Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1881)
- Date
- 1881-07-05
- Page
- Seite 448 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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448 Haindorf's hin, dessen bekränzte Büste im Saale ausgestellt über die Fliesen der Diele, ein rascher Ruck öffnete die war und mahnt die Collegen ein reges Interesse zu bethä- Zimmerthüre. tigen für den Verein uud dessen Unterstützungkasse; der Herr Dina ließ das wassertriefende Tuch auf der Schwelle Vorsitzende dankt dem Gemeindevorstand für die in Münster liegen, band den feuchten Schleier von den Locken und stand gefundene Gastfreundschaft und schließt mit warm empfundenen regungslos bei dem Anblick der seltsamen Gruppe, welche fie Worten die Conferenz und wir schließen unseren Bericht mit mit Todesschweigen empfing. dem herzlichen Zurufe: Auf fröhliches Wiedersehen in Essen! Die Schriftführer Baum-Rheine Spanier-Solingen. Lilder aus dem jüdischen Familienleben. Von Hmmy Itosfi-Wntffsohn. Hl- Nachdruck verboten. „Abraham hielt ihn auf: „Kein Wort mehr, keinen Schritt ihr nach! Was Dina thut, ist gut und recht, wo sie weilt wird der verrufenste Ort zum Tempel der Unschuld, und wenn Du in völliger Verblendung an der Tugend Deiner Tochter zweifeln kannst, so öffnen sich ihr vertrauensvoll diese Arme, um sie gegen jede Beleidigung zu schirmen." Bär umarmte zitternd seinen Schwiegersohn. „Gott . . . , . , < . . . - , — , c oft-., - - , , und da Hab ich denn gebeten: Erstens, daß mern guter Vater segne Dich, Abr," rief er mit gebrochener Stimme, „ich wrll . ' ... .— , .. ..... _ ., _ . . 7. , . . . den erwünschten Titel Commmwnsrath erhalt, zweitens, der Dir glauben, meine Dma kann keine Verlorene lem! — r. . 0 - ~ ... . ... .. J ’ J\ ... ' _ <r t liebe Onkel die Tuchlieferung für die Armee und drittens, — Wir wollen m Geduld ihre Rückkehr abwarten und wenn . ... L r. . x _ . Sov :x ~ kommen Sie naher, Herr Graf, das geht L-re und meinen Abi an — drittens, Abi, hat der Großherzog die Erlaubniß gegeben, daß Du die Operation an der Frau Gräfin machen darfst. — Aber weßhalb seht Ihr mich so sonderbar an?" fragte sie verwundert. Graf Bülow hörte mit trauernder Miene diese frohe Mittheilung, der Onkel Beitel weinte, Löb Bär bebte und suchte vergebens nach Worten. Nur Abi ergriff die Hand seiner Braut und drückte sie an sein vertrauenreiches Herz. „Erzähl'!" befahl endlich kurz und trocken der Vater. Abi schritt mit ausgebreiteten Armen auf sie zu, aber diesmal hielt ihn Löb Bär zurück. „Erst komm' ich", sagte er, ergriff die Hand seiner erschrockenen Tochter und zog sie an den Tisch. Indem er mit dem Finger auf seine Stelle des offenen Buches deutete, befahl er kurz und hart: „Lies!" Dina, welche sich wie in einem bösen Traum befangen dünkte, gehorchte: „Und sie hatten eine Schwester, welche Dina genannt war, diese ging gegen Abend einsam auf die Straße und gerietst unter die Cananiter, worauf sie schimpflich um! Ehre und Tugend kam. „Woher kommst Du?" fragte wieder die harte Stimme des sonst so gütigen Vaters. „Von unserm lieben, guten Großherzog", rief, in Erinnerung an das soeben wiederfahrene Glück, jubelnd das ahnungslose Mädchen. „Denke Dir, ich habe drei Bitten thun dürfen, weil ich mich neulich so arg erschrocken habe. der Graf Bülow der Ehrenmann ist, wie ich ihn estimir, so bleibt er hier und ist Zeuge wie ein jüdischer Vater sein Kind empfängt — oder richtet." Der Graf setzte sich wortlos nieder. Abi hielt die strahlenden Augen auf die Thür gerichtet und versank in süße Träumereien, sein Vater legte den schmerzenden Kopf auf die erschränkten Arme, der alte Bär aber öffnete ein Pult, legte den Talles über die Schultern, bedeckte sein Haupt mit dem Sammetkäppchen und breitete auf dem Tisch einen großen Folianten aus. Dann nahm er langsam und zögernd das Bild seiner früh geschiedenen Frau von der Sogleich Hub das gehorsame Mädchen seinen Bericht an: Wand, versenkte sich in den Anblick des schönen jugendlichen »Gestern Abend, als Du im Tempel warst, kam Hoheit zu Gesichtes, welches das Ebenbild seiner Tochter war, und mir, hier in diese Stube. Er war sehr fteundlich und legte es stöhnend neben das alte Testament. Darauf zündete gnädig und bedauerte, daß er mich so erschreckt hatte. Run er den fiebenarmigen Leuchter an und blieb lautlos im Geich hatte mich arg erschrocken, als ich so in dem alten bet, die Augen zum Himmel gerichtet, stehen. »Kleid und Hauspantoffeln vor dem hohen Regenten die Draußen peitschte der Regen an die Fenster und der Butter hinwarf. Deshalb erlaubte mir der gute Fürst, ge- Sturm riß die Riegeln von den Läden, daß sie knarrend hiw und her schwankten. Nur das Aechzen der gequälten Vaterbrust und die tiefen Athemzüge der anderen drei Männer mischte sich in das Heulen und Pfeifen des Sturmwindes. Mehr als zehn Minuten vergingen in lautloser Stille, rade wie im Märchen, sagte er, drei Bitten zu thun; ich sollte sie mir überdenken und heute Abend zu ihm in seinen Sommerpavillon kommen. Ja, wahrhaftig, Herzensvater, er hat mir die Ehre erwiesen, mich selbst einzuladen." — Graf Bülow fühlte das Knistern des Zettelchens in dann klingelte die Hausthürglocke, hüpfende Schritte klangen seiner Brusttasche, worauf die wenigen Worte der großen