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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-19 · Heft 29 (19.7.1881) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 29 (19.7.1881)
Date
1881-07-19
Page
Seite 473 (sequence 3)
Language
German
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fleischt, dem Sozialismus und der Anarchie die Wege ebnet. Andererseits, daß die Judenhetzen doch nur ein Glied in der furchtbaren Kette der revolutionären und anarchischen Bestrebungen und Thatsachen bilden, und vielmehr aus diesen heraus erklärt werden müssen, als aus den besonderen Verhält' nisten der Juden, die sich doch in den Ländern der eigentlichen Civilisation einer völligen Ausgleichung genähert haben. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 10. Juni. Es ist nur der mechanische Theil der Statistik, der die Zahlen sammelt und neben einanderstellt. Dann erst sängt die Thätigkeit des Geistes an, welcher aus dem angehäuften Zahlenmaterial die Folgerungen zieht und hiermit erst über die fraglichen Gegenstände Aufschlüste gewinnt. Dieser Geist kann aber ein guter und ein schlimmer sein. Der erste ist es, der, jedes Borurtheil und jede willkührliche Voraussetzung vermeidend, jede Künstlichkeit und falsche Gruppirung scheuend nur nach der objektiven Wahrheit strebt, soweit diese im Thatsächlichcn enthalten ist und durch die Zahlenverhältniste zur Anschauung kommt. Der schlimme Geist ist das Gegentheil; er geht von willkührlichen Voraussetzungen aus und will für diese in den Zahlen um jeden Preis einen Beweis finden. Oft genug wird er da durch verführt, ein Lügengeist zu werden, indem er die Zahlen nicht allein verdreht, sondern geradezu fälscht. Die Beispiele hierfür sind von den Judenhastern zahlreich gegeben. Eines derselben war die behauptete „Masseneinwanderung von Juden aus dem Osten", welche dem Herrn v. Treitschke sogar zum Fundament seiner ganzen Jeremiade über die Juden diente. Es war daher ein wesentliches Verdienst des wackern Statistikers, Herrn Sanitätsrath Di-. S. Neumann in Berlin, durch seine bekannte Schrift dieses ganze Dogma als eine „Fabel" erwiesen zu haben. Es war natürlich, daß es auch an Einwendungen gegen die Demonstration des Di. N. nicht fehlte und er hat soeben Veranlassung genommen, in einer besonderen Broschüre: „Nachschrift zur Fabel von der jüdischen Masfeneinwanderung" (Berlin, Simion, 1881.) diese Einwände zu widerlegen. Er zieht hier drei in Betracht, die einer ernsteren Erwägung würdig schienen. Zuerst Pros. Adolf Wagner, der einige Zweifel über die Richtigkeit der Neumann'schen Combinationen erhoben hatte. Zum Zwecke der Widerlegung erweitert dcshal b Di-. N. seine statistischen Nachweise, namentlich um mehrere sehr interssante Tabellen. Wir heben nur die Bemerkung hervor, daß die Gesammtzahl der deutschen Juden 187b ca. 530,000, nicht wie gemeinüb lich angegeben wird, 520,575 war. Es war nämlich in der „Confefsionsstatistik des deutschen Reiches für 1875" der Jrrthum begangen, daß die 12,88k Juden des Königreichs Württemberg in die Rubrik „sonstige Christen" gerathen sind, letztere dagegen — 4187 — als Juden verrechnet wurden. Trotzdem bleibt die Vermehrung der Juden hinter der der übrigen Bevölkerung (3,50 gegen 4,4%) zurück. Es fand alio verhältnißmäßig eine Verminderung, nicht eine Vermehrung der Juden, nicht eine stärkere Einwanderung, sondern eine stärkere Auswanderung der Juden statt. — Hieran schließt sich Herr von Treitschke, der in einer Anmerkung die- Resultate des Dr. Neumann zur Seite schieben wollte. Treitschke gehört zu denen, welche glauben, durch eine bloße Handbewegung jede Entgegnung aus der Welt geschafft zu haben. Es war keine schwierige Aufgabe, Herrn v. Treitschke die Nichtigkeit seiner Einwendungen nachzuweisen. Endlich das kön. prcuß. statistische Bureau, an welches von vielen Zeiten die Frage gerichtet worden, ob Dr. N. seine statistischen Nachweisungen wirklich mit Objektivität geführt habe? Das Bureau gab eine Antwort, indem es einen Anonymus mit einer Art Abhandlung vorschob. 0r. N. zeigt klar und einfach die Sophistereien des Anonymus, welche jedoch die Thatsachen nicht zu entstellen vermögen. Wir empfehlen daher, und zwar von ganz unparteiischem Standpunkte aus, diese „Nachschrift" des Dr. 9!. wie dessen Schrift, die ihr vorangegangen — Für den Unterricht der Jugend in der Geschichte des Judenthums und der Juden ist vor Allem wichtig, daß ihr dieselbe in einer anziehenden und sie fesselnden Weise erzählt werde. Wir haben deshalb mit Befriedigung folgende Schrift entgegengenommen: „ About the •Tews sinee Bible Time* t'rnin the Bablyonian Exile tili the English Exodus. By Mrs. Magnus. London . Kegan Paul & Co. 1881." Die Verfasserin macht natürlich auf eigene Forschungen keine Ansprüche; aber sie versteht cs, die Thatsachen in interessanter Weise vorzutragen, Geist und Gemüth anzuregen und somit das historische Bewußtsein in der Jugend anzufachen. Sic erzählt die allgemeine Geschichte der Juden von der Rückkehr ans dem babylonischen Exil nach Palästina bis zur Zeit des Maimonides. Tann beschränkt sie sich auf die Juden in England von 1068 bis zu ihrer Vertreibung 1200. — Bonn 11. Juli. Wir erhalten aus Paris: Cn nouveau Rovaume <Boumanie) pur Eduoard Marbeau (Paris. Gervais. 1881.) Wir erhalten diese Schrift sogar in zivei Exemplaren, eines an den Redakteur, das andere an die Redaktion dieser Zeitung gerichtet: man will also unsere besondere Aufmerksamkeit darauf richten. Der Verfasser ist, nachdem eben der Jubel über die Ncuschöpsung des Königreichs Rumänien verklungen war, vierzehn Tage lang durch Rumänien gereist, und theilt uns nun mit, was er über Land und Leute gesehen und gehört habe. Auf dieses „gehört" muß ein besonderes Gewicht gelegt werden, denn selbstverständlich kommt das Meiste darauf an, von wem man , „gehört", aus welcher Quelle man seine Mittheilungen ge- 29*

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