gewisse.perren an den Leistungen { der A. Z. d. Jud. mir Stillschweigen vorübergehen, als daß wir darüber , noch Worte verlieren möchten, schließlich kommen diese Männer selbst in Schaden dadurch. Aber sich Phrasen zu gestalten: „der und der i hat die» zuerst gelehrt, gezeigt u. s. >v.". während Anderen das Verdienst zukommt, ist doch des Gelehrten nicht würdig. Redaktion.