Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1881)
- Date
- 1881-07-05
- Page
- Seite 444 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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444 nannten Schitnyj-Bazar zum Ausbruch kamen und große Aus Odessa schreibt man der „K. Z.": Seit Sonntag, Dimensionen angenommen hätten, wenn sie nicht rechtzeitig 22. d. M., ist die Ruhe in Odessa wieder vollständig hergestellt durch Militär vereitelt worden wären. Anlaß zu den Kra- und man hört auch von außerhalb beruhigende Nachrichten, wallen gab eine Bäuerin, welche in der Mehlhandlung des Die Arbeiter nehmen ihre Beschäftigungen wieder auf, die jüdischen Kaufmanns Lazar Brodski Mehl gekauft und dann jüdischen Magazine, welche acht Tage lang geschlossen waren, das Gerücht verbreitet hat, daß sie von dem Mehl Brod gesind wieder geöffnet. backen und sich mit diesem ihr Kind vergiftet hätte. In j Nach der „Köln. Z." haben die Juden außer dem Folge dessen sammelte sich vor dem Mehlladen eine Menge Schaden, der ihnen angethan worden, noch mancherlei Ber- Volk an, welche den Laden stürmte und alle Juden in demlust zu tragen, und zwar zunächst durch die Polizeibeselben niedermetzeln wollte. Die rechtzeitig herbeigeeilte Poamten. So berichtet sie folgenden Vorfall aus Odessa: lizei sperrte und versiegelte den Laden und rettete so die un-! „Ein mir bekannter Jude, M. F., ein kleiner Fabrikant und glücklichen Juden. 1 Händler in der Poststraße, welcher der Verordnung des Gou Die Judenverfolgungen in Südrußland drohen für; verneurs entgegen mit mehreren Glaubensgenossen auf der „legal" erklärt zu werden. Dieses und nichts Geringeres; Straße zusammenstand, wurde dieses kleinen Vergehens weavisirt der Cbersoner Correspondeut des Petersburger „Gogen verhaftet. Bei seiner Vernehmung im Polizeibureau los", welcher unterm 4. d. seinem Blatte wörtlich Folgen-; wurden ihm seine Brieftasche mit 180 Rubel, eine goldene des schreibt: > Uhr mit Kette und eine silberne Tabaksdose abgenommen „Tie antisemitische Bewegung nimmt einen völlig neuen j und er hierauf auf eines der Lastschiffe gebracht, welche zur Charakter an, welcher mehr legal ist, als die Gewalt und i Aufnahme der Gefangenen im Hafen bereit standen. Seine der Raub, die bis jetzt in vielen Gegenden des Südens ge-! Frau machte mehrere vergebliche Versuche, die Befteiung übt wurden. Im Bezirk Jelissawetgrad (des Gouvernements j ihres Mannes zu erlangen. Erst nach 6 Tagen ermöglichte Cherson) haben nämlich zahlreiche Gemeinden beschlossen, bei! ffe es mittelst 150 Rubel, welche sie dem Pristaw der Polider Regierung um die Ausweisung der Juden aus dem Be! zeiabtheilung zusteckte, den Manu freizumachen. Nachdem sich reiche ihrer (der Gemeinden) Dörfer zu petitioniren. Gleiche! F. zwei Tage zu Hause erholt hatte, kam er auf den abson- Beschlüsse wurden von vielen Gemeinden des Odesfaer Krei-! derlichen Gedanken, seine Brieftasche, Uhr und Tabaksdose ses gefaßt und wurden bereits mehrere diesbezügliche Gesuche! Zurückzufordern. Als er diese von dem Gehülfen des Polikompetenten Orts vorgelegt."! zeimeisters verlangte, wurde er mit der Bemerkung, daß man Es ist kein Zweifel, daß diese „legalen" Hetzen gegen! ihm die Gegenstände zuschicken werde, kurz abgefertigt. Andie Juden in Südrußland von den dortigen Behörden selbst; statt dessen erschienen aber am nächsten Tage zwei Polizisten ausgegangen sind, ansonsten dürften die Dorfgemeinden der- > mit einem Haftbefehl. F. wurde in feiner Wohnung festgelei Beschlüsse gar nicht fassen, vielweniger Gesuche wegen nommcn und wieder auf das Schiff gebracht. Alle neuen Judcn-Austreibung an die höheren Behörden leiten. Will! Befreiungsversuche seiner Frau waren bis jetzt vergeblich, man vielleicht in Rußland auf diese Weise die jüdische Frage ■ und so liegt nun der an ein behagliches Leben gewöhnte lösen? Wir glauben das ja, sonst hätte vor Kurzem der ältere Mann seit zwei Tagen wieder auf dem Boden des Kiewer Prokurcur Burdin nicht gewagt, während seiner An- Schiffes, ohne Schutz gegen Regen, Hitze und Kälte." klagerede gegen die Judenhetzer zu erklären, „daß, wenn die i Aus Warschau, 15. Juni, enthält heute der „Dziennik russischen Juden nicht über die östliche Grenze auswandern Polski" folgendes Telegramm: In der Gorajecer Umgegend wollen, ihnen die westliche offen stehe" u. dgl. j beabsichtigten Gendarmen, Judenexceffe hervorzurufen. Dor- Aus Warschau läßt sich die „Germania" schreiben: tige Bauern haben protokollarisch ausgesagt, daß sie von der „In dem Wallfahrtsorte Czenstochau wird ebenfalls der Sicherheitswache gegen die Juden und die polnischen Guts- Ausbruch einer Judenverfolgung befürchtet. Ein Individuum besitzer aufgehctzt wurden. Die russische Polizei bemüht sich, hatte in der Kirche Tvuamitpatronen zu schleudern versucht, diese unliebsame Thatsache zu vertuschen, wurde betreten und verhaftet. Nun wollen die Agitatoren! Petersburg,.im Juni. In einigen russischen Bezirken das Volk dadurch aufhetzcn, daß sie aussprengen, jenes Alten-! haben sich die Bauern auf Anregung der Friedensrichter betat sei ein Werk der Juden gewesen, unter denen auch lebreit erklärt, den der jüdischen Bevölkerung durch die Plünhafte Besorgnisse herrschen. Die Geistlichkeit bietet im Ber- > derungcn zugefügten Schaden zu ersetzen. In Bugajowka eine mit der intelligenten Bevölkerung bisher erfolgreich alle! haben die Bauern zu diesem Zwecke bereits 800 Rubel de- Mittel auf, um dem "Ausbruche von Unruhen vorzubeugen. In! ponirt. — In Folge der in Kiew in Umlauf gesetzten Ge« Kowno und Umgebung wurden zudem hetzerische Placate und rüchte, daß die Juden aus Racke wegen der gegen sie vor- Briefe von augenscheinlich russischer Provenienz aufgefunden.I gefallenen Excesse das Mehl und andere Lebensmittel, welche