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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-05 · Heft 27 (5.7.1881) · p. Seite 440

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 27 (5.7.1881)
Date
1881-07-05
Page
Seite 440 (sequence 6)
Language
German
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440 und daß dieser sich bewogen fühlte, die Bewilligung zur Audienz zu erwirken. Bevor die Bewilligung ertheilt war, mußte selbstverständlich das Brouillon der Anrede überreicht werden, die an den Kaiser gerichtet werden sollte. Anfangs wollte man keine Deputation, sondern nur eine Einzeln- Audienz; allein die Wichtigkeit der Sache, die Größe der Gefahr beseitigte die Bedenken, worauf Baron Günzburg als Führer, dann die Herren Bankdirector Sack, Bank. Pafsauer und Berliner zur Audienz befohlen wurden. Diese ging aber nicht so ceremoniös vor sich, wie andere Audienzen, denn es geschah das Unerhörte, daß der Kaiser selbst den Deputirten Gelegenheit gab, unabhänig vom Sprecher ihre Meinung kundzugeben. Die Discussion ist von nicht geringer Wichtigkeit. Bekannt ist, daß der Kaiser sagte: „Ich liebe alle meine Unterthanen ohne Unterschied der Confession nung. Aber warum entziehen sich die Juden so gern der Wehrpflicht? Der Gefragte erwiderte: Eure Majestät, der Wille, der Wehrpflicht zu entgehen, kommt bei den Juden vor, wie bei den anderen Confessionen. Die einheimischen, russischen Kaufleute lassen es daran auch nicht fehlen, und zwar weil sie denken, daß Derjenige, der fünf bis sechs Jahre beim Militär war, dann nicht mehr Kaufmann sein könne und nun dem Staate zur Last siele. Den Juden ist es aber auch leichter, sich der Wehrpflicht zu entziehen, weil sie eben so dicht beisammen sind; wären sie im Lande verbreitet, so würden sie Ruffen sein, wie alle Anderen. Der Kaiser wendete sich zum nächsten Mitgliede der Deputation und dieses sprach: Die Judenfrage wird in Rußland aufhören, sobald es den Juden gestattet sein wird, im und Nationalität. Die Ueberfälle gegen die Juden sind einj Lande zu wohnen und zu arbeiten und wie überall sind auch Werk der Anarchisten, die dadurch nur einen Vorwand erlangen wollten, um Unruhen anzustiften. Aber — setzte hier die Juden die treuesten Unterthanen. Ein viertes Deputationsmitglied setzte, mit Erlaubniß der Kaiser hinzu — auch auf der Seele der Juden brennt des Kaisers seine Meinung aussprechend, hinzu: Meine Wahreine Sünde, denn man giebt ihnen Schuld, daß sie die! nehmungen in den Provinzen, wo die Juden nicht in großen christliche Bevölkerung exploitiren!" Ein solcher Borwurf! Massen zusammengepfercht sind, gingen dahin, daß sie dort von Seite des Kaisers machte die Dcputations - Mitgliederj sich leicht mit dem Volke assimilirten, vollkommen zu Rüsten sehr betroffen. Doch einer von den Abgeordneten der Petersj wurden und ihre Eigenthümlichkeiten gänzlich verloren. Dort burger Judengemeinde nahm sich Muth und bat den Kaiser, > entziehen sie sich auch der Wehrpflicht nicht und nach Geer wolle ihm geneigtest befehlen, einige Worte zu sprechen. > fühl und Sprache sind sie Ruffen. Da, da, (ja, ja), sagte der Kaiser und diese Zustimmung! Zum Schluffe sagte dann der Kaiser: „Ich danke, meine gab dem Deputirten Anlaß, mit aller schuldigen Ehrfurcht, Herren, daß Ihr mich aufgeklärt habt. Reichet ein Memoaber auch mit vollem Freimuth Folgendes zu sagen: „Die! randum ein und übergebt es dem Ministerium. Ich werde Juden sind gezwungen, in wenigen Orten dicht beisammen > eS selbst durchsetzen." Dem Frührer der Deputation. Baron zu wohnen. Die Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung in Günzburg, reichte der Kaiser die Hand zum Abschiede, die Süd- und Westrußland hat aber solche Anomalien geschaffen,! Anderen entließ er mit gnädigem Gruße. Natürlich wird daß die Juden gezwungen sind, selbst untereinander sich das! jetzt an dem Memorandum gearbeitet. Es gilt die Befreiung Brod vom Munde zu reißen und darunter leidet die christ-! von drei Millionen guter Unterthanen. Ich glaube durch liche Bevölkerung mit; die Juden sind ein Handels- und; die Anführung all' dieser Details wohl den Nachweis erbracht Jndusterievolk geworden, sie wären aber anch dem Handwerk Zu haben, daß meine Annahme berechtigt ist, der Empfang ganz ergeben, wenn die Bevölkerung dort, wo die Juden , ber Juden-Teputation durch den Kaiser bilde einen der wohnen dürfen, auch nur ein anderes Handwerk benöthigen j wichtigsten Ausgangspunkte für die Lösung der Judenfrage. — würde — als daß man ihr Branntlvein reicht. Die Zu-^ (Wir fügen hinzu, daß nach Petersb. Briefen an uns das stände sind dort derart, daß das Bolk selbst auf der unent-! Memorandum noch heute n icht abgegangeu. Vieleicht können wickeltsten Culturstufe steht. Die Juden sind also gezwungen,! die Herren ein anderes Sprichwort, als: Du sollst das Eisen da sie nicht anderwärts leben dürfen und von nichts Anderem schmieden, so lange es heiß ist. — Bei dieser Gelegenheit leben können, Branntwein zu verkaufen. Das Zusammenwollen wir bemerken, daß in der jüngsten Zeit von vier drängen der Juden hat einen Sumpf geschaffen und aus Zuschriften aus Petersburg nur eine in unsere Hände gediesem treten Miasmen auf, welche sowohl die jüdische als langte', die christliche Bevölkerung vergiften. Wir hoffen, daß die Regierung Eurer Majestät den Juden die Erlaubniß geben werde, in ganz Rußland zu wohnen, und daß diese die Möglichkeit erhalten werden, den eisernen Ring zu brechen und wie sie es wollen, treue Bürger des Staates zu sein." Der Kaiser antwortete: Ich bin fast auch dieser Mei- Red. d. A. Z. d. Jud.

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