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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-05 · Heft 27 (5.7.1881) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 27 (5.7.1881)
Date
1881-07-05
Page
Seite 439 (sequence 5)
Language
German
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439 wogen fühlen, ihr Vaterland zu verlosten. Tie „Köln. Ztg." bemerkt dazu: $rter36urS, 14. Jum. „ Soweit ist es doch noch nicht in Deutschland gekommen, Seit der Audienz der jüdischen Deputation beim Kaiser daß die Juden ihre Koffer packen, um Zuflucht im Auslande ist es wieder still geworden von der Judensrage. Unseren zu suchen; wenn es auch nicht das Verdienst Herrn Stöckers hiesigen Zeitungen ist es unmöglich gemacht, irgend eine und seiner Nachbeter ist, daß die Sorgen unnütz sind, die jenes portugiesische Blatt sich macht." Dies ist ganz richtig; aber es beweist doch, in welchen schlimmen Ruf Deutschland durch jene ganze Agitation gekommen ist. Uebrigens hat gerade die „Köln. Ztg." äußerst wenig dazu gethan, daß „jene Sorgen unnütz sind". —. Einige Journale, die es mit der Wahrheit nicht sehr genau nehmen, bringen Correspondenzen, welche nur geeignet sind, falsche Vorstellungen zu erregen, und später um so bittere Enttäuschungen. So läßt sich die „Polit. Corr." aus Konstantinopel einen Bericht senden, in welchem schon von jüdischen Colonien in Spanien, von Schulen, von Tampferlinien, welche die Flüchtlinge nach Spanien regelmäßig bringen sollen, die Rede ist. Als sicher ist nichts weiter an-! zunehmen, als daß von jüdischer Seite durch den spanischen; Gesandten in Konstantinopel bei der spanischen Regierung! angefragt worden, ob die Juden in Spanien Aufnahme sän-: den, und daß dies von der letzteren und dem Könige Alfons bejaht worden ist. Die liberalen Parteien und Blätter im Spanien stimmen auf's Wärmste bei, während die ultramon-! tanen und reaktionären Zeitschriften, welche die spanische Glaubenseinheit unverletzt erhalten wollen, dagegen losstürmen. Daß Letzteres auch in französischen und deutschen Blättern dieses Schlages geschieht, versteht sich von selbst. Nicht unbemerkt wollen wir aber lassen, daß die Augsburger „Allg. Ztg." in ihrer Beilage vom 22. Juni einen Artikel enthält „Der Eisodos der Juden in Spanien" (d. i. Einzug', der Alles an Perfidie übertrifft, was über diesen Gegenstand gesagt werden kann, und bereits den Juden in Spanien Verfolgungen prophezeit, ärger als in Rußland. Ter Vers., der jedenfalls ein Gelehrter ist, hat aber nur geringe Kenntnis; von der gegenwärtigen Volksstimmung in Spanien, wie dies z. B. Perez Galdss in seinem Werke „Gloria" zum Ausdruck gebracht hat. Bekanntlich ist die A. A. Z. den Ultramontanen und Reaktionären gegenüber sehr liberal, aber den Liberalen gegenüber sehr reaktionär, namentlich was die Juden betrifft, obgleich sie sich die Beiträge jüdischer Literaten gern gefallen läßt, wie z. B. die bez. Nummer erweist. Ausführliches über die Audienz bei Kaiser Alexander 111. Die Wiener „Presse" bringt folgende Petersb. Correspondenz: Frage zu besprechen und von Außen her aus innere russische Angelegenheiten einzuwirken, ist jetzt noch schwerer, als es unter dem seligen Kaiser gewesen ist. Wurde schon früher mit einem peinlichen Mißtrauen Alles angesehen, was wie eine äußere Einmischung in russische Angelegenheiten aussah, so ist jetzt, seit die Moskowiter Partei das Russia fara da se als maßgebenstes Schlagwort ausgegeben hat, noch um ein Bedeutendes schwieriger, daß sich das Ausland der armen Juden in Rußland annehme. Es steht zu befürchten, daß man dann noch mehr als früher über die armen Gequälten hersalie und die Aufforderungen zur Menschlichkeit, welche von Außen her an die russischen Großen gerichtet wurden, als eine von den Juden provoeirte Einmischung an den ohnehin Rechtlosen noch empfindlicher strafe. So ist denn die einzige Hoffnung der Juden auf den Kaiser gesetzt, der in der Audienz der israelitischen Deputation aus Petersburg die Versicherung gab, „daß er alle seine Unterthanen, ohne Unterschied der Nation und Confession, mit gleicher Liebe umfasse." Die Juden Rußlands geben sich der Erwartung hin, daß sich diese Liebe jetzt durch Thaten kundgeben lverde, und daß endlich der Bann aufgehoben werden wird, der : aus ihren Glaubensgenossen im ganzen Lande schwer lastet. Einige Anzeichen deuten daraus hin, daß der Minister des Innern der Judenfrage gegenüber sich nicht feindselig verhält. Vor Allem müßte der Wohnungszwang aushören und die Macht der Gouverneure gebrochen werden, die Inden selbst, ohne Rücksicht auf erworbene Rechte, zu eriliren für den Fall, als Häretiker in seinem oder im angrenzenden Gouvernement anstreten. So lange diese gesetzliche Bestimmung nicht in aller Form aufgehoben ist, bleibt der Jude in Rußland der Willkür der Beamten preisgegeben und alle Zusagen des Monarchen werden illusorisch, weil die Klagen über den Gewallsmißbrnuch gar nicht zu feinen Lhren gelangen können. Ta nützl nicht Scmstwo, nicht Senatoren-Revision, da herrscht blos gewalrthätiger lieber muth. Bon der Audienz, die der Kaiser der Juden Tepn tation gewährt hat, hofft diese, daß sie den Ausgangsvunkl bilden werde, von welchem aus die Willkür gebrochen und von dem aus die Emancipation der Juden zur Wahrheit gemacht werden soll. Ich glaube deßhalb nicht nur berechtigt, sondern auch verflichtst zu sein, alle bisher nicht bekannt gewordenen Details über diese Audienz zu publiciren. Ich kann die Personen nicht nennen, welche die Idee der Audienz angeregt haben, allein ich darf sagen, daß dies in einem Zwiegespräch mit dem Grafen Jgnatiew geschehen ist

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