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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-05 · Heft 27 (5.7.1881) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 27 (5.7.1881)
Date
1881-07-05
Page
Seite 445 (sequence 11)
Language
German
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445 sie den Christen verkaufen, vergiften, hat der Gouverneur von Kiew es für nothwendig erachtet, eine besondere Commis-; fron zu bilden und dieselbe zu beauftragen, alle in Kiew be-; kindlichen, Juden gehörigen Bictualienhandlungen unverzüglich zu besichtigen. Das kann der Gouverneur nur gethan haben, um den blödsinnigen Pöbel zu beruhigen. Was ist aber da raus erklärlich? Die jüdische Bevölkerung Kiews wandert, wie die dortigen Zeitungen melden, massenhaft aus. Die Tscheningvwer und Poltawaschen Laudschastsämter beschlossen zu petitioniren, daß den Juden verboten werde, Land zu erwerben, was sie blos in diesen beiden Gouvernements bisher durften, das ihnen aber zu gleicher Zeit das Recht voller Freizügigkeit in ganz Rußland gewährt rverde. Drei jüdische Colonien bei Mariupol wurden von russischen Bauern vollständig ausgeplündert. Laut einer Mitcheilung des „Golos" langten diese mit 100 Doppelgespannen an, raubten die jüdischen Häuser aus, rührten aber Niemanden der Einwohner an und erklärten bei ihrem Durchmarsch durch die deutschen Colonien den Colonisten, daß, wenn sie für die Juden eintreten sollten, auch sie nicht verschont bleiben würden, wonach die Juden zu berauben, jedoch nicht zu prügeln seien. (Hier galt es also nicht Handel treibende, oder Branntwein verkaufende Juden, sondern dem Ackerbau obliegende Colonisten! Und dabei ist nicht religiöser Fanatismus, sondern nichts als die gemeinste Raub- und Plünderungssucht!) Moskau, 20. Juni. Ter „K. Z." schreibt man von; hier: In diesen Tagen hat der bekannte Antisemit Lutastanki; in einem der belebtesten Stadtheile, in der sogenannten! „Passage", öffentlich die Judenverfolgung gepredigt und ist > dann von der Polizei verhaftet worden. Diese anrüchige; Persönlichkeit ist Edelmann, polnischer Knäs und wie es heißt, 1 ein früherer Rabbiner. (Dies ist eine der nachgewiesenen Lügen dieses Mannes,; der damit seinen schmachvollen Anschuldigungen des Judenthums eine gewiffe Autorität geben wollte. Was hier auch noch verschwiegen wird, ist, daß er zwei Mal aus dem priesterlichen Stande gestoßen wurde.) — Auf welche Weise die Hetze in Kiew in Seene gesetzt worden, giebt folgende Stelle aus einem Privatbriese zu erkennen: „Sie haben kaum einen Begriff davon, wie es hier zugegangen ist. Nicht etwa die wilde Bolksbestie empörte mich, nicht ihr Plündern war himmelschreiend, viel empörender war die absichtliche Gleichgiltigkeit der Administration gegenüber solchen Schandthaten. Das Militär war nicht zu unserem Schutze, sondern zum Schutze der Räuber da und theilte mit ihnen die Beute. Ich selbst habe das Alles mit angesehen. Ich habe gesehen, wie die Soldaten geplündertes Gut einsleckten, Kosaken Cigarren aus geplünderten Tabaksläden rauchten, die fürchterlichste Demoralisation im Militär, die man sich denken kann, lind der Generalgouverneur war unter der Menge und schritt nicht ein, zwei lange Tage und zwei bange Nachte! Nur dann erst, als schon Alles beraubt und ausgevlündcrt war, als die Kannibalen vor Müdigkeit und Trunkenheit hingesunken waren, namentlich aber als die Administration merkte, das; etwas SoeialisinuS dahinter stecke, da schritt sic ein. Cs bedurfte nur weniger Kolbenstoße, um den Bolkshaufen niederzurversen, nur weniger Kosakenpeitschen, um ihn zu zerstreuen. Tie sogenannte hiesige Intelligenz, die Professoren an der Spitze, triumphirten, die russischen Kausleute halsen mit plündern, Popen verwahrten gestohlenes Gut in den Kirchen." j —. Tie Sammlung der Alliance isr. univ. für die! russischen Juden betrug am 23. Juni c. 145,*13 grc». Das , im Trocadero veranstaltete Fest am 14. Juni brachte für die; russischen Juden 80,000 Frcs. ein. — Bei dem Berliner Comitc waren bis zum 2o. Juni 21,OUU M. eingelausen. Nmnämcn. Bukarest, 23. Juni. Aus eine Interpellation des Tep. Manius in der Deputirtenkanuner wurde von der Regierung die Erklärung abgegeben, daß bereits die vorige Regierung Maßregeln getroffen habe, um Rumänien gegen eine Maffeneinwandcrung von Juden aus Rußland zu schützen; unter diesen Maßregeln befinde sich auch die Ziehung eines Grenzcordons. iTie Frage, ob Rumänien zu den Kultur- oder zu den halbbarbarischen Staaten gehöre, ist wohl hierdurch allein schon aus lange Zeit entschieden. Rcdakt. der 21. Z. d. Judenth.» Asien. Beirut, 10. Juni. Das hierortige deutsche Konsulat hat den in Syrien ansässigen preußischen Israeliten, angeblich im Austrage des deutschen Ministeriums des Acußern, notiffzirt, daß sie nicht mehr als deutsche Staatsangehörige I betrachtet werden. Nachdem die von dieser Maßregel be-! troffenen Israeliten vergebens Schritte gemacht hatten, um die Gründe dieser gegen sie getroffenen Berfügung zu erfahren, beschloffen sie nach eingehender Berathung eine Petition an den Fürsten Bismarck zu richten und denselben zu bitten, daß die ermähnte Maßregel nur auf jene Israeliten eingeschränkt werden möge, welche im Lause der Zeit das deutsche Staatsbürgerrecht erlangt haben, aber nicht in Deutschland geboren sind. Ein großer Theil der Notabeln der hiesigen israelitischen Kolonie hat mittlerweile den Schutz des österreichisch-ungarischen General-Konsuls angcsucht. Auch der „Pester Lloyd " macht dazu folgende Anmerkung: „Wir geben diese Meldung unter aller Reserve und überlassen die eventuelle Richtigstellung derselben den kompetenten deutschen Organen." -27*

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