Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1881)
- Date
- 1881-06-28
- Page
- Seite 428 (sequence 10)
- Language
- German
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428 genwärtigen Verhältnissen, die von Deutschland selbst ausgingen, und wo die Juden vorkommenden Falles von den Deutschen wohl kaum auf Schutz zu rechnen haben.) Bonn, 19. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns: Herr Rabbiner Di-. Dessauer aus Cöthen ist zum Landesrabbiner des Herzogthums Meiningen (mit dem Wohnsitze in der Residenz Meiningen) ernannt worden. Er wurde vor etwa drei Wochen als einziger Candidat zur Probepredigt nach AN. berufen und sofort vom Vorstände und der zu dem Zwecke einberufenen Gemeindeversammlung dem Ministerium zur Wahl vorgeschlagen. Die Herzogliche Genehmigung der Vorlage des Ministeriums erfolgte kurz darauf. Herr Dr. Dessaucr wird wahrscheinlich noch vor den hohen Feiertagen sein neues Amt antreten. — Man schreibt uns aus Nürnberg: Herr Rabbiner Dr. Levin hat vor wenigen Tagen unsere Stadt, den Ort seiner neunjährigen Thätigkeit, verlassen, um sich ausschließlich den wissenschaftlichen Studien zu widmen. Unsere Gemeinde verliert in ihm den Mann des Friedens, dem es gelang, die Gegensätze in der Gemeinde auszugleichen und, trotz der auch hier vorhandenen verschiedenen religiösen Richtungen, offenen Spaltungen und Gehässigkeiten den Boden zu entziehen, sowie einen bedeutenden Kanzelredner, der sich die Herzen Aller zu erobern wußte. Er war es, der uns einen Gottesdienst schuf, in dem neu erbauten herrlichen Tempel, wie er erhabener und würdiger nicht gedacht werden kann. Auch auf dem Gebiete der Schule war er bestrebt, das Möglichste zu leisten. Seine beiden Lehrbücher „die biblische Geschichte" und „Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur" haben sich als zweckmäßig bewährt. Er gründete eine Gemeindebibliothek, welche sich der lebhaftesten Anerkennung und Benützung erfreut. Hebe ich nur noch hervor, daß l)r. Levin durch regen Berkehr mit den gebildetsten und angesehensten christlichen Kreisen das Judenthum auch nach Außen in würdigster Weise vertrat. Am 1. Schebuothtage hielt Herr Dr. Levin seine Abschicdsrede über das Thema: „Liebet die Wahrheit, liebet den Frieden", (dasselbe, welches er vor 9 Jahren zu seiner Antrittsrede gewählt), bei der kein Auge thränenleer blieb. Die Gesammtverwaltung der israelitischen Gemeinde begab sich am Tage vor der Abreise des Herrn Dr. Levin zu ihm, um durch Ueberreij chung einer künstlerisch ausgeführten Adresse und eines kost- . baren silbernen Tafelaufsatzes nochmals der dankbaren Ber-! ehrung Namens der ganzen Gemeinde Ausdruck zu geben. Der Vorstand, Herr Dr. Josephthal, hob in einer ergreifen-; den Anrede hervor, daß das Band zwischen der Gemeinde; und ihrem bisherigen geistlichen Leiter selbst durch die Tren- I nung nicht gelöst werden könne. Herr Dr. Levin antwortete,; daß seine weitere wissenschaftliche Thätigkeit vorzugsweise! Israel gelten werde, dem sein Herz gehöre, und so hoffe er 1 auch fernerhin die Achtung und Zuneigung seiner früheren Gemeinde zu erhalten. I. Heinemann, Lehrer. Ieuillelon. Correspoudeu?. meinde Münster, der Mitbegründer des Vereins, jetzige Dr. Conferenz des israel. Elementar-Lehrer-Vereins für Westfalen und Rheinprovinz. Rheine, 10. Juni 1881. Es sind unvergeßliche Tage, der 6. und 7. Juni, die 46 Kollegen von Nah und Fern in Münster im Saale des deutschen Kaisers zusammengeführt hatten. Der langjährige und allverehrte Präses, Herr Blumenau-Bielefeld, eröffnete die Conferenz nachmittags 2'/-, Uhr mit einer herzlichen Ansprache. 25 Jahre waren verflossen seit der Gründung des Vereins israel. Elementarlehrer für Westfalen und Rheinprovinz und es galt, darum diese Conferenz zu einer besonders erhebenden und anregenden zu gestalten. Zu dem Zwecke waren Einladungen ergangen an die Herren Löb-Kaldenhof, den früheren, Feldheim, den jetzigen Rendanten der Vereinskasse, Prof. Dr. Lefmann-Heidelberg, den Mitgründer des Vereins, Dr. Philippson-Bonn und Elias-Meyer-Berlin, die sämmtlich in einem längeren Schreiben ihr Ausbleiben entschuldigen und dem Verein die herzlichen Wünsche senden. Erschienen waren der verehrliche Vorstand der Synagogenge-, med. Kronenberg und der verehrungswürdige Präsident des Deutsch-Israel. Gemeindebundes, Herr Jacob Nachod, dem zu Ehren sich die Versammlung von ihren Sitzen erhebt. Begrüßungsdepeschen waren eingelaufen von den in Breslau j und Hannover tagenden jüdischen Lehrerkonferenzen. Der , Herr Vorsitzende theilt nun seine Privatansicht mit über verschiedene literarische Erscheinungen und empsiehlt u. A. die Lehrerzeitung von Dr. Rahmer und Kroner, die Westfälische Lehrer-Zeitung; Mannheimer das Gebetbuch und der Reli-! gionsunterricht und das Jacobsohn Liebling'sche Gesangbuch. Nach dem kurz erstatteten Jahresbericht der Unterstützungskaffe des Vereins pro 1880, wurde der bisherige Rendant, Feldheim-Bielefeld, dessen Umsicht und Wirken für die Kasse wir hier mit herzlichem Danke erwähnen, auf fernere 10 Jahre wieder gewählt. Wir verzeichnen als einen feierlichen Moment den Vorschlag des Herrn Vorsitzenden, nachdem sich die Herren Nachod und Dr. Kronenberg auf einige Minuten entfernt, die Herren Jacob Nachod, Prof. Lazarus, Löb, Feldheim, Prof. Lefmann, Dr. Kronenberg und Dr. L. Phi lippson zu Ehrenmitgliedern des Vereins zu ernennen, was