Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1881)
- Date
- 1881-06-28
- Page
- Seite 425 (sequence 7)
- Language
- German
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425 der Nichichristen mit dem Begriff und den Pflichten des christlichen Staates in Einklang zu setzen; 2. das Gastrecht und die bürgerlichen Rechte aller Nichtchristen in der Weise zu reguliren, daß selbige sich des vollen Schutzes der Gesetze erfreuen, jedoch von allen Reckten und Stellungen im christlichen Staate ausgeschlossen bleiben, welche ein obrigkeitliches Element in sich tragen, und von denen sie sich selbst ausschließen müßten, wenn es ihnen mit ihrer Religion Ernst wäre." — Diese Leute verstehen also den „christlichen Staat" als den, der alle anderen Glaubens bekenntniffe ausschließt. Lächerlich ist noch, daß sie sich dabei Periode hiermit beendet ist. Dieser Reichstag wird in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus eine eigenthümliche Stellung einnehmen. Er war der erste seit Gründung des neuen deutschen Reiches, in welchem die conservative Partei so stark vertreten war, daß es bei den Abstimmungen sich meist nur um eine kleine Majorität rechts oder links handelte. Die bevorstehenden Wahlen werden demnach entscheiden, ob das deutsche Volk diesen unfruchtbaren Zustand verlängern werde, oder auf welche Seite hin es sich seiner Mehrheit nach zuneigt. Es wird ein schwerer Kamps werden, um so schwerer, als der jetzt mächtigste Name in Deutschland anmaßen, über das zu urtheilen, was das Judenthum von jaus conservativer Seite steht. Eingezeichnet wird aber auch der eben geschloffene Reichstag in die Geschichte des Juden „Man wird sich noch der thums, besonders des deutschen, sein. Der frühere Reichstag, dessen Legislatur 1878 zu Ende ging, barg in seinem Schoße keine einzige „antisemitische" Stimme, wie sich z. B. in der Behandlung des rumänischen Handelsvertrages Illustration dieses feinen Blättchens mit Verhöhnungen der! erwies. Der letzte Reichstag aber zeigte einen ganz anderen Juden, der Fortschrittspartei, einzelner angesehener Person- Charakter. Nicht allein daß bei der Interpellation Hänel seinen Bekennern verlangt. — Die „Volksztg." schreibt: „Hetzplacate" erinnern, die im vorigen Jahr sämmtliche Anschlagssäulen Berlins verunzierten, ausgegeben vom Verlage der „Wahrheit" und enthaltend die jedesmalige ganzseitige lichkeiten rc. Da die Anheftung dieser Placate sich im Widerspruch befindet mit dem § 0 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851, die Polizei trotzdem dieses Treiben viele Monate hindurch zuließ, so fand sich ein hiesiger Bürger veranlaßt, gegen den Veranstalter und Veranlasser zu denunciren. Das Resultat ist, daß durch rechtskräftigen richterein Bachem, Strosser, von Ludwig das Aeußerste in der Schmähung ihrer jüdischen Mitbürger, die sie doch mitvertreten, leisteten, auch noch in einer der letzten Sitzungen drückten der Graf Schalscha und der Freiherr von Minnigerode sehr erkennbar ihre antisemitische Gesinnung aus. Auch hierüber werden die bevorstehenden Wahlen entscheiden. lichen Strafbefehl vom 2. December 1880 der Buchdruckerei- Werden die conservativen Parteien verstärkt, so stehen uns befitzer Hartmann (in Firma Nauck und Hartmann) wegen üble Aussichten offen. Ein Glück war es, daß an der Spitze des Anheftens dieser Placate mit 5 Mark, der Redactenr der Stadt Berlin ein Mann wie Herr von Fvrkenbeck steht: Hector de Groussilliers wegen Anstiftung des Hartmann mit denn wie der frühere Oberbürgermeister, dann Finanzminister 1 Mark bestraft morden ist." Hobrecht sich im Reichstage aussprach, hätten wir wenig — In der jüngst hier abgehaltenen Versammlung des Unterstützung von ihm zu erwarten gehabt, wenn er sein deutschen Protestantenvereins hielt den bedeutendsten Vortrag, früheres städtisches Amt noch eingenommen hätte, und zwar mit einer hinreißenden Beredtsamkeit der Pros. — In der am Donnerstag zum Besten der nothleidenden Theol. Holsten aus Heidelberg. Inmitten desselben ries russischen Juden stattfindenden Wohlthätigkeits-Vorstellung im dieser aus: „Sie kennen ihn Alle, jenen unlauteren Menschen, Victoria-Theater wird zuerst Direktor Emil Hahn einen der mit der Unwissenheit und dem Fanatismus eines Bettel, eigens zu diesem Anlaß von dem Herrn Schrifsteller Rodemönchs die deutschen Lande durchzieht, unter wüstem Gerich Fels (Rosenfeld) verfaßten Prolog sprechen, und nach schrei fordernd: Herunter mit der freien Theologie von der dem vierten Bilde des „Oberon" zwei Opernsängerinnen, Kanzel, herunter mit ihr vom Katheder, heraus mit ihr aus Frl. Maria de Lido vom Her Majestys-Theatre in London, der Kirche." „Dieser Allbekannte, der sich der Todtenerwecker Frl. Alix Desta von der italienischen Oper in Paris, sowie der protestantischen Kirche zu sein vermißt, könnte eher ihr der Pianist L. E. Bach und der Geigenvirtuose Herr Koeller, Todtengräber werden! Aber das schadet nichts: lasset die ein Schüler Leonards, einige Gesangs- und Konzertpiecen zum Tobten ihre Todten begraben!" Natürlich, daß Jedermann Borttag bringen. weiß, wer damit gemeint ist, und man kann daraus ermepen, Sit einer Versammlung von Wählern „antisortschrittwie sehr alle freier denkenden Protestanten bereits gegen licher" Gesinnung, unter welcher Fahne sich dermalen das diesen Agitator empört find. (Daß Hofprediger Stöcker hiereigenthümlichste Gemisch von Anhängern politischer, wirthmit gemeint sei. hat dieser selbst in der Pastoral-Conserenz schaftlicher und religiöser Unfreiheit zusammenfindet, im ausgesprochen.) Restaurant Starke, Unter den Linden, ist gestern für den Berlin, 16. Juni. (Privatmitth.) Gestern Abend wurde 1.' Reichstags-Wahltteis als Candidat für die nächste Wahl der deutsche Reichstag geschloffen, dessen vierte Legislatur- Herr Rudolf Hertzog aufgestellt und beschlossen worden, die H