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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-28 · Heft 26 (28.6.1881) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 26 (28.6.1881)
Date
1881-06-28
Page
Seite 427 (sequence 9)
Language
German
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427 her auf eine exemplarische Strafe erkennen. Das Urtheil wird in acht Tagen verkündet. Pr. Friedland, im Juni. Dem „Westpr. Bolksbl." schreibt man von hier: In den letzen acht Tagen scheint sich die Erregung gegen die Juden etwas abgekühlt zu haben: wenigstens hört man nichts mehr von den aufreizenden Placaten, welche sich sonst des Morgens an den Straßenecken präsentirten. Besonders zu verurtheilen ist es, daß die Kinder, auch Schüler, sich an der Hetze bctheiligten und z. B. den Juden antisemitische Lieder vorsangen. Diesen scheinbaren Stillstand der Hetze schreibt man hauptsächlich dem hiesigen katholischen Pfarrer zu, der dieselbe in einer Predigt tadelte und das wühlerische Treiben ein widcrchristliches nannte. Nebenbei bemerkt, haben sich daran die Katholiken nicht betheiligt. Die Juden sind deshalb auch voll des Lobes auf Herrn Pfarrer K." (Wer löst den Widerspruch: „die Katholiken haben sich nicht daran betheiligt" und „die Erregung hat sich auf die Ansprache des kathol. Pfarrers gelegt"? Jndeß haben wir jedenfalls dem Herrn Pfarrer Dank zu wissen!) Ppenzlau, den 15. Juni. (Privatnntth.) In diesen Tagen erhielt ich von der städtischen Steuerkasse folgende Mittheilnng: „Em. Wohlzeb. werden hierdurch ganz ergebenst benachrichtigt, daß die beiden städtischen Behörden beschlossen haben, Sie von der Zahlung der Communalsteuern vom April d. I. ab zu entbinden." Dieser Fall ist, zumal in der Gegenwart, um so beach tenswerther, als ein Antrag auf Befreiung von den Steuern gar nicht von mir gestellt worden war, sondern von einem Stadtverordneten Herrn Joseph Mayer, welcher diesen Antrag so überzeugend begründete, daß die Genehmigung sogleich erfolgte. Herr Mayer wußte außer Billigkcitsgründen auch einen Rechtsgrund beizubringcn, gegen welchen selbst von den rechtskundigen Mitgliedern des Stadtvcrordneten-Collegiums kein Widerspruch erhoben wurde. Den geehrten Collegen, welche sich für die Sache inte ressiren, bin ich bereit, den von Herrn Ai. beigebrachren Grund mitzutheilen. Dr. Bernhard Ritter, Rabbiner. Meiningen, 12 Juni. (B. Z.) Nachträglich kommt noch ein Akt des regierenden Herzogs zu unserer Kcnntniß, der seine Bedeutung und sein allgemeines Interesse noch nicht eingebüßt hat. Als nämlich die Antisemiten-Agitation vor mehreren Monaten von Berlin aus immer weitere Kreise zog, ließ der Herzog die Direktoren der hiesigen Schulen zu sich kommen und verständigte dieselben dahin, daß jeder auskeimenden Unduldsamkeit gegen jüdische Schüler allen Ernstes von vornherein zu begegnen sei. Mit dieserKundgebung war überhaupt der Antisemitenbewegung für Meiningen der Boden entzogen. Wurzburg, I I. Juni. Hier erscheint seit einiger Zeit ein Wochenblatt: „Deutscher Antisemit", dessen Probenummer schon confiscirt worden. Jetzt berichtet man von hier: Die heute Bormittags ausgcgebene Nummer tz des dahier erscheinenden Wochenblattes „Deutscher Antisemit" wurde Nachmittags confiscirt, und zwar wegen eines Artikels, mit der Uebcrschrist „Aus der Pfalz", und eines Eingesandt „Aus dem Saalgau, Abtheilung Eisenburg n. Cie." Nur ca. 200 Exemplare dieser Nummer konnten noch confiscirt werden, während circa lfcOO Exemplare bereits dahier verkauft waren. O estcrrei ch -Ungarn. Wien, 15. Juni. Tie „B. Z." enthält folgende Corrcspondenz, deren Hauptinhalt von uns in einer Correspondenz „Aus Böhmen" bereits gegeben worden, die also hier ihre Bestätigung findet: „In Prag ist seit gestern eine merkwürdige Agitation hervorgetrcten, in welcher ein Theil des jüdischen Handclstandes eine eigenthümliche Rolle spielt. Es stehen daselbst die Wahlen für die Handelskammer bevor, welche bisher stets in deutschem Sinne ausgefallen sind. Selbstverständlich erneuern die Czechcn die schon in früheren Jahren vergeblich gemachten Anstrengungen, die Majorität zu erlangen, zumal da ihnen dann auch die von der Kammer zu vergebenden Mandate für den Reichstag und den Landtag zufallen würden. Sie rönnen den Sieg nur erringen, wenn es ihnen gelingt, einen Theil der bisherigen Majorität zu sich hinüber zu ziehen. Ihre diesbezüglichen Bestrebungen sind zunächst insofern von Erfolg begleitet gewesen, als ein Theil der jüdischen Kausleute sich ihnen angeschlossen hat. Tie Ezechen haben einen Wahlaufruf erlassen, der auch sechs jüdische Candidaten ausstellt, und nebenbei noch einen an die Adresse der „Herren israelitischen Wähler" gerichteten Ausruf colportirt, in welchem zwei Candidaten, die Herren Kahlberg und Bloch, ihre Glaubensgenossen bitten, durch ihr Votum nicht das Mißvergnügen der böhmischen Mitbürger heraufzubeschwören, welches sich eventuell gegen alle Israeliten wenden würde, wenn nicht wenigstens die Mehrheit derselben mit den Czechcn stimmen sollte. Wie viele von den jüdischen Wählern diesem Appell an die Furcht Nachkommen werden, muß die Folge lehren. Um den Aufruf übrigens den nöthigen Nachdruck zu verleihen, weisen die „Narodni Listy" heuee ans die antisemitische Bewegung hin und erklären, sie Hütten nichts weiter hinzuzusügen, als daß die Czechcn sehr ausmerksam die Entschließung jedes einzelnen Juden bei den bevorstehenden Handelskammer-Wahlen verfolgen werden. Jeder, der nicht nach der Czechcnliste wählt, müßte augenblicklich als Plünderer und Räuber am allgemeinen Wohl der Nation ösientlich proklamirt und betrachtet werden. Tie Polizeibehörde hat übrigens die „Narodni-Listy" confiscirt, doch wird der Inhalt des Artikels wohl genügend Berbreij tung finden." (Tie Sache ist allerdings ernst unter den ge-

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