Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-28 · Heft 26 (28.6.1881) · p. Seite 424

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 26 (28.6.1881)
Date
1881-06-28
Page
Seite 424 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227366--39062-3308345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

424 gegen verwahren und Furcht zeigen, es könnten aus Rumänien künftig ein paar Juden in Deutschland einwandern, die Diesem oder Jenem weniger gefallen. Ehe Sie daran denken, künstliche Mittel gegen die Einwanderung zu machen, sollten Sie lieber darauf bedacht sein, wie Sie die Deutschen im Lande behalten, namentlich Sie in Westpreußen. Wo wandern denn die meisten aus? Wo die Herren von drüben (rechts) zu Hause sind, aus der Provinz des Herrn v. Minnigerode, wo Sie alle die Beglückungen, die Sie jetzt den städtischen Arbeitern zu Theil werden lasien wollen, zunächst einmal an Ihren eigenen Arbeitern erproben könnten. Die laufen Ihnen fort, weil sie es zu schlecht haben auf Ihren großen Gütern (Widerspruch rechts), ja wohl, weil die Wohnungen zu wenig einem menschenwürdigen Dasein entsprechen, weil die Kost nicht genügend, der Lohn zu niedrig ist, so daß die Leute nicht blos in die Städte, sondern, wenn sie die Mittel haben, nach Amerika schaarenweise wandern, und in diesem Monat Mai, im zweiten Jahre dieser gepriesenen neuen Wirtschaftspolitik, ist die Auswanderung über Hamburg stärker als vor 10 Jahren. Darüber denken Sie nach, wie Sie diese eingeborenen echten Deutschen — und es sind wahrlich nicht die schlechtesten, welche auswandern — im Lande behalten, daß Sie vor Allem Eintracht und Friede halten und sich energisch gegen solche Bestrebungen wenden, welche blos die Religionsqesellschaften in Deutschland gegen einander aufstacheln. (Beifall links.) Hierauf wurde die Discussion geschloffen und der Handelsvertrag in der zweiten, am folgenden Tage in der dritten Lesung ohne Debatte genehmigt. Wir müffen dem Abg. Richter abermals Dank wissen, daß er dem Abg. Lasker zu Hülfe kam und in so schlagender Weise den Gegnern erwiderte. ^6ei4'i 11 \ cj>m acfj i4 erlern. 309 jüdische; dies macht 1,14 Prozent, während die jüdische ^entschland Bevölkerung 1,30 beträgt. In den preußischen Gefäng- ' ' nissen befanden sich 30,460 Individuen, von denen 364 Berlin, 13. Juni. Dnrch Sammlungen an der Börse für die Juden im Kiew wurden aufgebracht 33,610 M. Zwei Hauptangriffspunkte der Antisemiten bildeten be-! kanntlich die Maffeneinwanderung von Juden aus dem Osten und | der hohe Prozentsatz, den sie in der Berbrecherstatistik einnehmen sollten. Beide Momente haben sich als boshafte Ersindungen erwiesen. Tie „Statistik der Königl. preußischen Strafe und Gefangenen-Anstalten" vom 1. April 1879 bis dahin 1880 bringt einen neuen Beweis hierfür. Aus lut) Köpfe der> evangelischen Bevölkerung kamen 0,28, der katholischen 0,351 und der jüdischen 0,31 Zuchthausgefangene in Zugang. Im > Jahre vorher waren die betr. Ziffern 0,32. 0,36 und 0,32.! Eine Verminderung fand also bei allen drei Confessionen | statt, jedoch am meisten bei der evangelischen. In beiden j Jahren aber war die Ziffer der jüdischen bedeutend geringer j als bei der katholischen. Es versteht sich, daß auf das! Resultat eines Jahres nicht viel gegeben werden kann, weil j bei einem so kurzen Zeitraum die Zufälligkeiten zu vielen Raum haben. Jedenfalls aber widerlegen diese Ziffern die ' Behauptung der Gegner, die es überhaupt mit der Wahrheit nicht genau nehmen, daß die Juden einen größeren Antheil an den Verbrechen hätten als die Christen, während es die' Katholiken sind, welche die höhere Ziffer einnehmen. — Unterdeß erhalten wir noch eine weitere Notiz, die das Verhältniß als noch günstiger herausstellt. Nach offiziellen Mittheilungen befanden sich 1879/>0 in den, preußischen Zuchthäusern 27,028 Individuen, von denen jüdisch, also 1,25 Prozent. Die Juden blieben also in ganz Preußen unter der Normalzahl! — Wir theilten vor einiger Zeit mit, daß in Berlin eine Versammlung stattgefunden, die sich „ Social-conservativer Congreß" benamste. An der Lpitze dieser sog. neuen Partei stehen der Fürst zu Isenburg, der Graf zu Solms, der Graf v. d. Schulenburg und der Freiherr v. Fechenbach. Durch einen mangelhaften Bericht getäuscht, bemerkten wir, daß es in dieser Versammlung zu antisemitischen Resolutionen nicht gekommen sei. Nachdem aber die Beschlüffe veröffentlicht worden, zeigte es sich, daß das Gegentheil richtig ist. Die Beschlüsse gehen auf 1) Entlastung und Befestigung des Grundbesitzes, 2) die Organisation des Handwerker- und Arbciterstandes (Obligatorische Zünfte, Normal-Arbeitstag, festes Contractverhältniß), 3) Regelung der Arbeiter-Versicherung (Staatszuschuß). Unter 7) Organisation des Handels und Credits unter der Mithülfe der communalen Verbände, Berechtigung der Communen, Waarenhäuser zu errichten und den örtlichen Verkauf allgemeiner Consumartikel zu monopolisiren. Bei diesen Tendenzen kann cs nicht auffallen, daß Nr. 4 der Beschlüffe wörtlich lautet: „Regelung des Verhältnisses des christlichen Staates zu seinen nichtchristlichen Angehörigen ". Es wurde angenommen der Antrag: „1. an dem Grundrechte des deutschen Volkes, durch eine christliche Obrigkeit regiert und verwaltet zu werden, festzuhalten und dem entsprechend die staatsbürgerlichen Rechte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.